Beiträge von dagmarjung

    Das Word "Vermehrer" sagt erstmal nichts darüber aus, wie die Althunde gehalten oder wie liebevoll die Welpen aufgezogen werden. Da gibt es die ganze Bandbreite von prima bis grauenvoll.

    Der "nette" Vermehrer oder Hobbyzüchter hat halt eine Hündin und meist einen Rüden und der Haustierarzt hat anläßlich der letzten Impfung aufgrund einer kurzen Untersuchung festgestellt, die Hunde sind soweit gesund, daß sie geimpft werden können.

    Auf dieser soliden Basis wird dann der Wurf gemacht. Erbkrankheiten - was ist das? Wird schon gutgehen.

    Kosten entstehen kaum, daher bleibt vom Welpenverkauf viel Reingewinn.

    Ich kenne so eine "nette" Vermehrerin in meiner Nachbarschaft. Da wird halt der Deckrüde für ihre kleine Wuschelhündin per Inserat ausgesucht. Einziges Kriterium: sieht niedlich aus. Als ich fragte, ob der Deckrüde wenigstens auf typische erbliche Risiken wie Patellaluxation untersucht worden sei, wenn man schon Geld fürs Decken bezahlt, kam nur Staunen. Das Wort Patella war bis dahin unbekannt.

    Diese Frau liebt ihre Hunde sehr, die Hündin wurde auch nur in größeren Abständen belegt und die Welpen werden zweifellos liebevoll aufgezogen.

    Kaufen würde ich da trotzdem niemals.

    Im Gegensatz dazu muß ein echter Züchter zahlreiche Voraussetzungen erfüllen, Wissen erwerben und rassespezifische Untersuchungen beim Spezialisten durchführen lassen, ehe ein Hund auch nur in die Zucht darf.

    Das ist der Unterschied zwischen Züchter und Vermehrer.

    Dagmar & Cara

    Aber viele Leute wollen einfach ein nettes Familienmitglied und die besagten Ups Würfe oder Abgaben aus privaten Gründen kommen nun mal vor.

    Wir gehören in diese Kategorie.

    Euer Hund ist aber weder Ups-Wurf noch eine Privatabgabe (aus unvermeidbaren Gründen), sondern eine gewollte Vermehrung. Also genau das, was mit Recht kritisch gesehen wird. Keineswegs eine seriöse Zucht mit entsprechenden rassebezogenen Gesundheitskontrollen der Eltern und ihrer Vorfahren, sondern: wir machen alle 2 Jahre mal den schnellen Euro. Ist kein Verbrechen, aber seriöse Hundezucht ist was anderes.

    Dagmar & Cara

    Wir möchten unseren Hund aber nicht von allen Reizen abschirmen. Wir möchten, dass sie nach und nach die Angst davor verliert. Natürlich nicht von heute auf morgen- aber ein isoliertes Leben ist kein Leben.

    Eine Gewöhnung an Schreckreize tritt aber nur ein, wenn der Hund die Möglichkeit bekommt, sie im eigenen Wohlfühlabstand kennenzulernen. Nur dann kann er allmählich verinnerlichen, daß etwas wirklich harmlos ist. Dabei gibt der Hund das Tempo vor und niemand sonst.

    Und das funktioniert auf keinen Fall, wenn er dem Reiz täglich im Hausflur oder auf der Straße direkt ausgeliefert ist. Dazu kommt die Vielfalt der Reize im städtischen Umfeld. Menschen und Hunde sind immer und überall und man kann ihnen kaum ausweichen. Lernen ist aber nur im entspannten Umfeld möglich.

    Deswegen kann die Lösung selbstverständlich nicht sein, den Hund ein Leben lang von allen Reizen abzuschirmen. Es ist aber erforderlich, ihm nur so viele Reize zuzumuten, wie er noch gut verarbeiten kann, ohne in den Panikmodus zu verfallen, in dem Lernen unmöglich ist.

    Und da wird es natürlich schwierig, wenn man in der Stadt und im Mehrfamilienhaus wohnt.

    Und wir erwarten absolut gar nichts von ihr, außer das sie weder sich noch andere verletzt.

    Unsere ganz normalen Haus- und Begleithunde leisten jeden Tag sehr viel, indem sie einfach nur dabei sind. Wenn ich mit meinem Pudel nur hier durchs Viertel und durch die Grünanlagen gehe, begegnen wir etwa einem Dutzend Hunde auf mehr oder weniger geringe Distanz, spielenden Kindern, fußballspielenden und schreienden jungen Männern, Joggern, Skatern, Radfahrern, E-Rollerfahrern, Autos, Lastwagen, Straßenbahn, Feuerwehr und Polizei mit Sirenen usw.

    Nur weil es für uns Menschen normal und nicht weiter erwähnnswert ist, muß es das nicht für jeden Hund sein. Indem wir einen Hund in dieses Umfeld holen, erwarten wir bereits eine ganze Menge von ihm.

    Dagmar & Cara

    Wir haben das Gefühl, dass sie zum einen sehr unsicher ist, aber zum anderen unsere Rangordnung nicht versteht, oder akzeptiert.

    Auch die rangniedersten Hunde in einem Rudel dürfen behalten oder gegebenenfalls verteidigen, was sie im Maul haben. Souveräne Rudelführer sorgen dafür, daß alle was zu essen haben, sie nehmen den anderen nichts weg.

    Mit der Unsicherheit hast du aber recht.

    Das klappt aber nur, wenn sie etwas im Maul hat, was sie jetzt nicht ganz so gut findet. Je toller sie etwas findet, desto schwerer ist es, ihr etwas weg zu nehmen.

    Das ist ganz logisch. Sie ist ja noch mitten im Lernprozess, das muß weiterhin geübt werden und die Anforderungen dürfen immer nur soweit gesteigert werden, daß der Hund es schaffen kann. Dann wird das schon.

    Als Tauschobjekt sollte es aber auch was richtig Tolles geben, vorzugsweise immer besser als das was sie gerade hat. Käse, Würstchen, was auch immer sie am allerliebsten mag.

    Und da es in einem Hunderudel auch eine Hierarchie gibt, denke ich schon, dass sie bei uns zuhause denkt, dass sie unser Rudelführer ist. Sie lässt sich sehr ungern etwas verbieten und ,diskutiert‘ mit uns und hadert mit sich, ob sie sich das gerade gefallen lassen möchte.

    Kein Junghund von 5 Monaten hält sich für den Rudelführer. Ein Junghund kann sich aber durchaus wehren, vor allem aus Angst, wenn er sich oder seine unmittelbaren Interessen gefährdet sieht. Das ist aber etwas ganz anderes.

    Ich würde an eurer Stelle überlegen, wo ihr aus der Konfrontation rauskommen könnt. Management, ablenken, Hausleine dran, warten bis keiner im Hausflur ist, was auch immer. Es ist keine gute Idee, im Namen der Erziehung diverse Kriegsschauplätze zu eröffnen. Im Gegenteil, Ruhe reinbringen schafft Vertrauen und nur so könnt ihr eurer Hündin Sicherheit vermitteln.

    Seid euch bitte im Klaren darüber, daß eure Hündin trotz vermutlich liebevoller Aufzucht bei der Tierschützerin mangelhaft sozialisiert worden ist. Ihr fehlen bestimmte Erfahrungen vor allem mit anderen Hunden und auch mit Menschen. Was man nicht kennt, macht Angst.

    Schaut euch mal in diesem -Thread um:

    Deprivationsschäden

    und googelt nach dem Stichwort "Deprivation".

    Dagmar & Cara

    Sobald du den Eindruck hast, daß dein Welpe dich kennt und sich schon etwas an dir orientiert. Am Abholtag wäre mir persönlich das doch zu heikel. Aber der ist bei euch ja schon ein paar Tage her.

    Was mich etwas wundert: du schreibst, du hattst früher schon Welpen, da müßtest du doch auch schon Erfahrungswerte haben in dieser und anderen Fragen?

    (Ich will deine Fragen ganz gewiss nicht kritisieren, es wundert mich bloß.)

    Dagmar & Cara

    "die ist aber merkwürdig, so benimmt sich doch kein Hund!"

    Vielleicht wollte sie nur ihre Bewunderung für die Gemütsruhe und ungewöhnlich gute Erziehung deines Hundes ausdrücken. Wahrscheinlich kennt sie es nur so, daß andere Hunde sich von ihrem tobenden Hund anstecken lassen und dann ebenfalls ausrasten. Und in ihrer kleinen Welt ist das dann "normal".

    Dagmar & Cara

    Mini-Aussie:

    Stand bei mir vor 12 Jahren auch auf der Liste der möglichen Kandidaten, da ich eine kleine Hütehunderasse suchte.

    Der Mini-Aussie ist die verkleinerte Ausgabe der normalgroßen Australian Shepherds. Was bedeutet. daß zunächst nur wenige Hunde zur Zucht zur Verfügung standen und die Größe bzw Kleinheit wichtiger war als das Wesen. Aussies waren in Mode, und der Käuferwunsch nach Mini-Aussies konnte nicht aus dem Bestand gedeckt werden. Also lag es nahe, eine andere Rasse einzukreuzen, die äußerlich ähnlich und dazu klein war: den Sheltie. Das wird von den Züchtern regelmäßig abgestritten, zeigt sich aber im Äußeren, und was wichtiger ist, im Wesen der Minis.

    Leider muß gesagt werden, daß die hohe Sensibilität mit Neigung zur Ängstlichkeit der Shelties mit der aussietypischen Tendenz, Probleme nach vorne zu lösen nicht unbedingt harmoniert.

    Es gibt bestimt tolle Mini- Aussies, aber ich kenne überwiegend solche, die ich nicht geschenkt haben möchte. Wobei ich zugebe, daß ich den aktuellen Stand der Zucht nicht kenne, da meine persönlichen Erfahrungen mit Mini-Aussies schon ein paar Jahre zurückliegen.

    Zusammengefaßt bin ich froh, daß ich mich für eine durchgezüchtete Rasse entschieden habe, die im Wesen viel besser voraussagbar ist.

    Dagmar & Cara

    Lagotto und Pudel sind nicht nur verwandt, sondern auch im Wesen recht ähnlich.

    Wenn schon der Elo in Erwägung gezogen wird, wäre doch die Ursprungsrasse Eurasier interessant. Die ist schon länger durchgezüchtet und wird von einem sehr sorgfältig arbeitenden Zuchtverein betreut: https://www.kzgeurasier.de/

    Wird aber ein Hund mit Blick auf Hundesport gesucht, sind weder Elo noch Eurasier die erste Wahl.

    Dagmar & Cara

    Sehr freundlich, offen, verspielt, einfach ein lieber Hund. Natürlich war auch er mal recht frech und gerade in der Pubertät schon auch sehr herausfordernt aber nie das man sich hätte sorgen machen muss. Pubertät halt!


    So seit etwa gut 3 Monaten geht das so dass er angefangen hat andere Hunde (und das mein ich jetzt so wie ich es schreibe)

    Agressiv und mit voller Absicht anzugreifen!

    Du schreibst in der Vergangenheitsform, was die Pubertät betrifft. Dein Hund ist aber mit einem Jahr noch längst nicht fertig , sondern mittendrin in der stürmischen Entwicklung zum Erwachsenen. Kleine Hunde sind zwar körperlich schneller ausgewachsen als große, aber nicht im Kopf.

    In dieser Phase ändert sich vieles, auch die Einstellung zu anderen Hunden. Ein noch kindlicher Junghund sieht in anderen Hunden vor allem mögliche Spielpartner. Für einen Hundeteenager ist die Sache aber nicht mehr so einfach. Ein (fremder) Hund kann jetzt ein Konkurrent sein, ein Eindringling ins eigene Revier, sexuell interessant, oder auch weiterhin ein Spielpartner. Alles ganz verschiedene Rollen, zwischen denen sich der Junghund auch erst zurechtfinden muß, was ihm zunächst sehr schwerfällt. Vorerst kann sich da einiges vermischen, zB kann ein friedliches Spiel nun schnell kippen.

    Deswegen kommen viele junge Rüden in dieser Phase viel schlechter mit Hundebegegnungen zurecht als vorher. Jede Begegnung ist nun sehr aufregend und oft von wiedersprüchlichen Gefühlen gekennzeichnet: man will dringend hin, weiß aber dann nicht so recht ob man spielen, raufen, rammeln oder vertreiben soll. Die letzte und beste Alternative, nämlich einfach im Abstand vorbei zu gehen, muß erst gelernt werden. Da braucht der Jungrüde meist die Unterstützung des Menschen.

    Er ist nur sehr, fixieier, jammert und weint. Würde ich ihn aber zu dem anderen Hund lassen, ganz andere Stimmung!

    Genau das meine ich. Die gute Nachricht: es ist eine normaler Teil der Entwicklung und wächst sich aus. Der in dieser Phase sehr hohe Testosteronspiegel regelt sich beim erwachsenen Rüden auch wieder auf Normalmaß ein.

    Wenn du Ruhe reinbringst, deinem Hund zugestehst, daß er mit Hundebegegnungen derzeit überfordert ist und die Kontakte deutlich reduzierst, wird das helfen. Aus der Situation gehen, nicht glotzen und sich reinsteigern lasse, wurde schon erwähnt. Auch an Pipistellen flott weitergehen und nicht zusehen, wie der Jungrüde sich in Trance schnüffelt.

    Ich finde es auch sinnvoll, dich in dieser Zeit selber als zunehmend interessante Partnerin ins Spiel zu bringen, indem du mit deinem Hund Hundesport oder ähnliche gemeinsame Unternehmungen anfängst. Sei es Tricktraining, Nasenarbeit, Apportieren oder was euch sonst Freude macht. Natürlich keine aufhetzenden Ballspiele oder Ähnliches, sondern Aufgaben, bei denen der Hund sein Köpfchen einsetzen und Neues lernen muß.

    Ich meine ausdrücklich ein gemeinsames Hobby als "Kür" jenseits der "Pflicht" das Grundgehorsams, der natürlich weiterhin geübt werden muß.

    Dagmar & Cara