Du wirst nicht umhinkommen, zwischen den zwei Zielen zu trennen.
Das eine ist die Alltagserziehung: dafür mußt Du in viele verschiedene Situationen gehen und Deinem Hund klar zeigen, was verboten und was gestattet ist. Dazu gehört auch, die Frustration auszuhalten, nicht zu jedem Menschen oder Hund hinzurennen. Es wird kein Fixieren gestattet, kein Lauern, kein Stürmen - also, Hund bleibt an der Leine! Wo die kleinste Gefahr besteht, er reagiert nicht mehr auf Dich, nimmst Du ihm damit diese Möglichkeit, kommentarlos. Dagegen wirst Du aber auch bei Freilauf nicht einen Gehorsam erwarten, den Dein Hund einfach noch nicht leisten kann. Also darf er das nur, wenn Du die Situation unter Kontrolle hast, keine Straße in der Nähe, keine unverträglichen Hunde, keine unbeteiligten Spaziergänger. Du managst Deinen Hund so, daß er keine Fehler machen kann. Er ist ein halbes Kind und wird noch lange bunte Knete im Kopf haben...
Das andere ist der Hundesport: um seine Konzentration und Mitarbeit zu fördern, ritualisierst Du Ort und Tätigkeit, um ihn immer schneller und beständiger in die richtige Triebstimmung zu bekommen. Ich bin bei meinen letzten Hunden zweigleisig gefahren; ruhige Konzentration mit Futterbelohnung bei der Erlernung der Hörzeichen Sitz, Platz, Steh, Vorsitzen, Grundstellung, Wechsel, Bringholz aufnehmen. Das trainiere ich in der Wohnung, Beginn "Wollen wir üben?", Ende "Fein gemacht, und Schluß." Im Garten wurde in höherer Erregungslage gespielt, angefangen mit der Reizangel, dann Beutetausch, um meinen Hund auf mich als Spielpartner zu focusieren. Erst lange, nachdem die Hörzeichen in Ruhe befolgt wurden, habe ich sie in das Spiel eingebaut und ihre Befolgung zur Vorausetzung des Weiterspielens gemacht. Dabei kann man auch sehr gut an der Impulskontrolle arbeiten. Beginn "Spielen?", Ende "Klasse, das war's!"
Erst wenn auch das klappt, kommen Ablenkungen dazu. Am besten zuerst in kontrollierbarer Umgebung, auf dem Hundeplatz. Dann zunehmend außerhalb. Das Generalisieren eben. Das kommt auch in erheblichem Maße dem Grundgehorsam im Alltag zugute.
Das alles dauert recht lange, aber jede Verkürzung wird sicher zu Rückschlägen führen. Entweder, weil sich der Grundgehorsam, den man im Alltagsleben braucht, nicht einstellen will, oder der Hund nicht so konstant arbeitet, wie man es sich als Hundesportler wünscht.
Das sind zumindest meine Erfahrungen nach 5 Boxern, aber es gibt garantiert noch andere Wege zum Erfolg! Nur der Faktor ARBEIT und ZEIT spielt nach jeder Methode eine bestimmende Rolle.