Beiträge von Vrania

    Puh, der einfachste Hund war wohl meine Ersthündin Moira. Die war Herdermix aus dem Tierheim in Frankreich und ich als 12 Jährige war Hauptbezugsperson. Das hätte natürlich ordentlich nach hinten losgehen können, aber sie war nur toll. Mit Menschen war die einfach der liebste Hund (auch wenn sie nie zu Fremden gegangen ist und mal ziemlich nachdrücklich einen Betrunkenen vertrieben hat, der mich belästigen wollte), mit Hunden nicht unbedingt best friend, aber sehr souverän. Sie war ein echter Traum, hat es geliebt mit mir zu arbeiten und die Welt zu entdecken und ich vermisse sie heute noch schmerzlich.

    Schwierigster Hund war wohl Kira, Border Collie Labrador Mix, anfangs sehr aggressiv allem gegenüber und hätte ernsthaft beschädigt, wenn sie die Gelegenheit gehabt hätte und dabei sehr reaktionsschnell. Ich hatte keine Ahnung von so einem Kaliber Hund und habe auf falsche Ratschläge von Trainern gehört, sodass sie auch anfing, mich anzugehen und das erste Vertrauen komplett verloren hat. Durch eine komplette Änderung des Trainings und meines Umgangs mit ihr, ist sie heute gut händelbar und eigentlich ein toller Hund, der halt seine Eigenheiten hat.

    Enya war anfangs eher schwierig im Sinne von sehr aufwendig. Sie hatte vor allem Angst, hat geschrien und gepinkelt und war einfach eine eine wandelnde Katastrophe. Wir haben aber auch sehr schnell Fortschritte gemacht, sobald die Bindung stärker wurde und sie angefangen hat, sich mehr auf mich zu verlassen und nach der heftigen Anfangszeit wurde sie eigentlich zum Selbstläufer und immer sicherer. Heute ist sie zwar immer noch eher unsicher und sehr sensibel (auf unserer Abendgassirunde weicht sie neuerdings einer Reihe Büsche seit einigen Tagen extrem aus, weil dort vor ein paar Tagen unheimliche betrunkene Männer rumgejohlt haben... An denen sie zu dem Zeitpunkt aber brav im Fuß dran vorbeigegangen ist... Die Stelle meidet sie trotzdem). Sie spiegelt mich extrem, was echt ungünstig ist, weil ich selbst in den letzten Monaten mit Depressionen und Angststörung zu kämpfen hatte. Dadurch ist sie insgesamt wieder etwas unsicherer geworden. Aber eigentlich ist sie mein kleiner Sonnenschein und mein Verlasshund. Ich vertrau ihr und sie mir und das macht alles sehr einfach. Sie ist auch als Therapiebegleithund ausgebildet und liebt diese Arbeit, auch wenn ich nie damit gerechnet hätte, dass sie jemals dafür geeignet wäre. WTP im Sinne von "ich mache etwas für dich, weil du das von mir willst" hat sie übrigens gar nicht, aber sie liebt es zu Trainieren und vor allem das viele Shaping im Tricktraining hat ihr sehr geholfen sicherer zu werden. Auf dem aktuellen Stand ist sie definitiv der einfachste Hund, bei dem man nicht 100% der Zeit im Kopf anwesend sein muss, sondern auch einfach mal abschalten kann beim Spaziergang. Sie ist einfach nur toll.

    Murphy ist auf ganz anderer Ebene eine Herausforderung. Anfangs war er extrem überdreht und gestresst, das war anstrengend, aber im letzten Jahr hat er schon ganz gut Ruhe gelernt und ist jetzt auf einem normalen Pegeln. Was mich aber wahnsinnig macht, ist dass er extrem geräuschempfindlich ist. Er erschreckt sich bei jedem plötzlichen Geräusch und kommentiert das seinerseits mit Bell-Jaulen und ich krieg jedes Mal nen halben Herzinfarkt, wenn ich nicht damit rechne. Es ist schon viel besser geworden, er reagiert nicht mehr auf alles und lauscht oft erst, bevor er reagiert, sodass ich Zeit zum reagieren habe. Umso mehr erschreck ich mich dann halt, wenns doch mal passiert. Sonst ist er aber ein echt netter Typ, der eigentlich gefallen will und schon vieles richtig macht.

    Frauchen ohne Nerven und Hund ohne Nerven ist echt keine gute Kombination :D Nein, aber mit meinen aktuellen Hundis und deren Fortschritten bin ich schon sehr glücklich und will mich auch gar nicht beschweren. Jeder war halt auf seine Weise lehrreich und mitunter auch schwierig, weil es sehr unterschiedliche Typen sind.

    Vor 30-40 Jahren war es auch noch normal, dass der Hund wahlweise alleine oder gar nicht unterwegs war (hier in Kärnten leben viele Hunde immer noch im Garten oder laufen halt allein durch die Gegend). Ja, Hunde standen nicht so im Fokus, es wurde aber auch nicht von ihnen verlangt, dass sie perfekte Freizeitpartner sind, die quasi überall dabei sind und mit den Gegebenheiten der heutigen Zeit (die nochmal ganz anders ist, als die vor 40 Jahren) unauffällig unter Menschen leben. Hundeerziehung bestand damals halt auch teilweise aus Methoden, die heute jeder Mensch mit Verstand ablehnt. Wenn der Hund von 40 Jahren nen anderen Hund oder ne Katze verletzt hat, wurde nicht nach Maulkorb und Einschläferung geschrien. Hat Hund damals nach nem Kind geschnappt, bekam üblicherweise das Kind Ärger, weil es den Hund genervt hat. Heutzutage ist das undenkbar. Hund muss heutzutage deutlich mehr leisten und mit deutlich mehr Reizen klarkommen. Insofern ist es logisch, dass heutzutage mehr Gedanken und mehr Energie in Hundeerziehung gesteckt werden.

    Und längst nicht jeder Ersthundehalter macht intuitiv alles richtig. Da was von gesundem Menschenverstand zu faseln, ist einfach nicht hilfreich, ich bin sicher die meisten Leute versuchen ihr Bestes. Dass dabei ohne vernünftige Anleitung oft Mist raus kommt, lesen wir hier doch regelmäßig und ich finde das auch normal. Man kann 5 Leute Fragen und 10 verschiedene Meinungen bekommen und in 2 Büchern komplett unterschiedliche Ansichten lesen. Man bekommt durch die Medien ständig Meinungen zu dem Thema ungefiltert an den Kopf geworfen, oft von völlig inkompetenten Menschen. Wie soll man da als Anfänger eine unvoreingenommene Meinung auf Basis von "gesundem Menschenverstand" bilden, gerade wenn man nicht viel Ahnung von Hunden hat?

    Ich habe dir eine Wall of Text PN geschrieben @Degurina xD

    Nur hier nochmal, für andere in ähnlicher Situation die das vielleicht lesen. Ein Hund KANN in so einer Situation, in der er massiv überfordert ist, gar nichts lernen. Außer vielleicht, dass Frauchen ihn in diese Situation reinzwingt, ihm die Möglichkeit zur Flucht nimmt und ihn im schlimmsten Fall auch noch dafür bestraft, dass er so reagiert, wie er reagieren muss.

    So eine Gruppenstunde unter diesen Umständen bringt absolut gar nichts, da ist das Gefühl der TE goldrichtig. Einzelstunden bei einem guten Trainer, der sich mit unsicheren Hunden auskennt und beizeiten, wenn der Hund so weit ist, Trainings mit zunächst EINEM anderen Hund arrangieren kann, sind wesentlich sinnvoller.

    Ich hab die Fotos übrigens auf Imgur öffentlich mit der Überschrift "Enya" reingestellt und mir nichts gedacht. Dann hagelte es erstmal Kommentare und Negativbewertungen, weil die Leute offenbar Enya (die Sängerin) erwartet haben :lol:

    Enya (also der Hund, nicht die Sängerin) hat übrigens einen deutschen EU Pass. Hatte den ersten Impfpass leider beim Umzug verloren und musste mir einen neuen ausstellen lassen :schweig: Sonst hätte ich das aber nicht geändert.

    Meine Hunde können im Auto in der Box deutlich besser liegen und auch mal pennen. Am Gewinsel meiner Hündin (der beim Autofahren einfach schlecht wird, vor allem auf den kurvenreichen Landstraßen hier) hat das aber nichts geändert.

    Würde mein Hund aus Ungeduld fiepen, würde ichs mit im Auto sitzen ohne loszufahren und/oder öfter mal ohne Ziel eine Runde drehen und wieder nach Hause probieren.

    Dem Hund per se nur 5 Minuten Bewegung pro Monat zu erlauben (was ja wirklich krass ist, das hab ich in dieser Ausprägung noch nie gelesen) ist halt genauso dämlich wie zu behaupten, dass es für jeden Hund gut und richtig ist, Party machen zu können, bis er von selbst "müde" wird. Genauso wie es Blödsinn ist pauschal 22 Stunden Ruhen am Tag zu verordnen oder pauschal zu sagen, dass der Hund soundsoviele Ruhepausen/Aktivphasen am Tag hat.

    Bei Arbeitsrassen und auch Individuen ganz "normaler" Rassen muss man da einfach mitunter ein bisschen den Daumen drauf haben.

    Leider gibt es auch einfach viele übermotivierte Welpen Besitzer, die es mit Sozialisierung, "Auslastung" und Trainieren bei Weitem übertreiben. Aus solchen übertriebenen Programmen entstehen dann ebenso übertriebene Empfehlungen, die Aktivitäten zu beschränken. Wer Empfehlungen und Richtlinien als starre Regeln nimmt, tut sich und seinem Hund damit üblicherweise sowieso nichts Gutes.

    Edit: ach ja, es ist halt auch ein Unterschied, ob der Welpe nebenher auf dem Hof mitläuft, schlafen kann, wenn er will und entspannte erwachsene Hunde hat, die ihm das vorleben .... Oder ob der Hund 3x täglich eine Stunde zu "Sozialisierung" und strammem Spaziergang mitgeschleppt wird und nebenbei noch Extraprogramm bekommt. Im ersten Fall, ist er zwar insgesamt mehr Stunden draußen sein, aber deutlich weniger Reize auf sich einprasseln haben und deutlich mehr Gelegenheiten, sich von selbst einfach mal auszuklinken.

    Meine Rumänin Enya aka der beste Hund der Welt :cuinlove:

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    Kann schon sein, verschiedene Dinge wirken auf verschiedene Menschen/Tiere unterschiedlich. Genauso ist ja bei Gerüchen. Ich wollte damit sagen, dass die mit Sicherheit nicht DIE Geheimmusik gefunden haben, bei der alle Tiere einfach so von sich aus entspannen. Aber klingt in der Werbung natürlich nett xD Dass das bei einzelnen Individuen so wirken kann, will ich gar nicht bestreiten. Aber das ist auch bei Meeresrauschen, Staubsaugen und Gewitter/Regen so. Manche findens furchtbar, manche findens entspannend.