Ich habe hier auch so einen Kandidaten sitzen, der es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn irgendwo an seinem Körper „herum manipuliert“ wird. Er beißt zwar nicht, aber wenn sich 30kg körperlich widersetzen, kann man da auch mit drei erwachsenen Personen nichts ausrichten. Auch nicht mit Gewalt... Newton bekommt da einfach Panik... Die sieht man richtig in seinen Augen... Und dann will er nur noch weg. Woher sie in dieser Situation kommt, keine Ahnung. Ich habe ihn seit Welpe und er hat nie etwas Schlimmes erlebt. Im Wartezimmer ist er vollkommen entspannt. Andere Hunde schlottern am ganzen Leib. Bei ihm nichts dergleichen. Was die ganze Sache für mich noch unverständlicher macht.
Was kann man tun? Zwei Dinge helfen da meiner Erfahrung nach sehr gut.
Erstens: Gewöhnung. Anfangs war bei uns das Entfernen einer Zecke, das Bürsten oder das Putzen der Ohren schon ein immenses Problem. Mittlerweile hat Newton sich an diese Dinge gewöhnt und verstanden, dass da gar nichts Schlimmes passiert. Heute ist das alles kein Problem mehr. Vor Kurzem hatte er mal wieder einen Hotspot. Da geht das Scheren, Waschen und Versorgen der Wunde mittlerweile auch deutlich besser als zu Anfang.
Zweitens: Die Wahl des Tierarztes. Es gibt Tierärzte, die bekommen Newton einfach nicht behandelt. Punkt. Glücklicherweise habe ich mittlerweile sowohl an meinem Heimatort als auch an meinem Dienstort jeweils einen Tierarzt gefunden, von dem er sich problemlos behandeln lässt. An meinem Wohnort habe ich leider noch keinen solchen Tierarzt gefunden.
Warum er sich von manchen Tierärzten behandeln lässt und von anderen nicht... Darüber kann ich nur mutmaßen... Vermutlich spürt er es, wenn der Tierarzt unsicher wird und dann wird er auch unsicher und verfällt schließlich in Panik. Die Tierärzte, die ihn behandeln können, können alles machen, solange er halbwegs frei stehen kann. Spritzen, Läufe durchbewegen, Fieber messen, Blut abnehmen, Zugang legen, etc. geht alles. Sobald er in irgendeinerweise fixiert werden muss, ist aber auch da Schluss. Das geht nur in Narkose.
Medical Training ist natürlich eine Möglichkeit, hat aber bei uns leider nichts gebracht. Privat zuhause kann man die Tierarzt-Situation einfach nicht 1:1 nachstellen. Ich kann ihn hier ohne Probleme auf dem Tisch in Seitenlage bringen. Auch alleine. Beim Tierarzt? Vergiss es... Da reichen drei Personen nicht. Außerdem haben die wenigsten Tierärzte die Zeit, die ich bräuchte um es in dieser Sondersituation in Ruhe und ohne Druck zu bewerkstelligen. Es ist wie gesagt etwas Anderes ob ich das daheim auf dem Esstisch mache oder in einer fremden Umgebung beim Tierarzt.
Soweit mein Erfahrungsbericht. Ich hoffe, es hilft dir weiter. Wie gesagt, den richtigen Tierarzt zu finden, wäre schonmal ein große Erleichterung. Und bei den Dingen die regelmäßig gemacht werden müssen, wird es hoffentlich irgendwann die Gewöhnung tun.