Beiträge von Hundundmehr

    Komplett gelesen, sehr fundiert und interessant.

    Das gesamte Dilemma, welches detailliert unterschiedliche Qualzuchtmerkmale behandelt, lässt sich schon mit einem Satz aus der Einführung zusammenfassen:

    Zitat


    Die Vielfalt an Formen und Farben geht teilweise weit über die Grenzen der physiologischen Variation der Tierart Hund hinaus.

    Es muss Ziel sein, diese Grenzen wieder einzuhalten.

    Qualzucht betrifft den Hund selbst, der 1. vor dem Gesetz immer noch nur eine Sache ist, und

    Das mit dem Tier als Sache ist einfach nicht auszurotten, oder? Das ist schon seit 30 Jahren falsch. Man mag das Tierschutzgesetz für defizitär halten, aber „Tier ist Sache“ ist sachlich nicht korrekt.

    Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.

    Du hast Recht, es ist gesetzlich geregelt, dass Tiere keine Sache mehr sind.

    Tatsächlich werden sie durch "besondere Gesetze", nämlich das Tierschutzgesetz, geschützt.

    Allerdings werden alle Belange, die nicht tierschutzrechtliche Aspekte betreffen, durch andere Gesetze geregelt - und hier kommen die Gesetze für "Sachen" zur Anwendung.

    Aus § 90a BGB:

    "Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften anzuwenden, sollte nicht etwas anderes bestimmt sein."

    Ich verstehe auch nicht, warum es bei Sokas so einfach war, Rasselisten/Verbote einzuführen und bei Frenchys und Co. geht das nicht?

    Weil es bei Beißunfällen um strafrechtlich relevante Körperverletzungen gegenüber Menschen ging, und bestimmte Rassen eine erhöhte Gefährdung für die Öffentlichkeit bedeuteten.

    Qualzucht betrifft den Hund selbst, der 1. vor dem Gesetz immer noch nur eine Sache ist, und 2. die Bestimmungen des derzeitigen Tierschutzgesetzes über keine Rechtsgrundlage verfügt, die eine Rasse (und deren Mixe) gesamt als Qualzucht definieren könnte.

    Das Problem würde auch nicht gelöst, wenn nur bestimmte Rassen verboten werden würden, auch nicht, wenn erweitert auch deren Mixe verboten würden.

    Denn dann wäre immer noch die Tür offen für "neue Moderassen" mit "ohne Schnauze", die wieder diesem Puppygesicht entsprechen.

    Den Qualzuchtfaktor über die Fanglänge zu definieren, macht schon Sinn, zumal die zur Zucht (oder auch Vermehrung) bestimmten Tiere ein gutes Stück mehr als dieses Mindestmaß haben müssen, damit keine Welpen geboren werden die dann doch wieder unter das Mindestmaß fallen würden.

    Ja, für bestimmte Rassehunde würde das das Aus bedeuten, bestimmte Gruppen, die schon seit etlichen Jahren eine Rückzüchtung vornehmen, ohne einem Verband anzugehören, hätten dann vermutlich deutlich bessere Chancen, weil es da möglicherweise schon Hunde im Bestand gibt, die deutlich über das Mindestmaß hinausgeht.

    So manche "Retromopszucht" - deren Seriosität mal mehr mal weniger gut ist - hätte hier zumindest die Chance, weiterhin ihre Produktionen verkaufen zu können.

    Was sicher wieder anderen Problematiken Tür und Tor öffnet, der Vermehrungsindustrie z. B.

    Irgendwo muss aber mal angefangen werden.

    Ein Haltungsverbot birgt aber auch noch andere Probleme - wie lang der Fang tatsächlich ist, lässt sich ja erst mit abgeschlossenem Wachstum feststellen.

    Was passiert mit einem Hund, der als erwachsener Hund unter diesem Mindestmaß liegt?

    Fazit: Ein reines Rasseverbot (und deren Mixe) durchzusetzen, fällt deutlich leichter, als ein Haltungsverbot von extremen Kurznasen, würde aber das Problem der menschlichen Vorliebe für Kurznasen nicht lösen.

    dann ändern wir im VDH besser auch nix... :ka:

    Noch mal: Der VDH kann nur ändern und überwachen, was vom Gesetz vorgeschrieben wird.

    Die Zuchtvorgaben regeln die einzelnen Rassehundvereine.

    ...............

    Ja, eine gesetzliche Vorgabe - wie z. B. die Bestimmung der Mindestlänge des Fangs - würde auch dazu führen, dass die dem VDH angeschlossenen Rassehundvereine dicht machen müssen, weil es keine Zuchttiere gibt, die diese (dann gesetzliche) Vorgabe erfüllen können.

    Also, wenn ja die Hunde vor Zuchtzulassung...

    In Deutschland gibt es 29 Mops- und 25 französischen Bulldoggen-Züchter, von denen 2021 knapp 300 Mopswelpen und knapp 200 FB-Welpen kamen.

    Damit dürften deutlich über 90% aller Hunde dieser beiden Rassen nicht vom Verbandszüchter kommen.

    Genau deshalb steht jetzt wohl auch in den Niederlanden ein Haltungsverbot zur Diskussion:

    Aktuell scheint ja auch ein Haltungsverbot zur Debatte zu stehen.

    Was letztlich auch heißen kann: das mit dem Zuchtverbot klappt nur mittelmäßig. Produziert wird halt im schlechter kontrollierbaren Privatbereich weiter oder es wird importiert.

    Genau das ist der richtige Weg: Keine Hundehaltung mehr für Hunde, deren Schnauze weniger als 1/3 der gesamten Kopflänge hat!

    Wobei es da um Neuanschaffungen gehen sollte, es eine Vorlaufzeit geben muss (nicht zu lang, aber eben ausreichend um bestehende "Bestände" noch gut unterzubringen), und natürlich müsste auch geklärt werden, wie mit Hunden verfahren wird, die "zu Besuch" sind.

    Wobei ich es tatsächlich schrecklich finde, Menschen dermaßen "gängeln" zu müssen, weil ihnen die Einsicht für die schrecklichen Folgen ihrer Vorlieben fehlt...

    Aber Raucher werden ja auch gegängelt, und müssen damit leben :ka:

    Hunde sind im Grunde Kunstprodukte, aber etliche der Körperformen, die sie aufweisen, gibt es letztlich auch ohne menschlichen Einfluss bei diversen anderen Säugetieren.

    "Kunstprodukte" interpretiere ich jetzt mal als: "Die einzige Spezies, die vom Menschen geformt wurde, und nicht von der Natur."

    Dieser Gedanke findet sich auch in der Kynologie wieder, und eben daraus wird auch die Verantwortung des Menschen gegenüber dieser, vom Menschen erzeugten Spezies abgeleitet.

    Der Gedanke von Murmelchen , dass viele Extreme beim Hund in Überschallgeschwindigkeit vollzogen wurden, und nicht in evolutionären Zeiträumen "reifen" konnten, und genau deshalb eben so Probleme entstanden sind, die bei anderen Säugetieren mit ähnlichen Körperformen nicht entstanden sind, hat was :denker:

    Der genetische Bauplan kommt vom Wolf, und diese Spezies hat einen überaus erfolgreichen genetischen Bauplan, mit einer so hohen Fähigkeit zur Umweltanpassung, dass der Wolf nahezu überall auf der Welt verbreitet ist (wo er nicht ausgerottet wurde).

    Dieser genetische Bauplan hat aber auch Grenzen, die eingehalten werden müssen um eine gesunde Balance halten zu können.

    Genau diese Grenzen werden aber bei einigen Rassen überschritten, mit den bekannten Problemen.

    Alles, wirklich alles an Extremen, überschreitet diese Grenzen des genetischen Bauplans, und bringt gesundheitliche Probleme mit sich.

    Von seinem genetischen Bauplan bestimmt ist der Haushund ein Dauerläufer, und alles, was diese Funktion behindert, ist eine Qual für diese Spezies.

    Just my two cents.

    weil man mit den Kindern nicht so viel Zeit für Erziehung und Auslastung hat.

    Hier grätsche ich mal rein, weil mich dieser menschliche Anspruch einfach nur aufregt ...

    Sorry, aber in eine solche Konstellation passt überhaupt kein Hund!

    Da ist die Rasse egal, ein Hund ist ein vollwertiges Familienmitglied, und "läuft nicht mal eben so mit".

    Wer wenig Zeit für Erziehung und Auslastung hat, hat einfach keine ausreichende Möglichkeit für ein weiteres, denkendes und fühlendes Lebewesen in der Familie.

    Wenn jetzt jeder Rassemix das Prädikat "Qualzucht" bekommt und wir den Begriff Qualzucht einfach mal inflationär FÜR ALLES verwenden, was in der Vermehrung von Hunden passiert, dann brauchen wir diese Thread auch nicht mehr oder?!

    Da hast du natürlich völlig Recht.

    Was mich an diesen ganzen "Modemixen" einfach so fürchterlich ärgert, ist die völlige Narrenfreiheit hinsichtlich Vermehrung, die einfach jedes x-beliebige Bedürfnis der jeweiligen Menschen bedient.

    Dass hier keinerlei Möglichkeit besteht, dem irgendeinen Riegel vorzuschieben, öffnet der Willkür von Menschen, ohne Sinn und Verstand und bar jeglicher Kenntnis, die für verantwortungsvolle Zucht mit Blick auf mentale Ausgewogenheit und körperliche Fitness notwendig ist, einfach zu Vermehren - nur weil es gefällt und eine gute Geschäftsidee ist, für die man immer irgendwelche Idioten findet, die das gut finden ... und kaufen.