Willkommen im Leben mit Hund!

Ich fühle mich bei deinen Texten wie zurück versetzt, als meine Straßenhündin aus Rumänien einzog. Habe damals auch viel gelesen und war am Ende teils verwirrt, was man nun wirklich macht.
Zum Bellen: Auslandshunde haben oft schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, besonders jene, die auch noch im Shelter saßen (das Einfangen kann recht brutal sein und traumatisch). Oftmals sind Männer wesentlich schlimmer für solche Hunde als Frauen. Bei euch könnten also 2 Dinge einwirken: Der Hund ist gegenüber fremderen Menschen (und Männern) hoch skeptisch, diese werden also verbellt. Zweitens steckt in vielen Rumänen Wach- und Schutzhund, da sie dort meist ausschließlich dafür gehalten werden. Wahrscheinlich hast du also einen Hund, der sein neues zuhause irgendwie verteidigen möchte, und zudem sehr unsicher dabei ist. Eine recht blöde Situation, da man solchen Angstaggressiven Hunden meist nicht ganz so schnell bei dieser Zwickmühle helfen kann. Da hilft nur zeigen, dass man alles Komische übernimmt. Dein Freund muss sich das Vertrauen erst erarbeiten (sie nicht anschauen, sich einfach in Entfernung mal auf den Boden setzen und nix tun, vielleicht paar Leckerchen zu ihr werfen, ohne zu schauen). Ansonsten möglichst Fremde vor allem Anfangs meiden (also KEIN Besuch die ersten Monate, der unnötig ist!) und ihr somit zeigen, dass du alles im Griff hast und sie solchen unheimlichen Menschen nicht ausgesetzt wird. Sowas dauert und geht womöglich nicht ganz weg (fehlende positive Sozialisation deines Hundes auf Menschen + Wachhund Gene).
Bellen bestärken?: Würde ich bei einem Hund, der jetzt schon zeigt, dass er mit Bellen blöde Dinge regeln will, NICHT unterstützen. Plane lieber so: Der Hund darf anschlagen (1-2 Mal Wuff), aber nicht hysterisch kläffen. Meine Hündin erfährt bei einzelnen unsicheren Bellern eine Bestätigung "Ok, Sunny. Ich habs gesehen" und dann führe ich sie aus der Situation weg. Wildes Kläffen wird mit "Nein" kommentiere und sie wird ebenfalls aus der Situation geführt. Anfangs, wo dein Hund die Begriffe natürlich nicht kennt, würde ich sie immer aus dem Stress retten. Sollte sie wie gesagt nur mal kurz Wuff machen (weil was komisch klang), loben und übernehmen (zB aus der Tür rausschauen, zurückkommen und mit "Alles ok" abhaken. Kläffen ebenfalls übernehmen, aber eben nicht fördern durch Lob.
Zum Fiepen: Meine Hündin hat sich anfangs nichts körpernahes getraut. Also habe ich alles, alles, alles gefördert, was sie irgendwann anbot. In jedem Buch steht, wenn nach dem Streicheln der Hund weitermachen will und z. B. mit der Pfote an dir scharrt, ignorieren! DU entscheidest. So ein Blödsinn, vieles passt einfach nicht zur Straßenhunden, was da steht. Das ich sowas nicht bei nem Labbi mach, der mich sonst den ganzen Tag mit seiner Pranke schlägt, weil er so kuschelfreudig ist, ok. Aber man sollte das immer auf die eigene Situation anwenden. Als meine anfing, beim Streicheln das Pfötchen zu nutzen, damit ich weiter mache, habe ich das IMMER unterstützt. Es war so toll, dass sie anfing, mir ihre Gefühle zu zeigen. Mein Pflegehund hingegen hat viel gefiept, was war schon anstrengend. Das habe ich wiederum nicht gefördert. Kommt immer darauf an, was man am Ende erreichen möchte und ob der Hund sowas nutzt, um zu übertreiben oder ob man zartes Verhalten fördert, das einem gefällt.
Ich hatte mir recht zügig eine Trainerin geholt. Das bietet für sich selbst Sicherheit und Ideen, die man umsetzt. Die Trainerin kann nämlich genauer erkennen, ob dein Hund eher ängstlich ist oder tatsächlich nur sein Territorium beschützen will. Mir gab das innerlich mehr Coolness, da man einfach nicht allein dasteht.