Was genau versteht man darunter und wie sieht das aus, wenn ein Hund jemanden stellt?
Mein älterer Rüde (Australian Shepherd, hat rassetypisch Wach- und Schutztrieb) hat das früher gemacht – mittlerweile ist er dreizehn und hat sich selbst in den Ruhestand geschickt, was solche Dinge angeht.
Bei ihm sah das so aus, dass er Leute, die sich entweder in "seinem Terretorium" (d.h. auf unserem Grundstück/in unserem Haus) seiner Meinung nach übel daneben benommen haben oder die mir deutlichst zu nahe gekommen sind, an Ort und Stelle fixiert hat. Hat die Person stillgehalten, hat er auch vor ihr verharrt und auf mich gewartet, hat die Person versucht, sich zu bewegen, hat er Drohverhalten gezeigt und das bei weiteren Bewegungen weiter gesteigert.
Natürlich lässt man als Hundehalter sowas nicht einfach laufen oder provoziert solche Situationen, deswegen gab's in all den Jahren bei uns auch nicht viele davon. Einmal beispielsweise hat jemand, den ich nur locker kannte und der Hund gar nicht, auf meinem Sofa übernachtet und wollte mir nachts einen Streich spielen (... Restalkohol im Blut lässt grüßen
), indem er mir einen nassen Waschlappen ins Gesicht werfen wollte, während ich schlief – fand der Hund, der neben mir lag, nicht witzig und endete mit dem Stellen des Übernachtungsgasts wie oben beschieben; ein anderes mal haben mich ein paar übermütige Jugendliche abends in einer etwas zwielichtigen Ecke angepöbelt und machten Anstalten, mich ein bisschen herumzuschubsen, da ist er auch dazwischen gegangen. Er hat in so einer Situation aus dem Stellen heraus nie hysterisch reagiert, nie jemanden gebissen oder sonstwie kopflos agiert – das war zum Glück nur Präzenz zeigen, Grollen, Fell aufstellen, ein-zwei tiefe Beller von seiner Seite, notfalls Zähne fletschen und ein Stück auf den "Angreifer" zugehen – und das hat massig gereicht.
Und macht das ein Hund nur bei Menschen oder auch bei anderen Hunden?
Meiner hat das nur bei Menschen gemacht und da auch nur bei einem ganz bestimmten Typ, den er für reel gefährlich hielt (männlich, alkoholisiert, auf Konfrontationskurs mit mir). Mit allem anderen – fremden Hunden, Leuten, die sich aus Hundesicht "unvorhersehbar" verhalten (wie z.B. Personen im Rollstuhl, mit Gehhilfen, etc., Kindern, alten Menschen), aber nicht aktiv drohen – hat er so ein Verhalten nie gezeigt.
Und muss man das einem Hund beibringen oder können das Hunde von Natur aus?
Die Grundlage dafür wird genetisch angelegt sein. Ich hab' meinem Hund zumindest nie was in der Richtung beigebracht und würde das auch nicht tun oder empfehlen. Zum einen, weil ich den Hund nicht zu meinem Schutz angeschafft habe (würde ich mich wirklich ängstlich/unsicher fühlen, hätte ich keinen Hund, sondern würde nach einer anderen Lösung für mein Problem suchen), zum anderen, weil's bei meinem Rüden eine Gradwanderung war: das Potenzial, sich einem "Angreifer" zu stellen und sich notfalls auch in einen Konflikt ohne Rücksicht auf die eigene Unversehrtheit zu begeben, war bei ihm eben da – da muss man schon "anders aufmerksam" sein und in manchen Situationen vorausschauender handeln als mit einem Hund, der ein bisschen kläfft und dann den Rückwärtsgang einlegt und sich trollt, wenn ihm irgendwas gruselig vorkommt. Ich finde meinen Hund toll und würde ihn nicht missen wollen, aber einfacher ist definitiv zweiteres.