Wenn wir Menschen mit Tieren im Sterbeprozess vergleichen, dann müssten wir beim Menschen vorher schon alles weglassen, was ihn medikamentös oder mechanisch am Leben hält.
Ein ganz großes Thema sind zB Herzschrittmacher- die Träger eines solchen können nicht am Herztod sterben - der Schrittmacher holt sie immer wieder und wieder aus dem Sterbeprozess zurück. Deswegen werde ich nie einem solchen Hilfsmittel zustimmen.
Bei meinem Schwiegervater war es so, daß er Schweißer-Leukämie hatte, nur regelmäßige Blutspenden und Blutwäschen hielten ihm am Leben. Irgendwann fing er an zu schreien vor Angst, wenn er "zum Blut" abgeholt werden sollte. Wir haben in seinem Sinne entschieden, daß er diese stundenlange Tortur nicht mehr mitmachen muss. Er starb binnen 14 Tage friedlich. Hätten wir ihm weiterhin die Termine zugemutet, hätte er noch ein paar qualvolle Krankenhausbesuche und Monate des Dämmerns im Pflegeheim gehabt.
Meine Schwiegermutter ist mitten im Alltag umgefallen - tot. Niemand von uns hat damit gerechnet, aber es war der allerbeste Tod für sie. So hatte sie sich das tatsächlich gewünscht- "es soll schnell gehen". Das geschah nur einen Monat nach ihrem 90. Geburtstag, an dem sie mich bat, ihre Trauerfeier wie einen Geburtstag auszurichten. Sie wollte Torten und keine drögen Blechkuchen oder Brötchen, das Haus sollte festlich geschmückt sein und wehe, wir benutzen nicht die guten weißen Tischdecken! Und die gute Gulaschsuppe - die Reste eintuppern und mitgeben! Die Feier sollte zu Hause und im Garten stattfinden und die Gäste sollten das Leben feiern (sie würde für gutes Wetter sorgen). Und wenn wir nicht alle das Ostpreußenlied in der Kirche mitsingen, kommt sie uns besuchen. So haben wir es gemacht. Sie hat es geahnt, da sind wir uns sicher.
Meine Großmutter ist an Demenz und Parkinson verstorben, sie hat das Essen und Trinken eingestellt und ihrem Wunsch (keine künstliche Verlängerung, keine lebenserhaltenden Maßnahmen) wurde entsprochen. Der endgültige Sterbeprozess dauerte nur wenige Tage.
Mein Großvater hingegen starb lange und qualvoll an einem Hirntumor. Damals war Sterbehilfe verboten. Wäre sie da schon legal gewesen, er hätte die Hilfe angenommen.
Sterbehilfe beim Menschen ist seit einiger Zeit in Deutschland erlaubt. Wer möchte, kann sich für eine "Euthanasie" entscheiden. Niemand "muss" sich zu Tode quälen.
Meine Schwägerin ist aus Berufung Palliativpflegerin im mobilen Einsatz, es ist sehr interessant, sich mit ihr über ihre Arbeit auszutauschen. Dieses richtig lange zu Tode quälen hat man häufig nur bei Menschen, die an Krankheiten leiden, wo ich beim Tier das Ende abkürzen würde. Und das kann man auch als Mensch, man muss sich nur früh genug damit befassen und Entscheidunge treffen. (und ja, es kostet Geld)
Ein wirklich schwieriges Thema, bei dem es unendlich viele Sichtweisen gibt.
Ich wünsche jedem von Herzen, daß es bei all seinen Lieben und Irgendwan auch bei ihm immer friedlich und würdevoll ist.