Barbara Kingsolver - "Pigs in Heaven"
Nach 5 Romanen von Kingsolver, die ich allesamt wahnsinnig stark und erzählerisch mitreißend fand, habe ich mit "Pigs in Heaven" nun mal einen Roman der Autorin durch, mit dem ich nicht ganz so warm werden konnte. Jammern auf hohem Niveau ist das allerdings schon, denn Kingsolver ist eine begnadete Erzählerin. Bei "Pigs in Heaven" gab es allerdings ein paar Kritikpunkte für mich, die das Buch für mich zu einer weniger unvergesslichen Lektüre machten.
Zum einen fand ich das Erzähltempo frustrierend. Über gewisse, durchaus wichtige Entwicklungen und Zeiten im Leben der Protagonistinnen werden quasi nur wenige Seiten gefüllt, Lappalien hingegen wurde für mich gefühlt einfach viel zu viel Raum gegeben.
Zudem hatte ich das Gefühl, dass das Bich so vor sich hinplätscherte und dabei einiges an Potenzial verschenkte. Es schien, als könne die Autorin sich nicht ganz entscheiden, was sie denn eigentlich als "Mittelpunkt" ihrer Geschichte betrachtet - ist es in erster Linie eine Roadtrip-Story eingebettet in eine familiäre Ausmahmesituation? Oder sollen diese familiären Bande und damit einhergehende ethische Fragestellungen das Zentrum einnehmen?
Für mich fehlte da irgendwie der rote Faden, ich empfand die Lektüre daher teils als anstrengend, da mir die Handlung so durcheinandergewürfelt vorkam.
Zu keiner der drei Protagonistinnen konnte ich wirklich einen "Draht" aufbauen. Irgendwie blieben sie sehr farblos und schienen eher Schachfiguren für die Autorin zu sein, um ihre Botschaft zu vermitteln.
Über die Native Americans hat Kingsolver zweifellos mehr Wissen als ich, dennoch empfand ich die Beschreibungen manchmal als irgendwie unangenehm karikaturenhaft. Das mag teils auch der Tatsache geschuldet sein, dass "Pigs in Heaven" schon 1993 erschien, und bis zu einem gewissen Grad liegt es wahrscheinlich auch schlicht an meinem subjektiven Empfinden als kritische Leserin.
Irgendwie fand ich auch das "Finale" enttäuschend - wenig tiefgehende Emotion, eine nur oberflächliche Abhandlung. War sehr underwhelming.
Die Rahmenhandlung an sich ist sehr interessant und lädt zum Nachdenken ein - darüber, wie wir Familie definieren, wer das Recht hat zu entscheiden, wohin ein Kind gehört, Adoption generell und "interracial adoption" im Besonderen. Aber irgendwie blieb hier in meinen Augen sehr viel Potenzial ungenutzt und die Charaktere waren deutlich schwächer ausgearbeitet als in den anderen Kingsolver-Romanen, die mich deutlich mehr fesseln konnten.
Übrigens ist "Pigs in Heaven",wie ich erst jetzt feststellte, Sequel zu "The Bean Trees". Da ich "Bean Trees" nicht gelesen habe, kann ich allerdings feststellen, dass es wohl sehr gut möglich ist, die Romane getrennt voneinander zu lesen bzw. eben nur den zweiten Band zu lesen. Vielleicht gebe ich "Bean Trees" irgendwann doch auch eine Chance, mal sehen.