Beiträge von dagmarjung

    Die Angabe von optimal bis zu 22 Stunden Schlaf finde ich reichlich hoch. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, daß ein Welpe seine gesamte Tagesaktivität - Fressen, sich lösen , jegliche soziale Interaktion mit Menschen und Hunden, Spielen, die Welt Erkunden, - in nur zwei Stunden täglich packen müßte. Das ist doch nicht realistisch. Es trifft vielleicht für ganz junge Welpen beim Züchter zu, aber doch nicht für angehende Junghunde von 13 Wochen.

    Ich denke in diesem Zusammenhang immer an die Forschungen von Bloch an freilebenden verwilderten Haushunden in Oberitalien. Dort wurden durchschnittliche Ruhezeiten von etwa 17 Stunden täglich ermittelt, allerdings nicht nach dem Alter der Hunde differenziert. Das Interessante an gerade diesen Forschungen ist, daß die Hunde regelmäßig gefüttert wurden, also genau wie unsere Haushunde keine Zeit und Energie für Futtersuche aufwenden mußten.

    Ein wesentlicher Unterschied im Aktivitätsverhalten zwischen Welpen und erwachsenen Caniden liegt darin, daß Welpen viele kurze Aktivitätszeiten und dazwischen auch kürzere Ruhephasen haben, während die Erwachsenen im echten Wildleben zwischen längeren Jagdausflügen auch gerne eine längere Siesta einlegen. Mit der Zeit passen sich die Heranwachsenden dem Rhythmus des Rudels an, dann wird gemeinsam geruht, gespielt, gejagt. Bis dahin machen Welpen aber gerne mal Party, während die Alten pennen.

    Und viele Ersthundehalter machen viel zu früh und zu viel formelles Training, und vernachlässigen das soziale Lernen.

    Diese Tendenz meine ich hier auch zu erkennen. Lieber öfter mal einen entspannten Bummelspaziergang machen oder sich mit dem Hund an einen schönen Ort in der Natur setzen und den Kleinen die Welt erkunden lassen, als zuvlel SitzPlatzFuß pauken.

    Dagmar & Cara

    Nein tatsächlich nur für Sportprüfungen in egal welcher Hundesportart. Bei Agility macht das in meinen Augen auch Sinn, daß Hund und HalterIn sich erst gewisse Grundlage im Gehorsam erarbeiten, ehe sie in einer eher "aufheizenden", triebbetonten Sportart an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Für Obi ist die BH als Zugangsvoraussetzung dagegen kontraproduktiv.

    Die besten BH-Prüfungen legten bei uns regelmäßig die wenigen Hundesportlerinnen ab, die schon länger im Verein waren und daher mit ihrem Junghund schon schön Obi traineren konnten, ohne erst die Basis-BH-Kurse mitmachen zu müssen. Mit einem sauber aufgebauten Obi-Training als Grundlage ist die BH dann auch leicht zu bestehen. Umgekehrt funktioniert es leider nicht.

    Dagmar & Cara

    - Obedience wird in den Hundesportvereinen heute seltener angeboten als früher, durch die Konkurrenz mit Rally Obedience. Obi-turniere sind einfach sehr aufwendig, denn es können viel weniger Teilnehmer pro Turnier mitmachen, bei vergleichbarem Aufwand und Kosten für den Verein. (Richter usw). Manche Vereine ziehen sich deshalb ganz aus Obi zurück. Kurz gesagt: Obi kostet, Rally-O bringt Geld für den Verein. Es gibt daher heute viel mehr Kurse und Turniere für Rally-O als für Obi.

    Das Thema Wettkämpfe scheint dir jetzt sicher noch weit weg, aber es schadet nicht, dir jetzt schon einen Überblick zu verschaffen, was von den Hundesportvereinen in deiner Gegend angeboten wird. Denn Turniere machen nicht nur an sich Freude, sie dienen auch zur Motivation im Training. Man setzt sich bestimmte Ziele, auch in einem gewissen Zeitrahmen. Das führt einen erfahrungsgemäß viel weiter als wenn man nur so privat vor sich hin dümpelt.

    Und dann ist es schon schön, wenn man öfters Turniererfahrung sammeln kann, weil fast jedes Wochendende irgendwo in der näheren Umgebung eine Prüfung stattfindet, als wenn man mit Glück drei-, viermal im Jahr starten kann oder immer sehr weit fahren muß. Nicht daß man zu jeder Prüfung hin muß oder soll, aber es ist einfach angenehm, aus verschiedenen Terminen auswählen zu können.

    Rally-O startete vor Jahren als einfache Einstiegssportart für eher wenig ambitionierte HundeführerInnen. Das hat sich inzwischen aber gewandelt. Die Herausforderungen und Ansprüche in den höheren Klassen sind absolut vergleichbar mit anderen Sportarten.

    Das klngt jetzt, als wollte ich Schleichwerbung für Rally-O machen, aber ich bin tatsächlich im Obi unterwegs gewesen, als Cara und ich noch aktiv Hundesport gemacht haben.

    Die Idee "Erstmal die BH, und dann in den Sport" - ist nicht so gut, wenn man Obedience/Rally-O machen wil. Leider oft unvermeidbar, weil die Vereine darauf bestehen. Aber wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, mach es umgekehrt. Also erst in die Obi-Trainingsgruppe, danach erst die BH ablegen. Denn die BH stellt Anforderungen an Ausdauer und Konzentration an die Hunde, die diese auch bei bestem Training so gut wie nie erfüllen können. (Und das Training in den BH-Gruppen ist eigentlich nie das Allerbeste, weil für die meisten "irgendwie durchkommen" reicht. )

    Schlampige Ausführung ist die Folge. Die BH besteht man damit allemal, aber man hat dann automatisch so einige Fehler ins Training eingearbeitet, die man anschließend für Obi mühsam wegtrainieren muß.

    Die BH ist eigentlich nicht Voraussetzung für die Teilnahme in Sporttrainingsgruppen, sondern lediglich für die Teilnahme an Turnieren. Viele Vereine bestehen allerdings darauf, daß angehende HundesportlerInnen, um ihr ernsthaftes Interesse zu beweisen, sich erstmal durch den Breiberg der BH-Basiskurse fressen müssen, ehe sie das Schlaraffenland des eigentlichen Hundesports betreten dürfen.

    Dagmar & Cara

    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob der Hund mit 6 Monaten schon unbedingt in der Pubertät ist. Bei manchen fängt es da an, andere sind aber noch richtige Kinder. Nur halt keine kleinen Kinder mehr, die noch an Muttis Schürzenzipfel hängen. Ich stell mir Junghunde in diesem Alter wie etwas ältere Schulkinder vor, die schon stundenlang draußen mit den Freunden Fußball spielen oder mit der besten Freundin radfahren und einfach nicht mehr so abhängig von den Eltern sind in ihren Aktivitäten. Die Welt draußen wird immer interessanter, und man bewegt sich allmählich selbstständiger darin.

    Dagmar & Cara

    Ich habe das Gefühl, daß dem Kromfohrländer zu Unrecht mangelhafte Gesundheit nachgesagt wird. Wenn ich durch die Vereinszeitschrift blättere und mir Lebensalter verstorbener Hunde oder Wurfgrößen ansehe, sehe ich da nichts Schlechtes. Der Verein geht offen mit der Gesundheitsthematik um, erkundige dich doch einfach dort und sprich das Thema an.

    Dagmar & Cara

    Aber wie sieht das dann aus mit Prägung, Sozialisierung, usw., wenn der Welpe die ersten 12 bis 15 Wochen im Zwinger verbracht hat? Kann der Welpe eventuelle Verhaltensauffälligkeiten oder Traumata mitbringen, die ihn als Schulhund von vornherein untauglich machen?

    Du kannst davon ausgehen, daß die Tierschützer in den stets überfüllten Auffangstationen sich nicht ansatzweise so intensiv mit den Welpen abgeben können wie ein guter Züchter das leisten kann.

    Traumata sind dabei in der Regel weniger das Problem, sondern der Mangel an Erfahrungen - also Deprivation. Solche Hunde sind dann später im Leben häufig überfordert, wenn viele Reize auf sie einstürmen und es mangelt ihnen an Nervenfestigkeit. Für einen Schulhund ist aber ein stabiles Wesen unabdingbar.

    Beim Züchter kannst du dir selbst ein Bild von den Aufzuchtbedingungen machen und natürlich einemöglichst geeignete Rasse aussuchen.

    Dagmar & Cara

    Ja, in Sibierien und im nördlichen Kanada kann es im Sommer auch sehr heiß werden. Aber dann tun die Huskies nur eines, nämlich nix. Arbeit und Bewegung findet im Winter statt, im Sommer werden die Hunde quasi nur aufbewahrt. Dazu ist der Sommer im Norden recht kurz und die kalte Zeit des Jahres umso länger.

    Hunde mit dickem, dichten Fell kommen bei kalten Temperaturen sehr gut zurecht. Aber bei heißem Wetter sind sie träge, suchen nur Kühlung. Sie sind eben quasi mit dickem Anorak unterwegs. Nicht umsonst sieht man heutzutage viele geschorene Hunde, deren Besitzer ihnen das Leben in den zunehmend heißen Sommern erleichtern wollen. Das kann man wegen der Beschädigung der Fellstruktur kritisch sehen, es verschafft den Hunden aber zweifellos unmittelbare Erleichterung.

    Ich verlinke hier mal eine interessante Seite, es wurden verschiedene Hunde im Winter mit der Wärmebildkamera aufgenommen. Interessant ist hier vor allem der Australian Shepherd "Lenny" auf der unteren Hälfte der Seite, der tatsächlich nur an den Augen und im Maul Wärme verliert, im Gegensatz zu allen anderen gezeigten Hunden. Man kann gut nachvollziehen, daß dieser Hund gerne im Winter auf dem Balkon schläft, wie im Text angemerkt wird. Umgekehrt wird er aber ganz logisch im Sommer weit mehr unter der Hitze leiden als die dünnnhaarigen Windhunde.

    https://galgoholiker.wordpress.com/2017/12/18/wae…der-die-zweite/

    Man hört gelegentlich, daß ein dichtes Fell ebenso gut gegen Hitze schützen soll wie gegen Kälte, wegen der Luftpolsterung zwischen Haut und Umgebung. Ich habe aber bisher noch niemand getroffen, der sich im Sommer einen Daunenanorak anzieht, um sich gegen Hitze zu schützen.

    Daher würde ich nach wie vor behaupten, ein nordischer Hund ist kein passender Begleiter für Reisen in heiße Länder.

    Dagmar & Cara

    das Argument der tarinerin warum man das nicht machen sollte war: "wenn man mit dem Hund zusammen um etwas zieht und dann nach einiger Zeit damit aufhört, lernt der Hund das er der Stärke und Rang höhere ist, da er ja das Spiel gewinnt"

    Das ist ganz großer Blödsinn. Ich sage sowas normalerweise nicht wegen eines einzigen Zitats einer mir sonst unbekannten Person, aber wer so etwas behauptet, hat die letzten 20, 30, Jahre seine Hausaufgaben als HundetrainerIn nicht gemacht.

    Ich kann das schon angesprochene Buch "Auszeit auf Augenhöhe" auch sehr empfehlen.

    Echtes Spiel zeichnet sich im Gegensatz zum Wettkampf dadurch aus, daß es beiden Seiten nicht aufs Gewinnen, sondern auf den gemeinsamen Spaß ankommt. Zum Beispiel indem sich der stärkere Spielpartner auf den Schwächeren einstellt und seine überlegene Kraft oder Schnelligkeit nicht ausspielt. Der oberste Rudelanführer kann also mit dem kleinsten Welpen spielen und ihm die Spielbeute überlassen, ohne daß die Rangordnung im mindesten infrage gestellt wird. Als souveräner Anführer kann man sich das leisten. Hunde mögen souveräne Anführer, die auf Machtspielchen verzichten.

    Es ist immer noch eine meiner schönsten Erinnerungen an meine längst verstorbene Schäferhündin, wie sie einmal mit einem etwa zweijährigen Kleinkind Zergeln spielte. Sie bot dem Kleinen immer wieder das Stöckchen so an, daß er es gerade noch packen konnte und bewegte sich so langsam, daß der Kleine, der noch nicht so sicher auf den Beinen war, sie immer wieder einholen konnte. Beiden machte das Spiel große Freude. Und mir und der Großmutter des Kindes das Zuschauen.

    Ja, man kann auch ganz ohne Gegenstände spielen. Den meisten Hunden macht es aber Freude, wenn sie auch mal mit voller Kraft reißen und beißen und sich so richtig anstrengen dürfen. Und dafür sind Zergelseile usw ideal geignet. Hunde lernen trotzdem - oder gerade deshalb - daß Ärmel und Hosenbeine tabu sind oder allenfalls nur ausnahmsweise für symbolisches Festhalten zur Verfügung stehen.

    Dagmar & Cara

    Ein junger Welpe will die Welt erkunden, aber er braucht auch noch sehr viele und lange Ruhephasen .Bei euch klingt es, als solltet ihr deutlich kürzer treten mit Aktivitäten.

    - Einem Boxer jegliche Beutespiele verbieten? Wozu holt man sich dann eine solche Rasse? Das ist doch sehr gegen seine Natur.

    - Ballspiele sind aber tatsächlich mit Vorsicht zu genießen, gerade im Hinblick auf die Gelenke des Hundes und ja, man trainiert damit Beutefangverhalten kleiner, beweglicher Objekte.

    Beim Zergeln steht dagegen der Spielpartner und dessen Aktionen wesentlich mehr im Focus. Richtig gemacht, trainiert man Ausgeben und Frustrationstoleranz gleich mit.

    Bei allen Beutespielen, vor allem beim Ballwerfen muß man jedoch aufs richtige Maß achten. Hunde können im Wortsinn süchtig danach werden, mit allen Konsequenzen, vergleichbar mit der Computer- oder Glücksspielsucht beim Menschen.

    Ich würde dir empfehlen, mal Kontakt zum Boxerklub aufzunehmen. Die haben Ortsgruppen und Trainingsplätze und man wird dich sicher gerne beraten, wie du deinen Boxerwelpen am besten fördern kannst. Sicher nicht durch absolutes Spaßverbot! ;)

    Dagmar & Cara