Bei vielen Hunden mit Wachtrieb muss man da so viel tatsächlich garnicht beibringen
Habe ich öfter schon gehört und auch gesehen.
Grundsätzlich (heißt, es gibt auch Ausnahmen, die aber nicht an dem Grundsätzlichen rütteln) bringen Hunde ein sehr feines "Gespür" für die Brisanz oder eben auch Nicht-Brisanz von Situationen in Zusammenhang mit anderen Lebewesen mit.
So ein "natürliches Gespür" ist aber durch entsprechende Erfahrungen auch sehr schnell zunichte gemacht, oder fehlgeleitet, oder verkümmert - denn eine Anlage/Fähigkeit für etwas haben, ist die eine Sache; Diese auch zur Entfaltung kommen zu lassen, ist eine andere Sache.
Da trifft diese Veranlagung dann auf Unwissenheit, oder auch andere Ansprüche, die der Halter an den Hund hat - und schwupps, bleibt da nur noch Wehrverhalten, ohne dass zuvor eine Einschätzung erfolgte, ob es sich überhaupt um eine Gefahr handelt, die entsprechende Wehr erfordert.
Verstehst du, was ich meine?
Insofern stimme ich dieser Aussage von dir nur bedingt zu:
Aber ich wollte damit jetzt nur sagen dass zwar ein großer Teil am Halter und der Erziehung liegt, aber eben nicht alles.
Ich denke, viel von dem was ein Hund mitbringt und sich positiv auf die Kompatibilität mit der Umwelt auswirken würde, wird bewusst oder zumeist auch unbewusst vom Menschen so beeinflusst, dass es sich eben nicht so positiv auswirkt.
Aber auch eine sinnvolle Anleitung durch den Menschen (das Vermitteln von Wertmaßstäben, wie z. B.: "Ich (Mensch) finde Mobben fürchterlich - lass das!") gerade in bestimmten Lebensphasen wird von einem nicht unerheblichen Teil von Hundehaltern versemmelt.
Unbewusst oft deshalb, weil nicht jeder etwas kann:
Zumindest kenne ich das von meiner Rasse so. Klar, sind nicht alle Wachtriebige Rassen/Individuen so und man muss das leiten, aber ich finds im Zusammen leben echt interessant wie viel der Hund selber checkt.
Du findest interessant, was deine Hunde alles selber checken - d.h. aber auch, du SIEHST was deine Hunde selber checken.
Vermutlich gibst du oft ein bewusstes Feedback an deine Hunde für Verhaltensweisen, die sie von sich aus zeigen und von dir für gut befunden werden.
Vieles läuft aber auch ohne bewusstes Handeln körpersprachlich ab: Ein leises Lächeln, weil der Hund auf den plötzlichen Schlenker des Inlineskaters in Richtung Hund und knapp dran vorbei nur mit einem Hochziehen der Augenbraue reagiert hat, und ansonsten unbeeindruckt weiter neben dir gelaufen ist (mal so als bildhaftes Beispiel).
Da gibt es noch viel mehr - mehr, was gemacht wird, gemacht werden kann, wenn mensch es nur sieht.
Tun viele aber nicht.
Also das Sehen.
Trotzdem gelingen die meisten Hunde auch ohne "gut durchdachten Entwicklungsförderungs- und Ausbildungsplan" - warum?
Weil sie Haushunde sind.