Gerade beim ersten Hund- Wie war eure Vorstellung vom Leben mit Hund und ist die eingetroffen? Was ist vielleicht jetzt ganz anders als erwartet?
Ich bin mit Hunden aufgewachsen und hatte mich als Jugendliche weitgehend allein um unseren Schäferhund gekümmert. Mit Nachbarshunden war ich auch gern Gassi, damals konnte man einfach noch klingeln und hat den Hund (Bearded Collie und LH Collie) einfach in die Hand gedrückt bekommen.
Danach hatte ich als junge Erwachsene einen Hund aus dem Tierschutz, der aus Teneriffa kam. Der hatte Special Effekts und mich erstmal gebissen, als wir nach dem Abholen daheim ankamen.
Aber irgendwie habe ich auch mit diesem Hund alles hingekriegt, er war irgendwann recht verträglich, gehorsam und ein prima Begleiter. Wir haben sogar die BH Prüfung geschafft. Ich fühlte mich als großer Hundeversteher.
Dann stand nach einigen Jahren im Raum (ich war inzwischen verheiratet und ausgezogen), dass der junge Hund meiner Oma einen neuen Platz sucht. Er war als Welpe von der Straße ins Shelter gebracht worden und von dort aus von meinen Eltern als Geschenk geholt worden. Der Hund wurde dann zu groß und zu kräftig für meine Oma, und sie hat ihn auch nicht wirklich erzogen.
Dann kam der Satz, der mir in meinem Leben dann noch ein paarmal um die Ohren geflogen ist: "Das kann doch nicht so schwer sein!!" 
Was hat mich der Hund Nerven gekostet. Er ist abgehauen, sobald man die Tür einen Spalt aufgemacht hat. Also immer gucken, wo ist der Hund, bevor man die Tür öffnet. Er ist über den Zaun geklettert. Er ist jagen gegangen. Er hat sich mitsamt der Leine losgerissen und ist jagen gegangen. Er hat gezogen wie ein Ochse.
Erkenntnis 1: Ich bin doch kein Hundeversteher.
Wir haben uns dann unsere Schäferhündin als Zweithund dazugeholt. Damit er ruhiger wird. 
Erkenntnis 2: Mit einem zweiten Hund werden bestehende Probleme nicht weniger, sondern potenzieren sich.
Wir haben ihn dann abgegeben, und dazu stehe ich. Es ging nicht anders.
Erkenntnis 3: Es ist keine Schande, seine Grenzen zu erkennen und die Reißleine zu ziehen.
Wichtige Erkenntnisse für mich kamen dann nochmal dazu mit dem Jungspund.
Der kommt aus VDH Zucht und hat EPI. Außerdem ist er ziemlich scheu mit Fremden, schreckhaft und er mag keine Besucher. Das hatte ich noch nie, bisher mochte jeder Hund andere Menschen. Ich denke, das wurde in der Prägephase einfach schlicht verpasst, da Corona und Lockdown und wir hatten uns isoliert, Hundeschulen hatten zu. Wie die EPI sich aufs Nervenkostüm auswirkt 
Erkenntnis 4: Es kommt immer anders als man denkt.
Erkenntnis 5: Es ist sinnlos, an Denkweisen und Ansichten festzuhalten, die sich überholt haben. Auch ein "wenn der Hund so und so wäre, dann..." und "Hätte ich doch..." bringt nichts. Der Hund ist so halt nicht, und ich hab halt nicht, und je eher ich ihn so annehme, wie er ist, desto früher bekomme ich einen Fuß in die Tür und kann das Training und die Erziehung anpassen. Ich lieb ihn ja, egal wie er ist und was er hat.
Erkenntnis 6: Auch ein etwas komplizierterer Kandidat kann ein echtes Goldstück sein und viel Spaß machen. Es ist super wertvoll, wenn man es schafft, sich zurückzulehnen und auch das Gute sehen zu können anstatt dem nachzuhängen, was man eigentlich für Vorstellungen hatte.
Und, das möchte ich nochmal hervorheben, wie tinkar schreibt, ja, ein Hund verändert einen. Und zwar in der Regel nicht die easy peasy Mitlaufhunde, sondern die Exemplare, die Mühe machen. Die sind die besten Lehrmeister.