Im Grunde stimme ich dir da total zu, aber die Qualzuchten gehören nunmal dazu. Und ich finde, dass ein Verband alles dafür tun muss, dass so eine Entwicklung nicht stattfindet bzw. sich dann wenigstens darum bemüht, sie rückgängig zu machen. Das passiert aber nicht.
Um das mal 'runterzubrechen: Angenommen ein Züchter hat KHC (um mal bei deinem Beispiel zu bleiben) und eine Hunderasse, die als Qualzucht anzusehen ist (ich nenne jetzt mal keine Rasse, sonst fühlt sich jemand auf den Schlips getreten): Ich würde dort keinen Hund kaufen, auch wenn er "nur" 50 % Qualzucht züchtet.
Mal eine andere Frage: In wie fern wird bei der ZZL das Wesen eines Hundes überprüft? Also das rassespezifische?
Meines Wissens ist seit einigen Jahren die Wesensüberprüfung im Rahmen der Zuchtzulassung vom VDH allen RZV angewiesen worden. Die konkrete Ausgestaltung obliegt dabei den RZV.
Bei Gebrauchshundrassen gibt es sie aber schon lange, keine Ahnung, wann sie obligatorisch wurde, vermutlich zeitgleich mit der Beurteilung des Äußeren.
Ich habe mal die ZTP-Ergebnisse meines Matti rausgesucht, das sind drei Seiten Beschreibung nach 4 bzw. 5 Ausprägungen eines Merkmales.
Für das Wesen wären das konkret:
Nervenverfassung (teilnahmslos, sehr ruhig, ausgeglichen, unruhig, hektisch)
Triebstärke (ausreichend, gut, ausgeprägt, übersteigert, nicht ausreichend)
Mut (ausreichend, gut, ausgeprägt, ....., nicht ausreichend)
Belastbarkeit (ausreichend, gut, sehr gut, ....., nicht ausreichend)
Wesen (ängstlich, zurückhaltend, selbstbewußt, temperamentvoll, überreizt)
Schußfestigkeit (schußsheu, schußaufmerksam, schußgleichgültig, ....., aggressive Reaktion)
In der Regel sind die mittleren Ausprägungen die optimalen.
Standardmäßig gehört das Verhalten während des Messens und Beurteilens, in Kontakt mit fremden Menschen, während einer Schutzdienstüberprüfung dazu. Zusätzlich wird der Hund auch bei Unklarheiten in Situationen geführt, die eine genauere Differenzierung erlauben. Ergänzt wird die Wesensbeschreibung durch eine kurze formlose Charakterisierung des Hundes aus dem Gesamteindruck, den der Körmeister/ die Körmeisterin während der ZTP bekommen hat.
Durch die ZTP werden die unterdurchschnittlich veranlagten Hunde von der Weiterzucht ausgeschlossen. Die höhere Stufe ist die Körung. Dort werden Hunde herausgestellt, die zur Zucht empfohlen werden, da sie deutlich überdurchschnittlich veranlagt sind. Das betrifft den Formwert, aber eben gleichwertig auch Gesundheitswerte und Wesen.
Andere Rassen halten es anders und setzen andere Schwerpunkte.