Tierschutzrelevante Vernachlässigung ist natürlich absolut nicht okay.
Vieles andere ist aber letztlich Auslegungs- und Ermessungssache. Viele Hunden, deren Leben ich furchtbar monoton finde, leben wahrscheinlich immer noch viel besser und luxuriöser als viele andere Hunde weltweit. Der Standard der "guten Hundehaltung" verschiebt sich ständig, beispielsweise durch medizinischen Fortschritt in der Tiermedizin. Ist es ein "hinten über fallen", wenn jemand sagt, tierärztliche Basisversorgung ja und Behandlung mit zB Schmerzmitteln etc ja, aber es wird nicht wirklich alles an Diagnostik gefahren bei Problem X und Y?
Wenn ein Hund halt einfach mitläuft, ohne gezielt beschäftigt zu werden, ohne wirklich bewusste Qualitytime?
Ich finde Übergewicht, insbesondere massives, schrecklich bei Hunden. Und ja, irgendwo wird es da für mich auch tierschutzrelevant. ABER selbst mir ist es mal passiert, dass Jasmin vorübergehend zu dick war, weil sie die Reste von Rexis Futter fraß (der war da schon krank und wollte nicht mehr immer alles auffressen morgens)und ich zu abgelenkt war, es gleich zu bemerken. Und weniger unterwegs waren wir damals auch, da meine Mama sterbenskrank war und ich sie immer im Krankenhaus besucht habe, ihr im Alltag geholfen habe etc. Und nebenbei noch arbeiten ging... Und Rex konnte auch nicht mehr so viel raus.
Und ja, mir haben blöde Sprüche zu Jasmins Gewicht von einer Person in meinem Umfeld dammals sehr wehgetan, denn es war ja kein Geheimnis, was da los war.
Ich bewundere auch Leute, deren Hunde immer top gepflegt sind. Hier zieht wohl keine Scherrasse mwhe ein, mir ist das zu viel,und ich hatte es ehrlich unterschätzt, vor allem da Jasmin denkbar unkooperativ ist. Die Hundefrisörin meines Vertrauens starb bei einem Autounfall, seitdem pflege ich Jasmin selbst, so gut es geht, aber sie filzt sehr schnell und ihr Fell ist nicht immer 100% filzfrei, da bin ich ehrlich, das schaffe ich nicht. Weit entfernt von Filzplatten etc., nicht so, dass es sie beeinträchtigen würde. Dennoch gerade für den Standard eines Hundefrisörs sicher nicht gepflegt genug... isso, muss ich mit leben.
Jasmin hat insgesamt schon weit über 20 Zähne in 3 OPs eingebüßt übrigens. Die Zähne werden bei ihr ziemlich schnell wieder unschön, obwohl ich mittlerweile auch so oft wie möglich putze. Aber raus müssen die meisten irgendwann sowieso,da die einfach kaputt und locker werden. Nur plant man sowas halt und legt den Hund nicht ständig in Narkose zur Zahnsteinentfernung. Und wenn der letzte Eingriff bei Jasmin eine Weile zurückliegt, sehen ihre Zähne halt auch nicht mehr blendend weiß aus...
Ich glaube tatsächlich, dass meine Hunde es dennoch ziemlich gut haben. Ich bastle mein Leben sehr um sie herum, sie erleben viel, werden sehr geliebt und umsorgt.
Wie schnell es gehen kann, das man sowohl sich selber als auch geliebten Wesen nicht mehr wirklich gerecht wird, kann man,glaube ich, nur verstehen,wenn man schon mal echt am Boden war. Bei mir geht es trotzdem weiterhin irgendwie, ich bin aber sicher nicht "besser" als jene, die irgendwann nicht mehr funktionieren konnten bzw weiß ich, auch bei mir könnte das jederzeit der Fall sein. Und dann ist Verurteilung das Letzte, was man braucht. Eher Hilfsangebote und Entlastung. Jedenfalls wenn es am Nichtkönnen liegt, Nichtwollen obwohl man die finanziellen Ressourcen/die Zeit/mentale Kapazitäten hat, ist ja wieder was anderes...