1. Würdet ihr euch für eine Welpenschule entscheiden, wenn ggf. einzelne, nicht alle Methoden dort nicht eurer Natur und eurer Vorstellung entsprechen? Ich bin zugegeben schon eher die Fraktion Wattebauschwerfer, sehe es aber ein, wenn zB auch mal im Ernstfall die Stimme kurz(!) laut wird.
Ich war zwar nie in einer Welpenschule, aber habe schon diverse Hundeschulen und Vereine besucht, da ich mich für unterschiedliche Hundebeschäftigungs-Formen interessiere. Von Nasenarbeit über Hoopers bis hin zu Rally Obedience haben wir schon so gut wie alles mal ausprobiert bzw. auch länger betrieben. Auch ein paar Erziehungskurse sowie den BH-Vorbereitungskurs habe ich besucht.
Ich kann sagen, für mich gab es bisher noch keine "100% perfekte" Hundeschule. Einige waren und sind da echt knapp dran, aber irgendwo ist man ja auch ein eigener Mensch mit eigener Meinung, Einstellung und mitunter auch eigenem, bereits erworbenem Wissen.
Solange ich aber die Methoden nicht als zu hart, unfair oder inkonsequent empfinde, kann ich es auch akzeptieren, dass man sich bei Kleinigkeiten letztlich auch mal uneins ist. Schließlich entscheide letztlich ich als Halterin, wie ich in bestimmten Situationen agiere und reagiere. Ich muss nicht zum Clicker greifen, statt ein Markerwort zu verwenden, weil mir Trainer Clicker empfiehlt. Ich muss meinen Hund nicht kastrieren lassen, weil die Trainerin meint, er sei zu sexuell motiviert (Letzteres ist mir tatsächlich passiert - der Kurs war aber an sich sehr gut, nur da war ich halt anderer Meinung, da mein Hund noch sehr jung war und es gerade mal die erste Kursstunde, wo er generell sehr aufgeregt war und dann zusätzlich durch eine läufige Hündin auf dem Platz abgelenkt. Habe die Meinung zur Kenntnis genommen, weiter trainiert und am Ende des Kurses hatten wir viel dazugelernt und mein Hund war - und ist - nach wie vor intakt, hehe).
Welche Rolle spielen Erfahrung und Persönlichkeit? Ja, Trainer 3 ist 10-15 Jahre älter und extrovertierter, aber inwieweit ist das zwingend ein Vorteil?
"Erfahrung", puh - jeder fängt mal irgendwo an und meiner Ansicht nach gibt es Leute mit 30 Jahren Trainererfahrung, die dennoch weniger Gespür und Verständnis für Hunde haben als junge Trainer, die vielleicht noch gar nicht sooo lange selbst Hunde haben, aber einfach wichtige Kompetenzen wie Empathie, Klarheit in der Kommunikation, lerntheoretisches Wissen etc. mitbringen.
Ich war auch schon bei Trainern, bei denen ich jetzt nicht unbedingt einen Grunderziehungskurs machen würde, die aber total super in einer Hundesportart anleiten, von daher ist es ja generell immer ein bisschen so, kommt auch drauf an, was die jeweilige Person halt gut kann.
Ob jemand extrovertiert ist oder nicht - sagt ja erstmal nix über die Fähigkeiten als Hundetrainer aus. Man kann sich vielleicht besser vermarkten und hat es unter Umständen leichter, Kunden an sich zu binden. Ich persönlich mag es schon, wenn Trainer auch mal deutliches Feedback geben und nicht nur lächelnd nicken und "Ja, sehr schön" sagen. Hatte ich auch schon mal in einem Kurs, dass irgendwie null Anregungen kamen und das fand ich schade, weil ich ja dazulernen wollte. Für andere Teilnehmer schien das aber zu passen, also ist es bestimmt auch Typsache.
Was sind eure Meinungen zu Korrekturen und Beziehungen (zum Welpen)? Kann ein solcher Ansatz wie bei Trainer 3, also zB bei einer Versuchung im Training, direkt ein paar Stufen der Eskalationsleiter zu überspringen, einen negativen Einfluss auf die noch junge Beziehung haben?
Ich finde, Korrekturen gehören zur Hundehaltung dazu, damit meine ich jetzt nichts Tierschutzrelevantes, aber eben mal z.B. einen deutlichen verbalen Abbruch, auch Wegblocken, authentisches "Schimpfen" etc.
Ich mag es aber nicht, wenn wegen Kleinigkeiten direkt "schwere Geschütze" aufgefahren werden. Je nach Hundetyp kann das halt nach hinten losgehen. Der eine Hund beschwichtigt dann vielleicht direkt und wird meidig, und man muss ihn mühsam wieder aufbauen, dass er Freude an der Zusammenarbeit mit dem Menschen hat. Ein anderer Hund merkt vielleicht, dass man selbst nicht hinter der Methode, die man anwendet, steht, und lässt sich das in der Pubertät nicht mehr gefallen und gibt Kontra. Und ein dritter Hund nimmt die Korrektur vielleicht gar nicht so ernst und stumpft halt ab.
Also meiner Ansicht nach muss da einfach auch dosiert und auf den individuellen Hund angepasst (!) vorgegangen werden. Bei solchen Übungen wie der beschriebenen, wo dann einfach Schema F vom Trainer empfohlen wird, bin ich skeptisch.
Ich fände es arg schade, wenn mein Hund schon so deutlich beschwichtigen müsste, wenns an sich erst mal nur um eine Hand mit Keks geht. Andererseits bin ich ja hundeunerfahren. Wie seht ihr das?
Dass der Hund des Trainers da gleich so beschwichtigt, wäre bei mir ein Alarmsignal. Ich möchte, dass der Hund des Trainers freudig und motiviert mitarbeitet und dass er auf dessen Signale und ggf. Abbrüche zwar reagiert, diese aber so auf ihn abgestimmt sind, dass er nicht gleich in Nervosität und Unsicherheit verfällt.
Denn ich möchte ja auch einen Hund, der freudig und motiviert auf mich und meine Signale reagiert. Der auch mal einen Abbruch zur Kenntnis nimmt, aber nicht meidig und unterwürfig wird mir gegenüber.