Aber es steht doch gar nicht fest ob die Tochter von Maria den Hund nicht mitnehmen wird. Gerade bei so motivierten und vernünftigen Jugendlichen erlebe ich es oft, dass es klappt.
Ich wohne städtisch mit Hund. Ganz selbstverständlich war meine Pudelhündin immer und überall dabei. Wir gingen gemeinsam Besorgungen machen, über den Hauptbahnhof, durch Fußgängerzonen, in belebte Hundeauslaufgebiete, zu Messen und andere Veranstaltungen, ins Restaurant usw. Cara hat alles prima und gerne mitgemacht. Typisches Stadtleben eben.
Ehrlich gesagt habe ich mich zuerst gewundert, wenn Halter von Border Collies auf dem Hundeplatz oder hier im Forum erzählten, sie könnten sowas ihren Hunden nie oder nur ganz ausnahmsweise zumuten.
Border Collies, so habe ich aber gelernt, ticken da typischerweise anders. Genau die super feinen Antennen, die sie im Sport oder im schottischen Hochland beim Schafehüten auf feinste Zeichen auf Entfernung direkt reagieren lassen, führen dazu, daß sie sehr schnell reizüberflutet sind. Schneller als andere Rassen.
Ich hätte früher nicht gedacht, daß es in dieser Hinsicht tatsächlich so große Unterschiede zwischen den Rassen gibt.
Das heißt, ein Border Collie ist nicht unbedingt der nervenfeste, gelassene Begleiter für ein städtisches Studentenleben. Selbst wenn alles klappt mit Wohnung und mitnehmen kann es sein, daß der Hund darunter leidet.
Anderes typisches Border Problem - Sie neigen dazu sich "fest zu fixieren". Sprich der ganze Körper geht auf eine Höhe/ist geduckt und der Blick fest am Gegenüber ( oft sind es andere Hunde). Aus Hundesicht ist das knackige Drohverhalten, dabei ist das eigentlich die Körperhaltung die ein Border Collie hat, wenn er Schafe hütet.
Schafe hüten heißt nicht, daß der Hund die Schafe liebhat, wie man als Laie oft annimmt. Hüten/Treiben ist vielmehr ein Teil des angeborenen Jagdverhaltens, nur ohne die Endhandlungen Töten und Fressen.
Beim Border Collie ist das Hüten züchterisch gewollt übertrieben ausgeprägt. Denn er wurde ja als Hütehund selektiert und nicht für Agility.
Das heißt, daß der BC eine starke angeborene Neigung zu diesem Verhalten hat. Border Collies, die nicht als Hütehunde arbeiten, leben diese Neigung sehr häufig an anderen Hunden aus. ("Der will nur spielen!") Damit degradieren sie Artgenossen zu Jagdobjekten. Je nachdem wird das Verhalten auch an Kindern oder an anderen Ersatzobjekten ausgelebt. Da es eine genetisch angelegte Neigung ist, ist das Verhalten selbstbelohnend und kann süchtig machen.
Für den Halter eines BC ist es eine wichtige und keineswegs einfache Aufgabe, seinen Hund in dieser Hinsicht sehr gut zu kontrollieren.
Nicht wenige BC werden aus diesem Grund abgegeben, weil sie zB die Kinder der Familie hüten und zwicken.