Beiträge von dagmarjung

    Du hast einen Hund gekauft, kein technisches Gerät, das beim einen wie beim anderen Besitzer auf Knopfdruck funktioniert. Du mußt dir das Vertrauen deiner Hündin erst mal erarbeiten und die Kommandos neu einüben.

    Wenn fertig ausgebildete Hunde verkauft werden, zB Blindenhunde, gibt es für die neuen Besitzer zunächst einmal eine ausführliche Einweisung. Der Besitzer muß den Hund kennenlernen, der Hund muß sich auf den neuen Hundeführer einstellen. Das geht nicht hopplahopp. Schon der Wechsel von einer Männerstimme zu einer Frauenstimme kann bewirken, daß der Hund ein Kommando schlicht nicht mehr versteht, denn die Stimmlage des Wortes gehört für ihn fest zum Kommando dazu. Die Körpersprache - für den Hund noch wichtiger - ist auch bei jedem Menschen anders. Dazu kommt, daß der Hund zum neuen Besitzer noch gar keine Beziehung hat.

    Kommandos und Tricks sollten aber im Moment nicht deine Priorität sein, sondern das gegenseitige Kennenlernen und der Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung, in der du für deine Hündin zur verlälichen Partnerin wirst.

    Ich habe auch die Vermutung, daß du zur Zeit zuviel mit der Hündin machst, weil du von "nicht müde kriegen" sprichst. Vielleicht magst du mal deinen Tagsablauf schildern? Oft läßt sich da etwas drehen, damit der Hund besser zur Ruhe kommt.

    Das Alleinbleiben muß beim neuen Halter und in der neuen Umgebung immer ganz neu aufgebaut werden. Daß die Hündin es in ihrer bisherigen Umgebung konnte gibt dir nur die begründete Aussicht, daß sie es auch bei dir lernen kann, wenn du mit dem nötigen Fingerspitzengefühl vorgehst, nicht, daß du es sofort von ihr verlangen kannst.

    Voraussetzung ist natürlich, daß dich der Vorbesitzer in diesem Punkt nicht angelogen hat.

    Hat die Hündin Papiere? Du könntest Kontakt zum Züchter aufnehmen. Der Zwingername sollte auch im Sportausweis des Hundes stehen, in dem die BH aufgeführt ist.

    - Und letzlich kann ich mich nur den anderen anschließen: bitte lass deine Hündin nicht frei laufen. Ein artgenossenunverträglicher, nicht bombenfest im Gehorsam stehender Mali gehört an die Leine.

    Dagmar & Cara

    Wir reden hier von mehreren verschiedenen Dingen. Zum einen diese orale Phase von Junghunden, in der sie alles mit dem Maul erforschen. Die geht von selbst vorbei und man muß sich und dem Hund keinen unnötigen Stress machen, indem man ihm alles und jedes aus dem Maul nimmt, egal ob gefährlich oder nicht.

    Das heißt nicht, daß man den Hund in dieser Zeit nicht erzieht und ihm die Grundlagen von "lass das" und "Aus" vermittelt. Denn das Interesse an Fressbarem, auch möglichen Giftködern, erledigt sich natürlich nicht von selbst.

    Es bedeutet nur, daß man sich und dem Hund diesen enormen Druck nimmt, daß es gleich und sofort perfekt funktionieren muß. Weil wenn der Welpe jetzt schon so drauf ist, wie wird das erst später werden, da muß man total konsequent sein und darf dem Hund nichts durchgehen lassen!!! - Das beschreibt meine damalige Sorge und vermutlich auch die aktuelle des TE.

    Nein, es gibt Sachen, die erledigen sich mit zunehmender Reife des Hundes von selbst. Schnuller sind bei Oberschülern einfach kein Thema mehr, genausowenig wie Kronkorken bei pubertierenden Junghunden.

    Wer Erfahrung hat und sich richtig gut mit Hundeausbildung auskennt, erreicht einen sicheren Abbruch und ein sicheres Ausgeben bestimmt viel schneller als ein Ersthunde- oder Erstwelpenhalter. Aber für uns übrige gilt: man kann sich mit dem Training dieser lebenswichtigen Lektionen etwas mehr Zeit lassen, dem Lerntempo des Hundes und dem eigenen Vermögen angepasst, und macht damit trotzdem nichts falsch.

    Dagmar & Cara

    Auch unter Tierärzten gibt es verschiedene Ansichten zum Thema Kastration beim Hund. Wurden vor Jahren gerade Hündinnen oft nach dem Motto kastriert: was weg ist, kann nicht krank werden, sieht man heute das Thema deutlich differenzierter. Denn den möglichen Vorteilen stehen ebenso gewichtige Nachteile gegenüber. Einige dieser Risiken und Spätfolgen wurden früher gar nicht mit der Kastration in Verbindung gebracht.

    https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.p…odul=3&ID=18951

    https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.p…odul=3&ID=18956

    Dagmar & Cara

    Der meinte nämlich, dass es bei technischen Geräten total normal ist, dass auf der ersten Seite der Anleitung sowas steht wie "Gut, dass sie sich für xyz entschieden haben, wir stehen für beste Qualität, bla bla bla". Das hat den Grund, dass es psychologisch so ist, dass Menschen getroffene Entscheidungen (besonders, wenn sie zB lange nach der besten Variante des Produktes suchen) sofort anzweifeln und sich fragen ob das wirklich richtig so war.

    Das stimmt! Jetzt wo du das schreibst, muß ich sagen daß ich dieses Gefühl des Zweifels nach dem Kauf auch kenne. Hätte ich nicht doch die größere Airbrush-Absauganlage kaufen sollen? Oder die schwarze Hundeleine statt der hellen? Na, nu isses zu spät...:roll:

    Dagmar & Cara

    Die Böllersaison ist schon da! Es wird leider schon jetzt, lange vor Weihnachten, überall sogenanntes "Kinderfeuerwerk" verkauft. (Und ich wundere mich, wieso hier jetzt schon soviel geknallt wird. :verzweifelt:)

    Gonzo kennt euch noch nicht und klebt nur aus Abhängigkeit so an euch. Das tun viele Tierschutzhunde. Der häufigste Anlass für "Verzweifelt gesucht!"- Zettel sind Hunde aus dem Tierschutz, die erst kurz bei neuen Besitzern sind, sich vor etwas erschrecken und dann in Panik davonrennen.

    Dagmar & Cara

    Junge Hunde haben eine Phase wie Kleinkinder, in der sie alles mit dem Maul untersuchen. Das kann schon beunruhigend sein, auch ich habe mir damals Sorgen gemacht, bei all dem Müll, der hier rumligt. Aber bei Cara war es so, daß sie zwar auf allem möglichen rumgegnabbelt hat, aber sie hat nichts runtergeschluckt, sondern nicht Fressbares auch wieder fallen gelassen. Bist du dir ganz sicher, daß dein Hund Kronkorken usw wirklich runterschlucken will?

    Die Frage stellt sich bei einem Retriever ja noch etwas anders als bei einem Pudel.

    Diese kindliche Phase geht aber von selbst vorbei. Es lohnt sich nicht, deshalb einen erzieherischen Kriegsschauplatz zu eröffnen. Bis man ein sicheres Aus in jeder Lage mit dem Junghund aufgebaut hat, ist diese orale Phase ohnehin vorbei.

    Kontrolle an der Leine hilft, damit der Hund nichts Gefährliches aufnehmen kann. Ansonsten muß der Hund seinem Untersuchungsbedürfnis bei harmlosen Dingen auch mal nachkommen dürfen, das gehört zu seiner Entwicklung dazu.

    Das Aus mit Spielzeug wird sinnvollerweise mit zwei genau gleichen Spielzeugen aufgebaut: mit dem einen wird gemeinsam gespielt, dann wird es dem Hund überlassen. Dieses Spieli interessiert uns jetzt überhaupt nicht mehr! Stattdessen ziehen wir das andere aus der Tasche und haben - ohne den Hund - den größten Spaß damit. In die Luft werfen, vor der Nase des Hundes animieren und wegziehen, das ist jetzt das tollste Spieli der Welt! Der Hund wird nun das neue Spieli haben wollen. In dem Moment, wenn er sein altes Spieli losläßt, um das neue zu schnappen, sagen wir "aus" und er bekommt das neue, mit dem wieder gespielt wird. Wir sammeln das alte unauffällig auf und das Ganze kann man mehrmals wiederholen.

    Dabei ist es wichtig, daß "unser" Spielzeug immer das begehrenswerte ist, wir animieren es und freuen uns so dolle drüber, daß der Hund nur neidisch werden kann. Das langweilige Ding, das der Hund im Maul hat, interessiert uns dagegen nicht die Bohne. Wir beachten es gar nicht und denken keinen Moment darüber nach, wie wir es dem Hund abluchsen können. Das geringste Interesse unsererseits macht es dem Hund nämlich wieder wertvoll.

    Wichtig ist, daß beide Spielzeuge genau gleich beschaffen sind und nicht eines in den Augen des Hundes höherwertig ist ans das andere. Also am besten zwei gleiche Zergelseile o. Ä. zusammen kaufen.

    Das "Aus" sagen wir vorerst nur dann, wenn der Hund das Spielzeug von selbst losläßt. Sobald er den Ablauf schon gut kennt, kann man das Aus im Sekundenbruchteil vor dem Auslassen sagen und es so allmählich vom Begleitwort zur Aufforderung werden lassen.

    Hat man nur ein einzelnes Spielzeug und will das Aus über passives Festhalten erreichen, ist das für den Hund sehr viel schwerer zu erlernen. Auch passives Festhalten ist wie ein Tauziehen, bei dem keiner nachgeben will.

    Dagmar & Cara

    Man kann ja auch eigentlich nicht erwarten, das man nach gerade Mal einer Woche den Hund schon ganz fest liebt, das muss doch erst wachsen

    Das möchte ich noch mal ganz dick unterstreichen.

    Jede Freundschaft, jede liebevolle Beziehung braucht Zeit zum Wachsen. Beide Seiten, Hund und Mensch, brauchen Zeit, um sich kenenzulernen. Gemeinsamer Alltag, gemeinsame Erlebnisse schaffen allmählich eine immer engere Bindung. Die besteht aber nicht von Anfang an.

    Hat man sich den Hund sehr gewünscht und erwartet - vielleicht unbewußt - vom ersten Tag an diese tiefe Verbindung, von der man immer geträumt hat, kann man eigentlich nur enttäuscht sein.

    Was hilft? Einfach durchhalten und Geduld mit sich selbst und dem Hund haben. Den Kleinen versorgen und darauf vertrauen, daß das Übrige von selbst passiert. Und es wird ganz sicher passieren. Junge Hunde erwarten zum Glück keine Perfektion von uns.

    Ich hatte zwar von Anfang an Freude an meinem Welpen, aber die richtig tiefe Verbindung stellte sich auch erst im Verlaufe mehrerer Monate ein.

    Dagmar & Cara