Hmh, ich seh das nicht so, dass man diese Differenzierung vornehmen kann. Auch bei Bully & Co wird ja nicht auf *Atemnot* hin selektiert, sondern auf ein bestimmtes äußeres Erscheinungsbild, das Kindchenschema-Gesicht. Die Atemnot wird halt in Kauf genommen. (Leider auch von den Käufern.)
Beim Dobi wird das ähnlich gewesen sein: man wollte Hunde mit einem bestimmten Aussehen haben und hatte die Herzerkrankung daraufhin nicht mehr im Blick (oder hat sie billigend in Kauf genommen).
Ich sehe da keinen großen Unterschied, außer dass man bei den schnaufenden Brachycephalen schneller mitkrioegen kann, dass da was nicht stimmt.
Naja, aber zwischen "deformierter Schädel" und "Atemnot" gibt es eine direkte, für jeden erkennbare, nachvollziehbare und ziemlich kurze Kausalkette. Der einzige Grund, warum solche Verformungen trotzdem existieren, ist (seltsame) menschliche Ästhetik. Das Problem hängt sich an äußerlichen Merkmalen auf, deren Ansätze eigentlich gut wegzuselektieren gewesen wären, wenn man nicht jahre- und jahrzehntelang immer extremere Hunde in die Zucht genommen hätte. Aber man wollte Falten, man wollte "Niedlichkeit", man wollte runde Köpfe – dass dabei die bekannten Probleme auftauchen, ist kein zufälliges 'Nebenprodukt' der Züchtung in diese Richtung, das irgendwie überraschend kam, sondern war von vorneherein klar. Wenn ich einem Hund quasi restlos die Schnauze wegzüchte und den ganzen Körper stauche, hat er massive Probleme – das ist ohne Gentest, ohne große tierärztliche Untersuchung mit bloßem Auge und von Geburt an erkennbar.
Bei den Herzerkrankungen wie DCM ist das Problem viel vielschichtiger. Es gibt ja leider kein eindeutiges körperliches Merkmal, bei dem man sagen könnte "oh, genau daran liegt das Herzproblem! Wenn wir in Bezug darauf die Selektion in der Zucht umstellen, können wir die Rassegesundheit deutlich verbessern." So ein Herzproblem ist nicht beim Welpen schon erkennbar, es kann später im Leben auftauchen und (soweit ich weiß) gibt es auch noch keinen verlässlichen Gentest dafür.
Ich sage nicht, dass eine Rasse, bei der ein übermäßig hoher Prozentsatz der Tiere eine bestimmte Erkrankung hat oder das Risiko an dieser zu erkranken sehr hoch ist, irgendwie "besser" oder "gesünder" als eine Qualzuchtrasse ist! Aber ich finde es wichtig, die Begriffe zwischen Qualzüchtungen und kranken Rassen da klar auseinanderzuhalten, denn die Ursachen, wie es zum Ist-Zustand gekommen ist, unterscheiden sich da schon massiv.