Beiträge von RafiLe1985

    Bei der Mitnahme eines Hundes zur Arbeit muss eines von vornherein klar sein: Theoretisch hört sich das super komfortabel an, weil man das Betreuungsproblem so geschickt löst. In der Praxis wird es aber immer eine Übergangslösung bleiben.

    Zum Einen kann es einfach mal Arbeitstage geben, da kann der Hund nicht mit. Schulungen außer Haus, Geschäftsreisen, ein neuer Kollege mit schwerer Tierhaarallergie wird eingestellt, etc. pp. Weiterhin kann auch einfach mal der Chef wechseln und der neue Chef möchte keine Hunde mehr im Büro.

    Zum Anderen kann es vorkommen, dass es auch einfach mal Tage gibt, an denen der Hund nicht mit ins Büro kann. Krankheit, Alter, etc. Einen Hund der an Zwingerhusten erkrankt ist, möchte ich ungern in die Arbeit mitschleppen.

    Das muss man auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, d.h. man braucht auf jeden Fall einen Plan C. (Mitnahme ins Büro ist ja schon der Plan B, mMn zumindest)

    Nun zur Frage ob Welpe oder erwachsener Hund. Ich würde für ein solches Unterfangen IMMER einen gut gezogenen Rassewelpen vom seriösen Züchter nehmen. Warum? Welpen schlafen in der Regel sehr viel. Landläufig sagt man 18-22 Stunden. Das ist ideal um den Zwerg von klein auf an diesen Alltag zu gewöhnen. Er wird eh die meiste Zeit verschlafen und lernt so, dass er in dieser Situation vollkommen unbehelligt entspannen kann.

    Ich habe während der Ausbildung meines Ersthundes viele unterschiedliche Hunde im Arbeitsumfeld gesehen und die, die das am lockersten und selbstverständlichsten machten, waren immer die, die das schon von Welpenbeinen an kannten. Bei allen anderen Hunden musste immer eine gewisse Art von Management betrieben werden. Und da ist es dann fraglich, ob man das dauerhaft im Büro brauchen kann, wenn man doch eigentlich arbeiten soll.

    Was die Bedenken betrifft, die hier gegenüber einem Welpen angebracht werden: Zum Thema Terrorwelpe kann ich dir überhaupt nichts sagen. Ich habe hier jetzt insgesamt Welpe Numero 5 sitzen, dessen Aufwachsen ich bewusst mitbekomme. Ich/Wir hatten noch nie einen Terrorwelpen. Deswegen empfehle ich hier auch unbedingt einen gut gezogenen Rassewelpen aus seriöser Quelle!

    Ja, ein (sehr junger) Welpe muss alle zwei Stunden Pipi. Andere Kollegen machen halt alle zwei Stunden Raucherpause. Um dies zu vermeiden könnte man den Welpen auch nicht schon mit acht Wochen (da lassen sie es wirklich einfach laufen) sondern vielleicht erst mit 10,11,12 Wochen bei sich aufnehmen. In der Regel ist es da dann nicht mehr ganz so brisant, wenn man ihn direkt nach dem Aufwachen rausbringt. Je nachdem wie der Züchter vorgearbeitet hat, ist der Welpe mit 12 Wochen auch schon nahezu stubenrein. Wobei da die Erfolgsquote auch ganz klar in der Hand des Halters liegt. Wenn man ihn rechtzeitig rausbringt, bleibt's drinnen in der Regel trocken.

    Was das Thema Ruhe halten anbelangt. Der Welpe lernt das nie besser, als wenn es direkt von Anfang an Situationen gibt, in denen er abgemeldet ist. Im Büro wird gearbeitet. Wo könnte er das besser lernen als dort? Allerdings muss dann halt auch gewährleistet sein, dass der Welpe ABSOLUTE Ruhe hat und keinesfalls von Kollegen gestört wird. Ich würde streicheln, Kontaktaufnahme, etc. für die ersten Wochen vollständig untersagen. (Trotzdem wird es Unverbesserliche geben, die ihre Flossen nicht von dem Welpen lassen können... Damit muss man dann halt auch umgehen können.)

    Ich würde dir auf jeden Fall zu einem Welpen raten. Aber wie gesagt: Ich sage es nochmal. NUR einen Rassewelpen aus seriöser Quelle! Dieser hat den Vorteil, dass er gut sozialisiert und auf den menschlichen Alltag gut vorbereitet ist. Weiterhin weiß man relativ sicher, was für Wesenszüge der erwachsene Hund haben wird. Allerdings sollte man da Rassebeschreibungen genau hinterfragen und auf jeden Fall mit Kennern der Rasse sprechen, die diese oft blumigen und vielversprechenden Beschreibungen richtig "übersetzen" können. Dass bei solchen Wesenbeschreibungen je nach individuellem Hund immer Nuancen gibt, muss auch klar sein.

    Beim Labrador steht zum Beispiel (den genauen Wortlaut weiß ich nicht), dass ihm Aggression vollkommen fremd ist. Was in der Regel auch stimmt. Nur bedingt das halt, dass man im Kontakt mit Fremdhunden unter Umständen immer Probleme haben wird eben WEIL der Labrador kein angemessenes Aggressionsverhalten gelernt hat. Wo andere Hunde halt dann mal ne Lefze hochziehen, fiddelt der Labrador rum, worauf andere Hunde dann halt auch mal mit heftigen Maßregelungen (vollkommen zurecht) reagieren. Was die Wesensnuancen betrifft: Mein Labrador zieht auch mal die Lefze hoch und das auch so, dass es von anderen Hunden verstanden wird. Aber ich habe ihm diese Fiddelei gegenüber Fremdhunden auch nie "erlaubt" bzw. sie war nicht nötig.

    Nun ist mein Text recht lang geworden, aber ich hoffe, es ist was Hilfreiches dabei.

    Vorbeugend würde ich überhaupt nichts machen lassen! Wenn es medizinische Gründe gibt, ja. Aber offenbar liegt doch bei euch bisher keiner vor, oder?

    Ein Kollege hat seine Hündin nach der ersten Läufigkeit auch vorbeugend kastrieren lassen. Sie hat die Narkose leider nicht verkraftet und ist gestorben. Mit sieben Monaten. Einfach nur unnötig.

    Seither habe ich einen großen Respekt vor diesem Narkose-Risiko. Bei mir geht nur noch ein Hund in Narkose, wenn es sein muss.

    Hallo,

    ich denke, euch fehlt da noch das richtige Maß. Zweimal eine halbe Stunde (an der Leine?, im Freilauf?) halte ich für einen sechs Monate alten Hund für deutlich zu wenig. Lieber eine etwas größere Runde im Freilauf auf der er sich körperlich müde (nicht auspowern!) machen kann und sonst nur Löserunden.

    Eine große Tour (Was meinst du damit?) könnte ihn hingegen schon überfordern.

    Wird der Hund sonst irgendwie beschäftigt? Bereitet ihr ihn auf irgendeine Aufgabe vor? IPO, Dummy, Rettungshund, Agility, etc.?

    Wichtig ist auch, dass er lernt, drinnen schnell zur Ruhe zu kommen und runterzufahren. Was da sehr hilft, ist den verfügbaren Raum zu begrenzen. Als Hilfsmittel können da ein Welpenauslauf oder eine Box dienen. Ist aber nicht unbedingt nötig. Es reicht auch ein fester Schlafplatz.

    @Schnittlauch64 Das Programm, das du beschreibst, macht dir jeder gesunde, erwachsene Hund mit. Ich befürchte, da müsstest du noch etwas detaillierter schreiben, sonst kann man Alles und Nichts vorschlagen.

    Wie schaut es denn aus mit Hundesport, etc.? Agility, Dummy, IPO, Rettungshunde-Arbeit, Mantrailing, etc. Würdet ihr davon was mit dem Hund machen wollen?

    Molosser, ja, da gibt es auch viele. Boxer, warum nicht? Die die ich kenne sind alle nett. Außer das Sabbern halt... Muss man mögen.

    Schade, dass der Thread irgendwie so gar nicht ankam. Ich fand „How to raise the perfect puppy“ tatsächlich ganz gut WENN man kein blutiger Anfänger ist und weiß, dass Rudelgedöns, Alpharolle, etc. absolut überholt sind.

    Von den Grundprinzipien her fand ich es aber sehr hilfreich und einfach verständlich.

    Ansonsten halt das Fit for Life: Was Welpen wirklich lernen müssen. Das kann man denke ich relativ bedenkenlos auch blutigen Anfängern empfehlen.

    Also prinzipiell ist es beim Schulhund genauso wie bei allen anderen pädagogischen Entscheidungen, die du als Lehrer triffst: Du machst das, was dir angemessen/sinnvoll/effektiv/etc erscheint. Du brauchst natürlich die Erlaubnis der Schulleitung und eine Tierhalterhaftpflicht, die den Einsatz absichert, aber ansonsten ist das eine absolute rechtliche Grauzone. Freiwillig irgendwelchen (oft auch vollkommen fiktiven) Bestimmungen („Selbstverpflichtung“, Hygieneplan, etc.) würde ich mich nicht.

    Die Ausbildung an sich ist je nachdem sehr unterschiedlich. Klar, sie sollte ESAAT- oder ISAAT-zertifiziert sein, aber ansonsten ist das halt mehr oder minder Hundeschule mit umfangreichem theoretischen Input. Den theoretischen Input würde ich dir auf jeden Fall weiterempfehlen. Die praktischen Sachen können die allermeisten Hunde, die alltagstauglich sind ohnehin.

    Was den konkreten Einsatz betrifft: Auch das bloße Begleiten im Unterricht stellt schon hohe Anforderungen an den Hund, die man nicht unterschätzen darf. Ich sehe das bei Newton ganz deutlich. Ich gehe mit im zweimal täglich ne Stunde Gassi; er ist in der Schule dabei; damit ist er vollkommen ausgelastet. Und er ist für einen SL-Labrador sehr bewegungsfreudig und temperamentvoll. Explizite Einsätze mache ich nicht mehr als zweimal maximal 15 Min. pro Woche.

    Prinzipiell kann man auch mit einem erwachsenen Hund anfangen. Mit einem Welpen hat man es mMn leichter.