Beiträge von Cattledogfan

    Beim Australian Shepherd ist das Problem in meinen Augen nicht der gut zu kontrollierende Jagdtrieb, sondern vielmehr der Wach- und Schutztrieb, mit dem man rechnen muss, d. h. die Hunde können recht territorial sein, was evtl. je nach Kinderfrequentierung nicht wünschenswert ist. Außerdem sind sie vom Charakter her recht heterogen, d. h. man findet von eher collieartig Sanften bis hin zu cattledogartig mental Starken und Durchsetzungsfähigen so ziemlich alles.

    Ich hatte einige Monate zu meiner früheren Hündin einen Pflegling, ebenfalls Aussie, und die beiden hätten von der Art her unterschiedlicher nicht sein können - trotzdem waren beide in ihren Eigenschaften absolut rassetypisch, d. h. es war von "Fremden gegenüber reserviert", "intelligent", "leichtführig", etc. alles dabei, allerdings bei jedem in unterschiedlicher Mischung. Der Pflegling war für mich ein Kurt-Cobain-Hund, nämlich hochsensibel, hochintelligent, aber nur sehr eingeschränkt alltagstauglich, da ruckzuck reizüberflutet.

    Dem ehemaligen Farmhund hat meiner Meinung nach die Wandlung zum Sport- und Familienhund nicht gut getan, aber das ist ein Thema für sich.

    Wenn man sich für eine Rasse interessiert, finde ich immer Rasseforen recht interessant, und da ganz besonders die Rubrik "Probleme mit Euren Hunden". So bekommt man einen Eindruck davon, mit was für Eigenschaften und Verhaltensweisen man rechnen muss.

    Caterina

    (Kurzhaar)Collie? Wenn der Hund auch am Pferd mitlaufen soll, würde ich wegen Schneeklumpen zwischen den Zehen, Kletten im Fell, Grannen in den Ohren, etc. eigentlich eher einen kurzfelligen Hund wählen. Einige User des Forums haben z. B. Pudel als Reitbegleithunde, die dann entsprechend pflegeleicht geschoren werden. Ein kurz geschorener Pudel hat die Optik eines eleganten Jagdhundes, allerdings normalerweise mit deutlich weniger Jagdtrieb. Der Plattkopp hat was, finde ich.

    Ebenso würde ich Rassen mit stärkerem Jagdtrieb ausschließen, wozu für mich der Englische Springerspaniel gehört, weil man vom Pferd aus deutlich weniger Einwirkungsmöglichkeiten auf den Hund hat.

    Oha, die Threaderstellerin heißt ja nicht "Sonja", sondern Manuela - Entschuldigung, hab's überlesen!

    @'Lysaya: In diesem Jahr brauchst Du den Wischmop ganzjährig, wir hatten praktisch keinen Sommer, sondern fast nur Regen. Im "Hunde arbeiten am Vieh"-Quatschthread hat Antoni auf der letzten oder vorletzten Seite eindrucksvolle Modderbilder eingestellt. So sieht es hier überall aus, die unbefestigten Feldwege sind auch mit Gummistiefeln nur mit Vorsicht zu begehen, weil die Gefahr des Steckenbleibens ziemlich groß ist.

    Wir haben neben zwei pflegeleichteren Kurzfellhunden "nur" einen langfelligen Border Collie, und selbst der ist bei dieser Dauerfeuchtigkeit schwer zu pflegen, da das Fell an manchen Tagen nicht durchtrocknet und sich dann ziemlich schnell Filzknoten bilden, weil man nicht durchbürsten kann.

    Alternative: ab in die Badewanne und trockenfönen. Dazu fehlt mir aber die Zeit und die Lust, weil das Bad dann hinterher entsprechend aussieht. Wenn ich mir das bei einem Berner vorstelle - nein danke!

    Will sagen: Wer noch keinen eigenen Hund hatte, unterschätzt oft den Pflege-, Versorgungs- und Erziehungsaufwand ("viel Zeit für den Hund" ist bei einem 30-Std.-Job und als Alleinerziehende relativ) und überschätzt seine eigene Empathiefähigkeit; woher kommen sonst die ganzen "Hilfe, Welpe ist aggressiv"- oder "Hilfe, Welpe beißt Kind"-Beiträge? Manchmal haben die Tierchen halt die Unart, nicht wie im guten Welpenratgeber zu funktionieren.

    Und außerdem ist fraglich, ob man passgenau zum Urlaub einen Welpen "geliefert" bekommt.

    Ich finde immer, nachdem man sich belesen hat zum Thema Hund, sollte man tunlichst welche in natura kennenlernen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob man sich das zutraut oder wirklich haben will.

    Caterina

    Die Voraussetzungen klingen ja an sich gar nicht mal schlecht - für einen erwachsenen, ruhigeren Hund, der eine gute Erziehung hat (und einem z. B. nicht bei den zur Zeit a...glatten Wegen von den Füßen holt, wenn er im Dunklen an der Leine einen Satz auf seinen Lieblingsfeind zu macht).

    Ich finde den Vorschlag gut, z. B. durch eine Urlaubsbetreuung erst mal auszuprobieren, wie das Leben mit - großem, langfelligem - Hund überhaupt ist; ich versichere Dir, Du wirst bei unserem unterirdisch schlechten Wetter Dein blaues Wunder erleben, was so ein Tier alles an Dreck mit in die Wohnung schleppen kann.

    Caterina

    Dogs-with-Soul: Ich dachte bei "papierlos" eigentlich eher an die hier zuhauf angebotenen Produkte aus "liebevoller Hobbyzucht" oder "liebevoller Bauerhofaufzucht", denn ich wohne im Raum Flensburg.

    Keine Frage, nicht alles ist gut, nur weil VDH draufsteht, und wenn Dissidenzzucht mit Verstand, d. h. besser als nach VDH-Kriterien (die auch nicht immer sinnvoll sind; s. Farbreinzucht Großspitz), gemacht wird, bin ich absolut dafür.

    Nur: Um eine vernünftige Dissidenz zu finden, muss man sich erst mal in die Rasseszene einarbeiten, und wenn man immer wieder mit der Aussage "Berner werden oft nicht alt" konfrontiert wird (wobei auch mein Eindruck subjektiv ist, ganz klar), sollte man sich ziemlich gründlich damit beschäftigen.

    Aber mein Eindruck beim Lesen der Beiträge von Sonja ist eigentlich eher, dass ihr generell noch etwas die Vorstellung davon fehlt, was es heißt, Teilzeit zu arbeiten - Was kommt an Fahrzeit zu den 6 Std. Arbeitszeit hinzu? Muss das Kind vor der Arbeit in den Hort gebracht werden? -, Kind und Haushalt alleine zu wuppen und dann noch im Sommerurlaub einen Welpen so hinzubekommen, dass er während der mindestens sechsstündigen Abwesenheit in einer Mietswohnung weder die Wohnung auseinandernimmt noch die Nachbarschaft zusammenbellt.

    Bzw. wäre überhaupt die Möglichkeit einer Betreuung gegeben, falls der Welpe noch nicht alleine sein kann?

    Ich an Deiner Stelle, liebe Sonja, würde erst mal meinen Alltag anhand von Worst-Case-Szenarien auf Hundetauglichkeit abklopfen: Wie viel früher könntest/würdest Du aufstehen? Wie sieht Dein Zeitbudget aus, wenn das Kind zur Schule geht? Was, wenn Vermieter bzw. Nachbarn sich über den Hund im Garten beschweren? (Bellt, pinkelt an den Zaun, etc.)

    Lies Dich mal hier durch die Welpen- und Junghundethreads, Stichwort "Welpenblues".

    Caterina

    Berner sind leider Gottes alles andere als eine gesunde Rasse (HD, Nieren, Krebs), und ich würde als Anfänger die Finger davon lassen, weil man schon einiges an Kenntnissen über die Züchterszene braucht, um eine halbwegs vernünftige Zucht zu finden.

    Und von papierloser Bernerproduktion ohne VDH-Siegel würde ich erst recht Abstand nehmen. Auch Bernermischlinge sind nicht zwangsläufig gesünder, denn Mischlinge aus Rassehunden bekommen ja das Erbgut ihrer Eltern mit.

    In meiner Kindheit und Jugend habe ich charaktermäßig ganz tolle Vertreter dieser Rasse kennengelernt, das waren - bei entsprechender Behandlung - vom Charakter her ganz liebe, kinderkompatible Hunde, die aber auch ihre Familie und ihr Haus im Zweifelsfall ernsthaft bewachten.

    Und "damals" wurden die Hunde noch alt.

    Bei uns im Dorf - ich wohne jetzt das 8. Jahr hier - haben Leute, die bestimmt zwei Jahre nach mir hierher gezogen sind, mittlerweile die 3. oder 4. Bernerhündin (sie haben allerdings immer zwei), und wenn man sie überhaupt spazieren gehen sieht, schreiten die noch jungen Hunde...

    Klar, die haben ein riesiges, abgelegenes Grundstück und halten zum Spaß ein paar Rinder, und soweit ich weiß, arbeitet der Mann nicht mehr, die Hunde brauchen nicht unbedingt Auslauf, die haben genug Beschäftigung auf dem Hof.

    Trotzdem ist es traurig, einen Junghund von einem halben Jahr steifbeinig schreiten zu sehen.

    Normalerweise würde ich sagen, schau nach einem passenden Individuum im Tierschutz, aber laut Inet-Seiten sitzt im Moment weder im Tierheim Schleswig noch in Flensburg ein geeigneter Vertreter.

    Vielleicht magst Du mal schreiben, wie Du wohnst? Und arbeitest Du? Wenn ja, wie lange bist Du außer Haus?

    Ich finde nämlich die Lebensumstände enorm wichtig, um zu einem passenden Hund raten zu können. Mit Etagenwohnung würde ich z. B. nie und nimmer einen Hund nehmen, den ich nicht im Krankheitsfall (da reicht eine aufgeschnittene Pfote) auch bequem Treppen hoch- und wieder heruntertragen kann.

    Ist @Janosch noch aktiv hier? Er/Sie hat, glaube ich, einen Bernerrüden.

    Caterina

    PS: Dogs-with-Soul: Schön zu lesen, dass es noch Berner gibt, die alt werden!

    Gehorsam im Freilauf heißt für mich nicht bloß, dass der Hund mal auf Rufen zurückrennt. Für mich gehört dazu, dass der Hund gelassen und entspannt spazieren geht, in einer bestimmten Distanz bleibt, bei Ablenkung (Hunde, Menschen, Autos ...) ohne viel Tamtam das Richtige tut und auf dem Weg bleibt.

    Das da finde ich eine ganz wichtige Aussage!

    Und meiner Erfahrung nach erreicht man das durch regelmäßigen, ausreichenden Auslauf, bei dem der Hund immer und immer wieder ähnliche Situationen erlebt.

    Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass sich einige der Hunde, von denen hier und in anderen Foren berichtet wird, nur so aufdrehen, weil Gassigehen mehr und mehr zum Event wird, anstatt regelmäßiger, fester Bestandteil des Hundelebens zu sein, und man als Mensch diese Gassigänge auch bitte "abwechslungsreich" zu gestalten hat.

    Meine jeweiligen Hunde haben sich schon immer aufs Rausgehen gefreut, und wenn sie es mal lautstark kundtun müssen, dann habe ich es auch toleriert, sofern nicht dadurch die ganze Nachbarschaft geweckt wird. Auch gezogen wird manchmal. Wenn es mich nervt, gibt es einen Anraunzer, Thema durch.

    Dauerzustand war es jedoch nie - und das finde ich bedenklich, wenn es das wird.

    Caterina

    Samita, deshalb ja die Frage, wieso Setter. Aus genau dem von Dir genannten Grund habe ich keine Jagdhundrasse.

    Und wie gesagt, beim Vorstehen wird nicht gehetzt. Die Frau, von der ich schrieb, hat z. B. mit ihrem Irish Red and White Setter das saubere Vorstehen und Abrufen zunächst mit Dummy auf einer eingezäunten Fläche trainiert. Ich bin mir sicher, die Setter der Schwester meines Freundes haben in ihrem Leben mehr Tiere in Todesangst versetzt oder sogar getötet als dieser sauber ausgebildete Hund.

    Beim jetzigen Gordon Setter hat Frauchen den Hund an der Schleppleine bei Wildsichtung ins Sitz oder Platz... ja, "gezwungen", muss man fast schon sagen, obwohl sie ihm keine körperliche Gewalt angetan hat, anstatt sein Vorstehen zu belohnen - und wundert sich nun, warum der Hund bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchstartet...

    Und es gibt durchaus Möglichkeiten, einen Hund kontrolliert außerhalb der Brut- und Setzzeit ins Feld zu lassen, wenn z. B. Scharen von Nil- oder Kanadagänsen nach einem harten Winter großflächig aufkeimende Saat abfressen. Da ist jeder Bauer froh um ein bisschen Vergrämung, so auch mein Freund. Mein Border Collie darf aber - natürlich nach Rückfrage - auch auf die Felder anderer Bauern, um ein paar Runden nach seinem Ball zu flitzen; die Gänse nimmt er, glaube ich, noch nicht einmal wahr.

    RedPaula, was mich interessieren würde: Machst Du irgend etwas Spezielles mit Deinem Hund? Wie hast Du ihn auf Radius gebracht?

    Caterina

    Aus unserer Gallowayherde, mittlerweile ca. 50 Tiere, wurden die alten Kühe mit kleinen Kälbern aufgestallt, ebenso einige Jungtiere. Eine separate Jungtierherde wird es nicht mehr geben, und der Deckbulle, der normalerweise schlachtreif gewesen wäre, bleibt nun noch bis zum Sommer bei der Herde, selbst wenn er dadurch die ein oder andere seiner Töchter decken wird.

    In diesem Jahr war das Sortieren und Verladen auch ohne Hunde völlig problemlos, weil die Tiere durch das seit September laufende Zufüttern - die Moorweiden, auf denen sie laufen, sind praktisch abgesoffen - sehr, sehr zutraulich sind.

    Noch gab es hier keine Rinderrisse, im Raum Schleswig allerdings schon Schafsrisse, soweit ich weiß.

    Caterina