Beiträge von Quarus

    Ich finde den Neu-Züchter auch etwas "überambitioniert". Aber was genau er von seinen Vorstellungen wie umsetzt, steht ja auf einem anderen Blatt. Vieles, was als Extra-Sonder-Leistung präsentiert wird, gehört bei anderen Züchtern zum normalen Leistungspaket dazu, sei es eine hohe Decktaxe, die Fahrt zum Zuchtrüden, die Auswahlkriterien (hier: keine Inzucht in 5 Generationen), Wurfüberwachung, Prägung der Welpen, Früherziehung.

    Außergewöhnlich ist für mich die Hundehebamme, aber eher kein Pluspunkt, der einen höheren Welpenpreis rechtfertigt, denn ich erwarte eigentlich, daß der Züchter sich a) selbst kundig gemacht hat, was er bei einem normalen Wurf zu beachten hat und b) weiß, wann und wo er bei Komplikationen fachkundige Hilfe findet. Diese Grundkompetenz eines Züchters auszulagern, finde ich befremdlich, gerade auch bei einer Rasse, von der ich noch nix bezüglich häufiger und schwerer Geburtskomplikationen gehört habe.

    Fütterungsvorschriften, Welpentreffen, Untersuchungen - sicher verantwortungsbewußt gemeint, aber letztlich nicht mehr im Entscheidungsspielraum des Züchters, wenn die Welpen verkauft sind. Allerdings finde ich eine "Untersuchungskaution" als Teil des Kaufpreises, die an den Käufer geht, wenn die Ergebnisse vorliegen, nicht schlecht. Die Frage ist, ob er Käufer findet, die sich darauf einlassen.

    Einige solcher "Neuzüchter" mit sehr hoch fliegenden Plänen und Ansichten habe ich kennengelernt, entweder, sie gaben nach 2 oder 3 Würfen auf, weil ihre Ansprüche und Welpenpreise unrealistisch waren, oder sie schraubten sie auf das Normalmaß herunter und wurden ein bißchen bescheidener....

    Ich prophezeie Dir mal was: Du wirst möglicherweise IMMER den Blues kriegen, ob Du nun jetzt, in 2 oder in 5 Jahren die Entscheidung für einen Hund triffst. Das IST einfach so, wenn man lange abwägt; die Frage kommt hundertprozentig, ob es die richtige Entscheidung war. Da können die äußeren Umstände noch so ideal sein.

    Du hast Dich gut vorbereitet, ich sehe keinen Grund, Dir jetzt abzuraten, die Zweifel werden vergehen, wenn Du die ersten Tage mit Nevio verbracht hast.

    Ich denke auch, daß Authentizität wichtiger ist als hohe Schauspielkunst. Deswegen ist weniger die Frage für mich, wie euphorisch Du Deinen Welpen bequietschst, sondern ob das Gefühl der Freude über etwas, was er richtig gemacht hat, echt ist. Denn Hunde merken es, wenn Reaktionen gespielt sind. Wenn Du eng mit Deinem Hund zusammenlebst, wird er sich auf die Art Deiner Gefühlsäußerungen einstellen lernen.

    *zustimm*

    Btw: Ich finde es immer ganz interessant, die Rassen untereinander zu vergleichen. Auf unserem Platz trainieren außer Boxern recht regelmäßig noch DSH und Malinois. Du kannst mit Deinem Hund an 10 Autos vorbei, in denen Boxer sind - kein Mucks. Du gehst am 11. Auto vorbei und es scheint explodieren zu wollen: 100 % sitzt ein Mali oder Schäfer drin. Und das ändert sich auch nicht, wenn die schon 100 mal am Platz waren und 100 mal die passierenden Hunde gesehen haben.... sie beruhigen sich einfach nicht. Offensichtlich eine Nervensache.

    Ich gebe auch gern die Reste vom Selbstgekochten - meine Hunde lieben das!

    Aber ich kenne auch noch Hunde von "früher", deren Hauptfutter einfach Kartoffeln oder Brot waren. Und danach sahen sie auch aus und lebten entsprechend NICHT lange, denn wenn sie nach einigen Jahren zu kränkeln anfingen, kam ohne großes Gejammere der Jäger, und eine Woche später futterte ein neuer Hund die Kartoffeln, Sonntags mit Soße.

    Diese gedankenlose Art der Fütterung ist heute ersetzt durch mieses Fertigfutter, mit ähnlichem Ergebnis.

    Aber es gab früher auch schon Hundehalter, die sich Gedanken um die Fütterung machten, und heute genauso.