Spannendes Thema - danke dafür.
Ich habe drei Hunde, die mit (unserem) Alltag sehr gut zurecht kommen, mit all den Herausforderungen, die der so bietet..
Aber auch bei meinen Hunden sind das
Unansprechbarkeit, Überreaktionen, Lautäußerungen, Muskelzittern, fahriges Verhalten, hecheln, (unkontrolliertes) Aufnehmen/Kauen von Dingen, Schnappen, Jagdverhalten, vermehrtes pieseln/koten, abnorm repetitive Verhalten etc. pp.
natürlich deutliche Stressanzeichen.. geht aber durchaus auch schon vorher los.. ich merke erste Stressanzeichen an einer veränderten Körperhaltung, an einer veränderten Atmung..
Ich schaue da aber nicht nur auf negativen Stress, sondern durchaus auch auf positiven Stress.
Bei negativem Stress schaue ich schon, dass ich das so gut es geht verhindern kann oder die Situation zumindest so abmildern, dass es für den Hund „erträglicher“ wird.
Ich nehme mal als Beispiel meine Hündin, Mia, an Silvester. Sie hat Angst, das bereitet ihr Stress. Sie bekommt angstlösende Medikamente. Dadurch hat sie keine Angst und weniger Stress. Ich kann die Situation an sich nicht ändern, aber ihr durch das Medikament deutlich den Stress nehmen.
Bei positivem Stress schaue ich, dass es im Maß bleibt. Ich vermeide das nicht komplett, natürlich nicht. Sind ja Momente, über die sich der Hund freut.
Ich nehme da auch wieder Mia, sie ist 11 Jahre alt, schwer chronisch krank, bekommt im Moment wieder höhere Dosen Cortison, war immer schon sehr verfressen, das wird durch das Cortison natürlich eher schlimmer als besser.
Da sie so schwer krank ist und ihre Lebenszeit durch ihre Krankheit auch stark begrenzt sein wird, bekommt sie öfter mal was Tolles zu essen. Darüber freut sie sich natürlich.
Und ja, da kommt es durchaus vor, dass sie sich so freut, dass sie sich ein bisschen wild bewegt (fahriges Verhalten) und auch fiept (Lautäußerung) wenn sie sieht, dass sie gleich was Tolles zu essen bekommt..
Ich finde das nicht schlimm.
Ganz im Gegenteil, ich freue mich, dass ich ihr den tollen Moment bereiten konnte..
Und auch sonst gehe ich mit meinen Hunden so um: negativen Stress möglichst wenig und Situationen möglichst so gestalten, dass sie für den Hund so angenehm wie möglich sind. Positiver Stress sollte im Rahmen bleiben und wird so dosiert, dass es für den Hund gut passt.
Ihnen ganz den positiven Stress zu nehmen möchte ich persönlich nicht. Ich stelle mir das immer ein bisschen vor wie ein Kind, dass sich sehr überschwänglich freut, weil man mit ihm ins Schwimmbad geht. Da würde man ja auch nicht sagen, man fährt nicht mehr ins Schwimmbad, weil das Kind sich jedesmal so freut..
Und ich finde halt auch, das macht das Leben doch aus. Schöne Momente gemeinsam erleben. 