Dann will ich auch mal...
Ich hab' zwei Rüden, der jüngere ist knapp vier, der ältere knapp dreizehn Jahre alt.
Haben eure Aussies einen ausgeprägten Jagdtrieb?
Kommt drauf an, wie man 'ausgeprägt' definiert.
Von allein losziehen und nach Spuren suchen würde keiner von beiden, aber wenn direkt vor ihnen Wild hochspringt, ist das verlockend. Wenn ich zu spät reagiere, starten sie durch, aber selbst dann drehen sie auf Pfiff (wenn auch nicht unbedingt auf den ersten...) wieder um. Ich würde den Jagdtrieb als "vorhanden, aber gut kontrollierbar" beschreiben.
Wach-/Schutztrieb sehr stark ausgeprägt oder evtl. sogar kaum ausgeprägt (wie äußern sich diese im Alltag)?
Yep, beides ausgeprägt. Bei mir zu Hause (Wohnung) merkt man vom Wachen wenig, d.h. sie schlagen nicht an oder so, machen mich aber auf außergewöhnliche Dinge rund um's Haus aufmerksam. Bei meinen Eltern (Einfamilienhaus mit Garten) wachen sie sehr zuverlässig und melden z.B. auch, wenn jemand Richtung Grundstück kommt, der da nicht hingehört. Ist beides so gewollt und wurde/wird entsprechend bestätigt.
Zum Schutztrieb: der ältere Rüde beobachtet lange und neigt weder zu Hysterie noch zu Kurzschlussreaktionen, aber wenn's knallt, dann richtig. Und dann meint er das ernst und nimmt auch keine Rücksicht auf die eigene körperliche Unversehrtheit mehr. (Zweimal unfreiwillig ausgetestet und den Adrenalinstoß brauch' ich nie wieder... Das waren allerdings auch wirklich brenzlige Sitationen, die für mich übel hätten ausgehen können, also habe ich da durchaus Verständnis für seine Reaktion.) Mittlerweile ist er aber zu alt für solche Sachen und bekommt vieles auch einfach nicht mehr mit, was er früher für 'kritisch' gehalten hätte.
Mit dem jüngeren hatte ich so eine Situation (zum Glück!) noch nie; da er aber allgemein weniger kompromisslos ist, denke ich, dass er im Notfall stellen & verbellen und bei Gegenwehr letztendlich den geordneten Rückzug antreten würde. Ist mir, ehrlich gesagt, auch 10x lieber als das Verhalten meines älteren Rüden.
Wie verträglich sind eure Aussies mit Artgenossen? Gibt's da Hundetypen mit denen sie besonders gut/überhaupt nicht können?
Den älteren kann ich auf jede Hundewiese und zu Hunden jeden Geschlechts/Alters schmeißen, der bleibt nett. Er braucht andere Hunde zwar nicht wirklich und hat von sich aus kein großes Interesse, aber er mobbt auch nicht und entzieht sich eher, als dass er Streit anfangen oder auf Provokationen eingehen würde.
Der jüngere ist einer ehrlichen Klopperei nicht abgeneigt
und auch deutlich weniger geduldig, was unhöfliches Verhalten von Fremdhunden angeht. Mit bekannten Hunden hat er ein prima Sozialverhalten und solche Sachen wie Gruppenwanderungen (auch mit bis dahin völlig fremden Hunden) und so gehen gut, aber in einem stark frequentierten Auslaufgebiet, wo alle paar Meter ein Tut-Nix angebollert kommt, müsste man entweder ständig stark den Daumen drauf haben oder er würde zum mobbenden, Sheriff-spielenden Wiesen-Arschloch werden.
Sehr agil oder eher gemütlich?
Eher agil. Sie drehen nicht durch, wenn's mal eine Weile Sparprogramm gibt oder ich ein paar Tage fast komplett mit Grippe im Bett liege, aber sie lieben Bewegung an frischer Luft und lassen sich da für so ziemlich alles begeistern. Der ältere ist ein ganzes Stück unsportlicher (was klassischen Hundesport, Radfahren und solche Dinge angeht – Wanderungen dagegen liebt er), aber als wirklich 'faul' oder bewegungsunlustig würde ich keinen der beiden bezeichnen.
Wie sensibel/feinfühlig sind eure Aussies?
Der ältere – null, nada, gar nicht.
Der jüngere ist wenig 'umgebungssensibel' (also was den Umgang mit anderen Hunden, lauten Geräuschen, etc. angeht), aber wahnsinnig empfänglich für meine Stimmungen. Das war – und ist es teilweise auch noch – für mich erst mal 'ne Umstellung; das kannte ich von unseren Hunden bisher so nicht.
Sind eure Aussies eher clownig oder ernst?
Teils, teils. Sie haben ihre verrückten Einfälle und Chaos-Minuten und ich schätze das sehr und muss manchmal echt lachen, auf was für Gedanken sie so kommen, aber wenn's drauf ankommt und Konzentration gefragt ist, sind sie eher ernst.
Gibt es etwas was euch an euren Aussies weniger gut gefällt, wenn ja was?
Mhm, der ältere ist zu groß geraten und halt charakterlich auch ein ganzes Stück vom 'idealen Aussie' weg, und haaren tun sie im Moment beide wie Sau
, aber ich liebe den Senior trotzdem und so wirklich würde ich nix ändern wollen, nein.
Wie beschäftigt ihr eure Aussies? (Hundesport, Hüten...?)
Ich mache Rally Obedience & ZHS mit dem jüngeren Rüden. Der Senior ist in 'Sportrente', hat ganz früher Agility gemacht (hat uns aber beiden schnell keinen Spaß mehr gemacht und würde ich auch nicht wieder machen) und hat jetzt noch Spaß an Suchspielen und gelegentlich ein bisschen Rally-O.
Zusätzlich gibt's regelmäßig Wanderungen und unregelmäßig ein bisschen Tricksen.
Wieviel "Programm" brauchen/haben eure Aussies?
Jeden Tag mindesten einen größeren Spaziergang mit Freilauf, dazu dann halt über die Woche verteilt die Beschäftigung/Sport. Mir kommt das nicht viel vor, ich hab' allerdings auch kein anderes zeitaufwändiges Hobby wie Reiten oder so, also ist die 'Hundezeit' des Tages meine liebste Entspannung und darf gern länger dauern.
Worauf legt ihr Wert bei der Auswahl des Züchters, was ist euch besonders wichtig?
Oh, über die Suche nach dem passenden Aussiezüchter könnte ich einen halben Roman schreiben.
In Kurzfassung: mir ist's wichtig, dass der Züchter ein klares Zuchtziel hat - eins, das über "lieber Familienhund" hinausgeht. Wer mit "nichtjagend, kinderlieb" oder "Therapie-Linie" wirbt, ist bei mir gleich raus. Für mich ist ein Aussie ein robuster, leicht zu motivierender Arbeitshund und ich möchte auch optisch einen möglichst 'ursprünglichen' Rassevertreter, d.h. keine Stummelbeine, kein runder Kindchenschema-Kopf, keine Plüschexplosion (hab gerade die Bilder von der WDS gesehen und das große Gruseln bekommen...).
Was den Charakter angeht: die Zuchthunde sollten klar im Kopf sein und es sollte mit ihnen gearbeitet werden, was das ist – ob nun Sport, Hüten, Rettungshundearbeit, ... – ist mir erst mal egal, aber wenn der Hund außer maximal 'ner BH und ansonsten nur Ausstellungstiteln nix vorzuweisen hat, frage ich mich, was der in der Zucht zu suchen hat. (Das mag dann in Ausnahmen sinnvoll sein, aber die Regel sollte es bei den Verpaarungen des Züchters meiner Meinung nach nicht sein.) Außerdem finde ich es gut, wenn der Züchter ehrlich ist, was die Stärken und besonders die Schwächen seiner Hunde angeht – Leute, bei denen angeblich alles rosig-perfekt ist und die ihre eigenen Hunde für das Geschenk schlechthin an die Hundewelt halten, sind mir suspekt.
Dann habe ich noch eine Frage bzgl. der Vereine (ASCA/CASD), woher sind eure Aussies und wieso?
Der ältere hat VDH-Papiere, weil ich bei seinem Einzug noch im Teenie-Alter war und bis dahin bei der Rechcherche und auf dem HuPla (mit dem Familienhund) nur gehört hatte "kauf mit VDH-Papieren, da kannste nix falsch machen".
Beim Zweithund hatte ich dann sehr viel genauere Vorstellungen und es ergab sich so, dass diejenigen, die den Typ Aussie, der mir gefällt, züchten, alle im ASCA waren. Ich würde bei passendem Zuchtziel/passendem Wurf auch einen Aussie mit VDH-Papieren kaufen, aber meiner subjektiven Einschätzung nach tummeln sich da sehr viel mehr Züchter, die mir gar nicht zusagen und eher auf die Modehund-Welle aufgesprungen sind. :/
Dafür muss man bei ASCA-Züchtern natürlich bedenken, dass es keine externe Kontrolle über den Verein gibt, man sollte da also extra genau hingucken.
Letzte Frage: Würdet ihr euch nochmal für einen Aussie entscheiden? Warum ja/nicht?
Aktuell nicht. Das liegt aber an persönlich-emotionalen Gründen und nicht an der Rasse. 