Beiträge von DarFay

    So ist es. Viel Ruhe und alles beobachten lassen. Meine Hündin hatte 4 Wochen rote Augen, weil sie alles aufsaugte und analysiert hat. Dabei war wirklich garnichts bei mir los, weder Besuch, noch Familie im Haus. Wir waren einfach gemütlich am Nichtstun. Die Draußenrunden hab ich übrigens nach Bauchgefühl angepasst. War sie sehr aufreget, schnüffelte lange an einer Stelle und man kam gefühlt kaum voran, gabs die 0815 Runde (fast 3 Monate Innenhof). Und an guten Tagen mit gut gelauntem Hund, gings mal in den Wald daneben (ca. 1x die Woche). Der war lange sehr spannend.

    Willkommen im Leben mit Hund! :winken: :cuinlove:

    Ich fühle mich bei deinen Texten wie zurück versetzt, als meine Straßenhündin aus Rumänien einzog. Habe damals auch viel gelesen und war am Ende teils verwirrt, was man nun wirklich macht.

    Zum Bellen: Auslandshunde haben oft schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, besonders jene, die auch noch im Shelter saßen (das Einfangen kann recht brutal sein und traumatisch). Oftmals sind Männer wesentlich schlimmer für solche Hunde als Frauen. Bei euch könnten also 2 Dinge einwirken: Der Hund ist gegenüber fremderen Menschen (und Männern) hoch skeptisch, diese werden also verbellt. Zweitens steckt in vielen Rumänen Wach- und Schutzhund, da sie dort meist ausschließlich dafür gehalten werden. Wahrscheinlich hast du also einen Hund, der sein neues zuhause irgendwie verteidigen möchte, und zudem sehr unsicher dabei ist. Eine recht blöde Situation, da man solchen Angstaggressiven Hunden meist nicht ganz so schnell bei dieser Zwickmühle helfen kann. Da hilft nur zeigen, dass man alles Komische übernimmt. Dein Freund muss sich das Vertrauen erst erarbeiten (sie nicht anschauen, sich einfach in Entfernung mal auf den Boden setzen und nix tun, vielleicht paar Leckerchen zu ihr werfen, ohne zu schauen). Ansonsten möglichst Fremde vor allem Anfangs meiden (also KEIN Besuch die ersten Monate, der unnötig ist!) und ihr somit zeigen, dass du alles im Griff hast und sie solchen unheimlichen Menschen nicht ausgesetzt wird. Sowas dauert und geht womöglich nicht ganz weg (fehlende positive Sozialisation deines Hundes auf Menschen + Wachhund Gene).

    Bellen bestärken?: Würde ich bei einem Hund, der jetzt schon zeigt, dass er mit Bellen blöde Dinge regeln will, NICHT unterstützen. Plane lieber so: Der Hund darf anschlagen (1-2 Mal Wuff), aber nicht hysterisch kläffen. Meine Hündin erfährt bei einzelnen unsicheren Bellern eine Bestätigung "Ok, Sunny. Ich habs gesehen" und dann führe ich sie aus der Situation weg. Wildes Kläffen wird mit "Nein" kommentiere und sie wird ebenfalls aus der Situation geführt. Anfangs, wo dein Hund die Begriffe natürlich nicht kennt, würde ich sie immer aus dem Stress retten. Sollte sie wie gesagt nur mal kurz Wuff machen (weil was komisch klang), loben und übernehmen (zB aus der Tür rausschauen, zurückkommen und mit "Alles ok" abhaken. Kläffen ebenfalls übernehmen, aber eben nicht fördern durch Lob.

    Zum Fiepen: Meine Hündin hat sich anfangs nichts körpernahes getraut. Also habe ich alles, alles, alles gefördert, was sie irgendwann anbot. In jedem Buch steht, wenn nach dem Streicheln der Hund weitermachen will und z. B. mit der Pfote an dir scharrt, ignorieren! DU entscheidest. So ein Blödsinn, vieles passt einfach nicht zur Straßenhunden, was da steht. Das ich sowas nicht bei nem Labbi mach, der mich sonst den ganzen Tag mit seiner Pranke schlägt, weil er so kuschelfreudig ist, ok. Aber man sollte das immer auf die eigene Situation anwenden. Als meine anfing, beim Streicheln das Pfötchen zu nutzen, damit ich weiter mache, habe ich das IMMER unterstützt. Es war so toll, dass sie anfing, mir ihre Gefühle zu zeigen. Mein Pflegehund hingegen hat viel gefiept, was war schon anstrengend. Das habe ich wiederum nicht gefördert. Kommt immer darauf an, was man am Ende erreichen möchte und ob der Hund sowas nutzt, um zu übertreiben oder ob man zartes Verhalten fördert, das einem gefällt.


    Ich hatte mir recht zügig eine Trainerin geholt. Das bietet für sich selbst Sicherheit und Ideen, die man umsetzt. Die Trainerin kann nämlich genauer erkennen, ob dein Hund eher ängstlich ist oder tatsächlich nur sein Territorium beschützen will. Mir gab das innerlich mehr Coolness, da man einfach nicht allein dasteht.

    Typischer Entzug, wenn du deinem Arbeitsjunkie nix mehr gibst, sucht er verzweifelt wo anders den Stoff (und zieht). Der Ausstieg ist nie einfach und ganz klassisch für engagierte BC-Neulinge. Nun entsteht für viele nämlich der Trugschluss "Er braucht mehr! Sonst langweilt er sich oder macht Blödsinn" und schon landet man wieder im Junkiekreislauf.

    Darum ist Ruhe lernen die größte Herausforderung bei solchen Rassen. Wenn der Anfang dazu falsch gelegt wurde, wirds nun leider komplizierter (weshalb ein Trainer, der sich mit der Rasse auskennt, eine gute Stütze wäre). Wir hatten im Forum schon extreme Exemplare, die dann stundenlang hechelnd herumliefen und gar nicht mehr mit sich und der Welt klar kamen (wurde dann auch abgegeben, da der Hund wirklich psychisch komplett durch war). Also bitte ernst nehmen und womöglich Hilfe suchen. Der Entzug kann nämlich dauern und braucht eine gewisse Balance.

    Da ich recht eng gestrickt lebe, muss der Hund eigentlich gut passen. Damals wusste ich noch nicht, dass Rassen charakterlich so unterschiedlich sind und Tierschutzhunde aus dem Ausland so wundertütig sein können. Ich hatte den Trugschluss, dass mit Erziehung alles geht.

    Mit DF hätte ich jetzt wahrscheinlich keinen Hund....

    Meine Sunny war super anstrengend durch Leinenaggression und ist es heute noch gegenüber fremden Menschen. Aber sie ist mein größter Schatz. Es stört mich alles viel weniger als am Anfang. Management und Training haben sie rein äußerlich aber zum einfachsten Hund der Welt gemacht. Wir sind eben ein Team geworden, das Kleinigkeiten vom anderen lesen kann.

    Wahrscheinlich zieht hier aber nur noch ein Rassehunde ein, der weder Mensch noch Hund blöd findet. :lol: Einfach ein einfacher Wuschel.

    Ich habe das dumpfe Gefühl, dass viele denken, wir holen uns einen Hund, weil wir gerade dank Corona zu Hause sitzen. Und dagegen muss man erst mal ankämpfen. Dem ist nicht so. Ich habe bereits Labradorerfahrung über mehrere Jahre und wir haben 3 Jahre lang hingearbeitet, dass unsere Situation endlich so ist, dass wir uns einen Hund holen können, der unser Leben und wir seines bereichern.

    Ich hoffe, ich konnte damit einigen ein paar Fragen beantworten und hoffe auf viele weitere Posts von Ähnlicher Qualität wie oben. Danke für Eure Zeit.

    Nene, also ich glaube nicht, dass hier wer denkt, ihr holt euch den typischen "Coronahund". Es ist eher so: Alle fingen mal mit dem ersten Hund an und haben dann den Unterschied zwischen Fantasie und Realität bemerkt. Und man sieht hier im Forum ganz gut, welche Themen besonders oft Probleme machen (auf Grund der Fantasie vorher und der Realität danach).

    Darum ist AL als Ersthund einfach schwierig, da man sich das schön denkt, aber dann später merkt, was es wirklich bedeutet (oder was man eigentlich vom Hund möchte). Und damit ist wie gesagt weniger gemeint, dass man nicht genug auslastet. Sondern dass sich Baustellen auftun, die weniger eifrige Hunde eben nicht haben. Vielleicht kann er nie ohne Leine laufen (weil zu starker Trieb), vielleicht will er andere Hunde/Menschen loswerden (weil zu nervös). Viele Arbeitshunde können nie mal mit ins Café oder Restaurant (weil zu hibbelig für so viel Input). Es ist wie gesagt diese Balance zur Ruhe und zur Arbeit, die man in der Realität dann oft nicht hinbekommt. Besagte Erwartungshaltung sorgt schnell dafür, dass der Hund überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommt, weil man dem Hund nie den An/Aus Knopf vernünftig vermittelt bekommen hat. Man isoliert sich dann recht schnell, wenn der Hund sehr speziell ist. Und am Ende gibt man total überfordert den Hund ab, der aber auch schwer vermittelbar sein wird. Das wäre das Worst Case. Sieht man im Forum immer wieder. Gebrauchshund - falsche Vorstellungen - Überforderung - Abgabe.

    Fängt bei Futter vom Tierarzt an, was eben viel Geld bring und schnell mal verschrieben wird

    OT, aber: So ein Quatsch, jetzt bitte mal die Kirche im Dorf lassen.

    Echtes Vet-Futter ist umfangreich getestet (im Gegensatz zu vielen Boutique-Futtern) und für die jeweiligen Anwendungsgebiete erwiesenermaßen sinnvoll. Und viel Geld bringt das ebenfalls nicht. Die Preise in den Praxen sind nicht viel höher als im Netz, und es ist auch Lagerraum erforderlich, oftmals läuft was ab... und aufgedrängt wurde mir sowas noch NIE. Und ich hab zwei Hunde, die Vet-Diäten erhalten. Lediglich Empfehlungen gab es.

    Außerdem: Tierärzte sind auch nur Menschen. Nicht jeder kann auf jedem Gebiet top sein und jeder arbeitet im Rahmen seiner Möglichkeiten. Klar gibt es engagiertere und weniger engagierte/empathische, aber dieses "böse, böse, reiche Tierärzte" find ich langsam wirklich... anstrengend.

    Und das kommt von jemandem, der ne wahre Odyssee hinter sich halt.

    Wie gesagt, meine Erfahrungen beruhen eher auf Katzen und da ist das Futter totaler Schrott. Kannst dich gern dazu genauer erkundigen.

    Und ich sagte nicht, dass Tierärzte Böse sind. Ich sagte, sie sind oft nicht spezialisiert. Was ja kein Drama ist. Nur wenn man dann weiß, wo was im Argen liegen könnte, gehe ich nach dem Allgemeindoc eben zum Spezialisten. Ich lass mir beim Hausarzt ja auch nicht die Schilddrüse einrichten, sondern lasse das dann vom Spezialisten beobachten. Auch wenn der Hausarzt der ist, der erst einmal feststellt, dass es an der Schilddrüse liegen könnte.

    Ich sehe hier ehrlich gesagt auch keine AL. Dieses hin und her zeigt schon ein wenig, dass es eher die schöne Traumfantasie ist (und die Optik mehr im Fokus steht). Was Neulinge nämlich bei solchen Hunden am schlechtesten hinbekommen ist nicht, sie gut genug auszulasten. Viel mehr wird zu viel und in falscher Qualität ausgelastet. Da drehen die Sicherungen schneller beim AL-Hund durch, als man schauen kann. Bis man nämlich wirklich schön zu arbeiten beginnt, wartet man viele Monate und macht eher wenig, aber dafür qualitativ sehr hochwertig. Und genau diese Balance ist der Stolperstein jedes Ersthundhalters. Schaut euch die Beiträge im Forum an, da fällt bereits auf, dass viele mit ihren Showlabbiwelpen Schwierigkeiten haben. Selbst die werden oft überlastet.

    Was kann der Showlabbi denn nicht, was ihr anbietet? Nur bringt er den Bonus, dass er rundum besser rein passt und sich besser anpasst. Die Logik der AL erschließt sich mir hier leider nicht. Wirklich nicht böse gemeint, aber kannst du mir nochmal sagen, was der Showlabbi bei euch nicht kann, was aber der AL dafür hinbekommt? (Ich glaub viele verstehen das gerade nicht.)