Früher, in "jungen Jahren", hatte ich schon den Anspruch, mein Hund muss gehorchen, ohne Ausnahmen. Ich habe viel in Alltags- und Ausnahmesituationen trainiert. Jetzt, nach 40 Jahren und dem 6. Boxer, hat sich das relativiert. Canto wäre gern eine kleine Jagdsau, nicht gut in wildreichem Gebiet. Früher hätte ich es ihm erzieherisch "ausgetrieben", da es aber keine 100 % Sicherheit gibt, hätte ich bei Freilauf im Wald immer noch Dauerstress. Jetzt stresse ich mich und ihn einfach nicht, und er bleibt an der Flexi. Zeigt er Wildspuren an, gut, akzeptiert, und weiter geht es. Ich setze einen Rahmen, der ist recht weit, und innerhalb dessen arrangieren wir uns und treffen uns da, wo es für uns beide ein Minimum an Anstrengung erfordert. Das ist einfach, da Canto ein nervenstarker, freundlicher zugewandter Hund ist, der seine Umwelt sehr positiv sieht und auch nur positive Rückmeldungen erhält.
Der Hundesport hat mit diesem Alltagsleben Berührungspunkte, aber ist eben unser Hobby, für das wir uns beide anstrengen und eine eigene Motivation haben. Ein "Gehorsam" im Hundesport ist anders aufgebaut und nahe an den 100 % bzw. wird stetig angenähert, ist aber eigentlich auch eine Gemeinschaftsleistung von uns beiden, da es an mir liegt, es so zu vermitteln, dass Canto versteht und will. Also, genaugenommen, auch fiftyfifty.