... wie ein Hund den Umgang mit seinen Artgenossen lernen soll, wenn:
- Kontakt erst nach menschlicher Absprache stattfindet: Was wird da abgesprochen?
- Wenn Kontakt nur zu bekannten Hunden zugelassen wird: Wie lernt der Hund andere denn kennen?
- Wenn geblockt wird
- Wenn Mensch alles regelt
Ich lasse Kontakt meiner Hunde zu völlig fremden Menschen und Hunden nur nach Absprache zu und wünsche mir das umgekehrt auch von anderen Hundehaltern.
Warum? Weil ich es höflich finde, wenn man kurz miteinander kommuniziert und keiner sich irgendwie 'überrumpelt' fühlt. Viele handhaben es ja z.B. so, dass ihr Hund zu jedem hinlaufen darf, wenn der andere Hund freiläuft – kann ich bis zu einem gewissen Grad verstehen, weil es halt ein weithin sichtbares Signal ist (Leine dran = kein Kontakt; Leine ab = Kontakt ist okay), aber spätestens seit ich einen älteren Hund mit mehr oder weniger Demenz-beherrschten Tagen habe, finde ich das sehr schade. Der möchte nämlich nicht plötzlich von anderen Hunden angeschnüffelt, angespielt oder stürmisch begrüßt werden und bekommt das auch nicht unbedingt mehr mit, wenn da plötzlich ein Hund auf ihn zuläuft, und er würde von sich aus zu keinem Hund hinlaufen – was bedeutet, dass ich ihn viel mehr an der Leine haben muss als eigentlich nötig wäre, damit andere HH auch auf Entfernung schon sehen, dass sie ihren Hund bitte nicht einfach so herlassen. Wäre es 'Standard', dass man sich einfach kurz abspricht, könnte ich den Senior in solchen Situationen einfach in seinem 5m-Radius um mich herum schnüffeln lassen, sehr ruhige Fremdhunde könnten mal kurz gucken kommen, und alles wär' gut und stressfrei.
Insofern hat die 'Reglementierung' der (Fremd-)Hundekontakte durch Menschen für mich auf jeden Fall einen praktischen Nutzen.
Was das Erlernen von Sozialverhalten angeht: ich unterscheide da ganz stark zwischen kurzen 'Hallo sagen'-Begegnungen mit völlig fremden Hunden, die man einmal trifft und danach nie wieder sieht, und solchen, die zum "Hundefreundes- und Bekanntenkreis" gehören.
Hallo-Sager-Kontakte sind – zumindest für meine Hunde – komplett überflüssig, daraus lernen sie nix, da wird kein breites Verhaltensspektrum gezeigt und spielen wollen sie da auch nicht – im besten Fall checken sich die Hunde kurz gegenseitig ab und gehen dann weiter, im schlimmsten Fall gerät man an einen eher... seltsamen Fremdhund oder Halter und es gibt Stress. Brauch' ich nicht, will ich nicht, deswegen regle ich solche Kontakte relativ streng, gebe meinen Hunden wenig Spielraum und blocke im Zweifelsfall einen Hund, der mir komisch erscheint, lieber ab.
Bei Hunden, die man öfter trifft, mit denen man gemeinsam Gassi geht, etc. lasse ich dagegen (in Absprache mit dem anderen Besitzer!) relativ viel laufen. Genau in solchen Situationen ist es mir wichtig, dass meine Hunde angemessenes Sozialverhalten zeigen und ich gebe ihnen da gerne und ausgiebig die Chance, das zu lernen, sich auszuprobieren und 'Feedback' von ihren Artgenossen zu bekommen. Wenn ich weiß, dass der andere Hund klar, fair und 'sauber im Kopf' ist, dann finde ich das für meinen Hund eine unglaubliche Bereicherung, wenn er bei solchen Spaziergängen etwas lernen kann – und zwar in "Hundesprache", ohne dass ständig ein Mensch einschreitet.
Aber, wie gesagt: mit dem passenden Hund, im passenden Umfeld.
(Ich wohne allerdings auch in einer Gegend mit eher geringer Hundedichte, hab' selbst zwei Hunde, die sich schon mal gegenseitig für ihre tägliche "Mindestdosis" Sozialkontakte haben, und ich kann die ungeplanten Fremdhunde-Begegnungen, die wir in einer Woche haben, an einer Hand abzählen. Würde ich täglich im Stadtpark spazieren gehen (müssen), wo 30, 40 oder mehr Begegnugnen zusammenkommen, würde ich wahrscheinlich auch nix blocken und mehr einfach so laufen lassen, weil man sonst wahrscheinlich wahnsinnig wird. Dann hätte ich allerdings auch nicht die Art von Hund, die ich jetzt habe...
)