Beiträge von Hundundmehr

    Ich würde gerne mal eine Umfrage sehen, wie viele Menschen das Bild "Hund spielt auf der Party zusammen mit den Kindern und alle haben Spaß" im Kopf haben und das für einen völlig selbstverständlichen Normalzustand halten würden.

    Ich halte das für einen Normalzustand - für meine Hunde.

    Stadtbesichtigungen wären für Amigo Stress gewesen.

    Hat er mitgemacht, ohne Stress - wenn er zuvor einen kurzen Lösespaziergang gehabt hätte, und im Anschluss eine schöne Wald-Freilaufrunde, zum "Seele baumeln lassen".

    Das hat er gebraucht, das war seine Welt, die er liebte.

    Hunde sind aber immer Individuen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

    Wenn ich mein Leben mit einem Hund teilen will, muss ich auch die Bereitschaft mitbringen, mich auf die Bedürfnisse des Hundes einzustellen.

    Aber ja, ich erlebe auch immer wieder, dass normale Hundekommunikation immer direkt mit Gefährlichkeit gleich gesetzt wird.

    Zumindest haben diese Listen dazu geführt, dass für das Führen bestimmter Rassen ein Führungszeugnis notwendig wurde - was zumindest den legalen Zugang und das legale Halten von Hunden für ein bestimmtes Klientel verhinderte.

    Das eigentliche Ziel dieser ganzen politischen Maßnahmen war doch, wahrscheinlich gewaltbereiteren Menschen den Zugang zu Hunden zu verwehren, die ein größeres Potential zum Verwirklichen von Gefahr mitbrachten (= Hunde, die zum Kampf zu gebrauchen waren).

    Um auch die illegale Beschaffung zumindest wirksam einzudämmen, wurden dann eben bestimmte Rassen (und deren Phänotypen) gänzlich verboten.

    Dass damit auch vernünftige Hundehalter betroffen waren, war ein Collateralschaden, der in Kauf genommen wurde (bzw. in Kauf genommen werden musste), um überhaupt ein Instrumentarium zur Hand zu haben, um die unmittelbare Gefahr einzudämmen.

    Ein großer Dank an SavoirVivre für ihre Schilderung der Umfeldbedingungen - die für viele, die diese niemals kennen gelernt haben, oft gar nicht oder nur schwer vorstellbar sind.

    Hunde sind als Gattung erfolgreich, weil sie sich dem Leben mit dem Menschen als Sozialpartner und dem Sein in menschlichen Umgebungen angepasst haben. Nein, es ist absolut nicht normal im Sinn von üblich, dass Menschen ins Beuteschema fallen.

    Das ist für mich der eigentliche Kern, was den Canis Lupus Familiaris (Haushund) ausmacht.

    Menschen gehören genauso wenig zum natürlichen Beuteschema wie Artgenossen.

    Weil der Hund aber sehr "formbar" ist, zum Einen durch menschliche Selektion, zum Anderen aber auch durch Erfahrungslernen (wozu auch Erziehung gehört), lässt er sich für Zwecke einsetzen, die diese beim Hund natürliche Vertrautheit und Freundlichkeit (familiaris = vertraut und/oder freundlich) so weit "verbiegen" lässt, dass sie sich zum Beispiel in fehlgeleiteter Beute(-fang)motivation, aber auch in übersteigerter Aggressivität zeigt.

    Meinethalben dürfte es gerne eine Kennzeichnungspflicht für JEDEN Hund geben, und eine Datenbank, gerne auch genetisch, die allen Ämtern zur Verfügung steht.

    Dazu einen Hundeführerschein, den jeder Hundehalter vor der Anschaffung eines Hundes machen muss.

    Außerdem eine Vorstellung/Wesensprüfung im Alter von 2 Jahren.

    Damit würden aber die Persönlichkeitsrechte, die "Freiheit" der Menschen arg eingeschränkt - was zu einem Aufschrei führen würde.

    Amica z.B. wurde nie(*) in Richtung beissen ausgebildet. Aggression wurde nie(*) angesprochen. Sie ist ein unfassbar weicher Hund.

    Als meine Mutter und Amica angegriffen wurden, hat sie auf ihre Genetik 'zurueck gegriffen' und da richtig Alarm gemacht. Kein Getue, sie hat das ernst gemeint!

    Soweit ich weiß, ist genau diese Eigenschaft des tatsächlich-Gefahren-erkennen-können eine grundsätzliche, "natürliche" Vorraussetzung für einen "wesensfesten" Hund.

    "Wesensfest" in Anführungszeichen, weil dies kein feststehender Begriff ist.

    Dass diese Veranlagung (tatsächliche Gefahr von Nicht-Gefahr zu unterscheiden) - die ich persönlich gerade beim DSH früher sehr geschätzt habe - eben auch sehr schnell verhunzt werden kann in den Händen "unfähiger" Halter, ist mMn eines der größten Probleme gerade bei der Haltung von Schäferhunden, und passiert mMn zumeist dann, wenn der Fokus der Ausbildung zu einseitig auf einem Merkmal (Wehrhaftigkeit in diesem Fall) liegt, während andere Merkmale (Umweltsicherheit im Umgang mit Menschen/Artgenossen z. B.) vernachlässigt werden.

    Unsere Schäferhunde hatten auch Schutztrieb. Im Ernstfall hätten sie uns ernsthaft beschützt, da bin ich mir sicher.

    Dazu eine "Fun Story", aus erster Hand von einer Hundehalterin, die ich sehr gut kannte, und den betreffenden Hund auch:

    Ihr weißer kanadisch-amerikanischer Schäferhund war hoch gefährlich für Menschen, sobald seine Halterin nicht anwesend war.

    Nachtübung, die Halter sollten eine dunkle Stelle mit ihren unangeleinten Hunden passieren, aus dem Gebüsch sprang dann plötzlich mit Getöse der Figurant.

    Der weiße Schäferhund durfte daran nur mit Maulkorb teilnehmen.

    Als der Figurant aus dem Gebüsch sprang ... rannte der Hund weg.

    Seitdem fühlte sich die Halterin bei ihrem letzten Abendspaziergang im Dunklen, in einer weniger bewohnten Umgebung, nicht mehr so sicher wie vorher ... weshalb sie ihren Hund da lieber an der Leine hielt.

    Warum hat der Täter dann nur 3,5 Jahre Haft bekommen?

    Wenn die Gesetzeslage ausreichen würde, würde in diesen Fällen nicht die Frage nach dem Vorsatz gestellt werden müssen.

    Diese Form des Trainings, das scharf machen von Hunden, das besitzen eines zivilscharfen Hundes als Privatperson ist in Deutschland seit jeher verboten,

    Was soll man da also ändern?

    Dass bei einer Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot eine Strafe droht, die nicht mehr Erfolg hat als das Bewerfen mit Wattebäuschchen...

    Villeicht hat der Podcast was durcheinander gebracht wäre ja nicht der erste

    Ich persönlich gehe mit Sicherheit davon aus, dass der Gerichtsmediziner in seinem Bericht gar nichts durcheinander gebracht hat.

    Er schildert - übrigens sehr sachlich - den Tathergang, wie er vor Gericht, auch nach Aussagen etlicher Zeugen, rekonstruiert werden konnte.

    Die Hilferufe des Halters nach seiner Freundin, um Unterstützung zu bekommen beim Sichern beider Hunde, die Feststellung dass die Freundin nicht anwesend war, und erst durch jemand anderen dazugeholt wurde, stützen sich sicher nicht alleine auf die Aussagen der beiden Täter.

    Tsokos stützt sich auf die Erkenntnisse, die das Gerichtsverfahren ergaben.

    Alles andere ist Spekulation, die nicht bewiesen werden kann.

    Gerade weil Tsokos nicht spekuliert, nimmt mich dessen Schilderung des Tatherganges sehr mit ... mich lässt seit gestern die Schilderung nicht mehr los, dass Volkan während der kurzen Unterbrechung des Angriffes, trotz seiner da schon vorhandenen schwersten Verletzungen am gesamten Kopf noch versucht hat, auf allen Vieren kriechend dem Geschehen zu entkommen...

    Ich meine, dass dieser schreckliche Vorfall doch zeigt, was passiert wenn Menschen bei einem Hund bewusst die Aggressivität steigern, und dass dies gravierende Folgen hat für die Umwelt.

    Warum hier keine Gesetzesänderung hinsichtlich des "Trainings" solcher Hunde für deren Halter erfolgt ist, ist mir ein Rätsel.

    Für mein Empfinden wurde hier ein Hund zu einer tödlichen Waffe trainiert, bei der mindestens billigend in Kauf genommen wurde, dass diese Waffe tötet.

    Für mich rechtfertigt diese Motivation eine Anklage wegen Mordes.

    Das geben die derzeitigen Gesetze nicht her, und das muss mMn geändert werden.

    Wohlweislich habe ich mir den podcast erst gerade angehört - er hätte mir sonst in der Nacht Albträume beschert...

    Ich schließe mich der Aussage von Murmelchen im Spoiler an:

    In der Folge wird uebrigens recht sachlich ueber 'Kampfhunde' geredet und es gibt auch Kritik an den Behoerden.

    Spoiler anzeigen

    Btw. nach dieser Folge verstehe ich wieso da so massiv nach Regelungen gerufen wurde. Nein, ich find die Listen nicht gut, im Gegenteil. Aber ich kann es nachvollziehen..

    Nach diesen ganzen Details sind die Rufe nach Regelungen, und auch die Regelungen selbst nachvollziehbarer.

    Mich erschreckt die Aussage von Tsokos über die Höherstellung des Täterschutzes gegenüber dem Opferschutz, das ist für mich unfassbar, und müsste viel mehr öffentlich diskutiert werden.

    Auch die Betonung, wie viele Betroffene lebenslang durch dieses traumatische Ereignis leiden müssen - neben anwesenden Schülern und Lehrern werden auch explizit die medizinischen Helfer erwähnt, die Hilfe geleistet haben bei diesem unfassbaren Anblick, den das völlig zerfleischte Gesicht des Jungen bot - unterstreicht noch mal die Folgen dieses unfassbaren Vorfalls.

    Dass die Gerichtsmedizin eben auch Nachweise zu den Ursachen aufdecken kann, die zu diesem schrecklichen Vorfall führten, war mir auch nicht bewusst.

    Bei der Obduktion der Hunde sind ja nachweislich Spuren über die Abrichtung zur Förderung von Aggressivität gefunden worden.

    Emotional betrachtet sind die Urteile natürlich viel zu mild.

    Im Rahmen der bestehenden Gesetze war aber nicht mehr möglich.

    Ich stimme der Aussage von Gerichtsmediziner Tsokos zu: Nicht die Hunde (auch bestimmter Rassen) sind gefährlich, es sind die Hundehalter, die Hunde gefährlich machen.

    Hier muss angesetzt werden; Tsokos erwähnt u. A. eben auch den Hamburger Hundeführerschein, der seines Wissens nach ja wohl den erwünschten Erfolg zeigte.

    Ich finde zwar das Benehmen vom Halter daneben, grad wie er seine Hunde über die Zäune springen läßt, aber ansonsten fände ich da jetzt nichts, was ich da groß dramatisch empfinde, außer, ich hab jetzt was heftiges übersehen :thinking_face:

    Du beziehst das "dramatisch" auf die einzelnen Reaktionen der Hunde im Umgang mit diesem Mobber und seiner Gang.

    Da passiert nichts "dramatisches" - also irgend eine Auseinandersetzung mit großem Verletzungspotential.

    Eben weil die anderen Hunde sich "fügen", und im Endeffekt das Weite suchen, sobald der Mobber sich das nächste Opfer sucht.

    Eine andere Sicht, eben die Gefahr die ich bei diesem Video sehe:

    Da kommt ein Verband ("Gang") von 4 großen Hunden, einer ist der Oberrüpel, der jeden "einnordet" der nicht bei 3 auf den Bäumen ist - und wenn sich jemand nicht fügt, bekommt der Oberrüpel Unterstützung von seiner Gang.

    Bei einem entsprechendem Gegenüber hast du dann eine richtig blutige Beißerei, an der 5 Hunde beteiligt sind.

    Es sei denn, dieser "tolle" Mobber zieht den Schwanz ein.

    Seine Hundemeute so aufschlagen zu lassen, ist nicht nur völlig daneben - es birgt eben auch das Gefahrenpotential, bei einem entsprechendem Gegenüber eine nicht mehr kontrollierbare Situation zu provozieren.

    Ich befürchte allerdings, dieser Kotzbrocken von Möchtegernhundeversteher weiß ganz genau, warum er in eben dieses Gebiet geht...