Eziehung und Kommandos lernen sind zwei verschiedene Dinge, die aber oft verwechselt werden, gerade von Menschen ohne oder mit wenig Hundeerfahrung.
Erziehung findet immer im Augenblick statt. Der Hund knabbert ein Stuhlbein an - er erfährt sofort, daß das nicht erwünscht ist. Er lernt, sich draußen zu versäubern und nicht auf deinem Wohnzimmerteppich. Er lernt, auch mal alleine zu bleiben, dich nicht zu nerven, wenn du arbeiten mußt usw.
Erziehung heißt, die Hausregeln zu lernen und sich in die Gemeinschaft einzufügen. Ein Hund kann prima erzogen sein, ohne Sitz/Platz/Fuß Kommandos zu kennen.
Die Erziehung findet wie gesagt im Alltag statt und nicht erst, wenn die Tochter mittags oder nachmittags aus der Schule kommt. Diese Arbeit wird daher hauptsächlich an dir hängen bleiben.
Sitz, Platz Fuß und andere Kommandos sind zwar im Alltag nützlich, aber im Grunde nicht Teil der Erziehung im engeren Sinne sondern Teil der Ausbildung. Das ist der Teil, den deine Tochter gut übernehmen kann.
Den so wichtigen Rückruf muß sich aber jede Bezugsperson selbst erarbeiten und festigen, die regelmäßig mit dem Hund rausgeht. Den der Hund hört in erster Linie auf den Menschen, nicht auf ein Zauberwort.
Eine Gewissensfrage an deine Tochter: Bei aller Begeisterung für Agility, es gibt in jeder Rasse Exemplare, die dafür nicht geeignet sind, und gar nicht so wenige. Bei Shelties - auch aus guter Zucht - macht das Nervenkostüm nicht selten Probleme. Ich kenne Shelties, die super gern auf dem heimischen Platz trainieren, aber dem Turnierstress nicht gewachsen sind. Das unvermeidliche Lampenfieber der Hundeführerin reicht dann aus, um den sensiblen Sheltie nervlich zusammenbrechen zu lassen.
Meine Kleinpudelhündin - weil Pudel hier empfohlen wurden- war vom Körperbau her nicht wirklch geeignet für Agility, auch zeigte sie mir, daß viele Dinge für sie interessanter sind als gerade Springen. Sie hätte mir zuliebe mitgemacht, war aber in anderen Disziplinen viel freudiger dabei.
Es gibt auch viele Hunde (rassenunabhängig) die sich übermäßig hineinsteigern und kreichend durch den Parcours rasen. Auch das kann darauf hindeuten, daß Agility im Grunde nicht gut für sie ist.
Ist deine Tochter flexibel genug, sich dann auf ihren Hund einzustellen und ihm zuliebe auf die Wunschsportart zu verzichten? Den Hund vor den eigenen Ehrgeiz zu stellen?
Alternativen gibt es immer, das Spektrum reicht von Obedience über Nasenarbeit bis zum Dummytrainig oder Dogdance, aber nicht jeder Hund ist für jede Sportart geeignet, egal wie viele andere Rassevertreter darin brillieren.
Die Preisfrage ist also: Wünscht sich deine Tochter einen Hund für AgilitY oder einen Hund ohne Vorgaben? Mit dem sie gemeinsam ausprobieren kann, was beiden Spaß macht und guttut, ohne enttäuscht zu sein, wenn es mit Agility doch nicht klappen sollte?