Ich würde die UO nicht abhaken, sondern eben klar trennen zwischen den Zielen. Mit Leckerlis hatte mein Matteo mit 6 Monaten Sitz, Platz, Steh und Vorsitz mit Nachrutschen schon begriffen - ich habe es aber gewissermaßen nie gefordert, sondern ihm angeboten, es mir zu zeigen, wenn er was dafür bekommen wollte. Es war und blieb lange ein Spiel zwischen uns, ohne Bezug zu "Arbeit". Ich mache es heute noch manchmal in der Küche, und er liebt es. Gerade lernen wir gemeinsam "Männchen", und das ist für meinen recht schweren Rüden gar nicht einfach, die Balance zu halten.
Beim Spaziergang habe ich meinen Hund einfach nicht fixieren lassen - Richtungswechsel, Tempowechsel, keinesfalls stehenbleiben, kommentarlos. Demzufolge kommt mein Hund gar nicht dazu, sich hinzulegen. Nur kein Gezuppel an der Leine und Gepredige! Es gibt keine Alternative, außer Dir zu folgen.
Reizangel suchst Du am Besten mal bei Youtube. Für Deine Zwecke brauchst Du die Reizangel nur, um den Beutetrieb zu fördern. Dann arbeitest Du mit der Beute ohne Reizangel weiter, mit zwei identischen Stücken am Besten, von denen Du eines schenkst, und dann den Hund mit dem anderen animierst, zurückzukommen und bei Dir weiterzuspielen. Es hängt ein bißchen von Deinem Fingerspitzengefühl ab, wann Dein Hund dann mit dem Spieli zurückkommt und Dir anbietet, mit diesem weiterzuspielen. Meiner Erfahrung nach wird oft der Fehler gemacht, nach der Beißwurst zu greifen und sie dem Hund wieder wegzunehmen. Ich lobe lieber meinen Hund intensiv ab und nehme das Spiel mit der Beißwurst erst nach einer deutlichen Unterbrechung wieder auf. Nie wegnehmen! Nie danach wild grabschen, um es zu erwischen! Lieber das zweite Spielzeug einsetzen. Das ist dann der Moment, wo der Hunde Hund das Interesse am ersten Spielzeug verliert. Diesen Moment des Ausspuckens verknüpfe ich mit dem Hörzeichen "Aus" und setze sofort mit dem Spiel wieder ein (zweite Beißwurst). Meine Hunde begreifen das superschnell.
Impulskontrolle lehre ich, indem ich später den Zugang zur Beute kurz sperre und erst nach anfangs nur einer Sekunde ruhigen Wartens mit "Pack!" die Beute freigebe. Ich lasse meinen Hund quasi kurz "einfrieren". Dieser Zeitraum wird immer länger. Dann kommt auch mal ein Sitz dazu, und sofort nach Befolgen setzt das Spiel wieder ein. Das erfordert aber schon ein ausgewogenes Maß zwischen Konzentration und Spiel und läßt sich nicht theoretisch erklären, es muß immer Hund und Ausbilder angepaßt sein. Ein Trainer, der sich dabei anleitet, ist sehr hilfreich.
Zwei Sachen werde ich nicht mehr machen: meinen jungen Hund ohne Spiel nur im Gehorsam schulen - damit wird er zwar gut führbar im Alltag, verliert aber an Arbeitsfreude im Sport; und meinen Hund nur noch bespielen zwecks Triebförderung - damit wird er zwar heiß aufs Arbeiten, aber "Trieb macht blöd". Je nachdem, wie ein Boxer veranlagt ist, muß abgewogen werden, ob er mehr Triebförderung oder mehr Konzentrationsförderung/ Gehorsam braucht, das ist ganz individuell.