Barbara Kingsolver - "Prodigal Summer"
Buuuhuuu, jetzt habe ich schon meinen fünften Kingsolver-Roman durch - ja, das macht mich tatsächlich etwas traurig, denn ich fürchte, bald habe ich alle bisher erschienenen Romane der Autorin durch. Aber was soll ich denn machen, wenn Kingsolver so ein hohes Suchtpotenzial hat! Schreiben kann die Frau nämlich wirklich grandios. Jedes ihrer Werke ist ein Genuss, sie kann einfach jede Geschichte so fesselnd erzählen, dass man innert weniger Seiten das Gefühl bekommt, mittendrin zu sein. Selbst wenn dieses Mittendrin bedeutet, dass man mit einer der Protagonistinnen dieses Romans, der geschiedenen Biologin Deanna Wolfe, einen Sommer in einer abgelegenen Hütte in den Appalachen im ländlichen Virginia verbringt. Dort arbeitet Deanna für den National Forest Service und kümmert sich unter anderem um die Instandhaltung der Wege, auch die Beobachtung der Tiere zählt zu ihren Aufgaben. Doch Deannas heimliche große Liebe sind die Kojoten, die sich nun tatsächlich dem Berg annähern...
Doch Deannas eigenbrötlerisches Dasein wird jäh unterbrochen, als ausgerechnet der junge Rancher und Jäger Eddie Bondo auftaucht, der Kojoten als Gefahr für die Viehwirtschaft betrachtet und sich an einer Abschuss-Aktion der Tiere beteiligt. Obwohl Deanna dies zutiefst zuwider ist, kommen sie und Eddie sich näher...
Währenddessen trauert die junge Lusa, welche jüdisch-polnische Wurzeln hat, um ihren Ehemann. Die beiden waren erst ein Jahr verheiratet, als der leidenschaftliche Landwirt bei einem Farmunfall ums Leben kam. Nun ist Lusa allein auf der Farm, die er von seinen Eltern übernahm, umgeben von seinen fünf Schwestern, welche Lusa immer als herrisch und von ihr wenig angetan wahrnahm. Doch Lusa fühlte sich immer schon zum Landleben und zur Natur hingezogen und hat einen Hintergrund als "Insektenforscherin", sodass sie beschließt, die Farm weiter zu bewirtschaften, allen Hindernissen und Schwierigkeiten zum Trotz... Dabei findet sie ungeahnte Verbündete.
Zu guter Letzt handelt ein dritter Erzählstrang vom alten Garnett Walker, dessen große Passion sein Zuchtprogramm zur Wiedererschaffung des amerikanischen Kastanienbaums, welcher gegen die Kastanienfäule resistent ist, ist. Garnett Walker betrachtet sich als gottesfürchtigen, traditionsbewussten Christenmannes, deshalb ist er permanent im Clinch mit seiner Nachbarin Nannie Land Rowley, die unkonventionelle Wege in der Landwirtschaft geht und wenig vom Einsatz chemischer Schädlingsvernichtungsmittel hält.
Kingsolver verwebt diese drei Erzählstränge meisterhaft miteinander und schon jeder für sich ist ein großer Lesegenuss. Sie kann einfach alles, ob Drama, humorvolle Momente oder die Begeisterung der Leser:innenschaft für landwirtschaftliche, ökologische Themen und die Flora und Fauna im ländlichen Virginia.
Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Kingsolver-Roman.