Beiträge von Cattledogfan

    Ich finde immer, zu jeder Anschaffungsüberlegung gehören auch Gedanken zu Worst-Case-Szenarien:

    Was ist, wenn der Hund aus irgendwelchen Gründen doch nicht mit zur Arbeit kann? (Gesundheitlich angeschlagen, charakterlich nicht für viele Menschen geeignet, etc. pp)?

    Und wenn Mann und/oder Kinder doch keinen Bock auf den Hund haben?

    Will sagen: Ich würde mich an Deiner Stelle fragen, ob Du im Ernstfall neben Arbeit und Familie tatsächlich genügend Zeit und den Kopf genügend frei hast, um Dich zur Not auch größtenteils alleine noch um einen Hund zu kümmern.

    Und wenn der Hund nicht mit zur Arbeit kann, stellt sich auch die Frage nach den Zeiten, die der Hund alleine bleiben müsste.

    Gesetzt den Fall, Ihr würdet Euch einen Welpen kaufen, ist der ja auch nicht nach drei Wochen Urlaub so weit "fertig", dass er mit ins Pflegeheim kann. Wie willst Du diese Zeit überbrücken? Ich würde da durchaus ein Jahr mit einrechnen, bis der Hund dauerhaft mit kann.

    Ich erinnere mich an einen Beitrag zu einer ähnlichen Thematik, wo der Hund allerdings schon da war, Australian Shepherd, 7 Monate, der eigentlich auch mit ins Alten- oder Pflegeheim sollte, habe ihn aber nicht gefunden auf die Schnelle.

    Caterina

    Laviollina: Nee, den Havaneser kannst Du hier genauso auswringen und erst mal irgendwo zum Trocknen aufhängen wie den Berner - wenn er Dir nicht gleich in der Modder absäuft, weil er so klein ist.

    Scherz beiseite, die Grundidee stimmt natürlich: kleiner, (pflege)leichter, mit Grunderziehung, grundsätzlich ans stundenweise Alleinsein gewöhnt. Bei einer Teilzeitstelle bleibt einem schon noch was vom Tag.

    Und eigentlich ist die Hundehaltung hier im äußersten Norden einfacher als anderswo zu managen. Die Leute sind einfach entspannter gegenüber Hunden, man hat viel Platz, die Arbeitswege sind nicht sehr zeitaufwendig, selbst wenn man nach Dänemark reinfährt.

    Die Förde bietet wunderschöne Spazierwege und Hundebademöglichkeiten (außerhab der sog. Saison) - wenn da nicht dieses bescheidene Wetter wäre...

    Ich wohne um die 20 km Luftlinie von der Threaderstellerin entfernt und frage mich schon die ganze Zeit, ob sie entweder so gut wie nie rausgeht oder was für ein Jahr sie wettermäßig erlebt hat. Mit einem großen, langfelligen Hund putzt man sich als Mieter einer Wohnung buchstäblich dumm und dämlich. Da langt schon ein paar Mal Garten und zurück.

    Caterina

    @sonja die Erste: Die Flut an Bedenken gegen Deine Pläne kommt m. E. daher, dass Du auf wirklich elementare Dinge nicht eingehst und Dir statt dessen Gedanken über so Zweitrangiges wie Urlaub macht. Zum Beispiel das Alleinelassen von Hund und Kind.

    Und das muss geregelt sein, wenn es gut gehen soll.

    Wie lange hast Du z. B. Urlaub im Sommer? Was ist, wenn kein Welpe zu haben ist in der Zeit? Oder erst nach ein, zwei Wochen Urlaub? Wie viel Zeit bleibt dann noch fürs Eingewöhnen? Hast Du Dir Gedanken gemacht, was passiert, wenn Du wieder arbeiten musst und der Welpe noch nicht alleine bleiben kann?

    Wie hast Du Dir den Ablauf morgens vorgestellt? Du lässt Dein Kind, das dann 6 (?) ist, alleine, während Du mit dem Hund rausgehst? Du hast eine Vorstellung davon, was Du an Zeit für Kind und Hund einplanen musst, bevor Du selber stadtfein für die Arbeit bist?

    Ich kann nur noch einmal wiederholen, unterschätze bei einem großen, langfelligen Hund den zusätzlichen Zeitaufwand für so ätzende Dinge wie Putzen nicht. Die Hundeanschaffung bedeutet nämlich nicht nur entspannende Spaziergänge im Wald, sondern bei unserem gottverfluchten Dreckswetter ganz viel gottverfluchte Dreckwischerei.

    Wie sagte doch der Radiomoderator letzte Woche so schön? Der Unterschied zwischen Sommer und Winter im Norden ist die Temperatur des Regens...

    ...womit wir beim nächsten Thema wären: Hast Du vor der Arbeit die Zeit, den Hund nach einem Spaziergang durch Dauerregen ggf. trockenzufönen, damit sich der Hund nicht selber an allem, was ihm passend erscheint, trockenschubbert? Ansonsten stinkt bald Deine ganze Bude nach Hund. Hast Du einen Trockenplatz für Hundehandtücher? Alternative: jeden Tag waschen.

    Und bevor Du zur Arbeit gehst oder fährst, musst Du Dich wahrscheinlich umziehen. Die Nagelbürste wird Dein guter Freund werden.

    Außerdem wohnst Du zur Miete. Lass sich den Berner ein paar Male im Hauseingang schütteln, und die Wände sind braun. Wennn Du Dir den Eingang mit anderen teilst, ist Bodenwischen Pflicht.

    Was ist, wenn der Berner-Junghund im nächsten Winter den Garten (mit Rasen?) bei so viel Regen wie in diesem Jahr in eine Matschpiste verwandelt? (Unser Rasen ist Geschichte, obwohl wir vor Verzweiflung sogar Silogras ausgesät haben), Pflanzen herausreißt, sich mit vollem Kampfgewicht gegen einen für die Größe und das Gewicht zu mickrigen Zaun wirft, weil er seinen Lieblingsfeind fressen will? Voller Wonne Bombenkrater gräbt, weil die Maulwürfe aktiv sind? Was würde Dein Vermieter dazu sagen?

    Leih Dir doch einfach mal den Berner Deines Bekannten aus, möglichst bei Regenwetter, oder hat er keinen mehr?

    Probier es aus, wie es ist, ein nasses, dreckiges, stinkendes Fellmonster in Auto und Wohnung zu haben, das keine Lust aufs Trockenrubbeln hat und sich beim Reinkommen lieber an der Wand oder an Dir schubbert, das sich vielleicht liebend gerne in wohlriechendem Hundeparfüm wälzt (z. B. Gülle oder toter Fisch) und das beim Schütteln auch gleich das Kind mit einsaut.

    Das Leben mit Hund ist toll, keine Frage - aber es ist auch mit echter Arbeit verbunden.

    Und die muss man stemmen können.

    Caterina

    Holly2018: Das finde ich gut, dass Du Dir auch über Worst-Case-Szenarien Gedanken gemacht hast und sie nicht einfach lapidar vom - virtuellen - Tisch wischst.

    Das ist meiner Erfahrung nach ein wichtiges Kriterium für ein bereicherndes Leben mit Hund, ebenso wie ein gerüttelt Maß an Humor und Geduld.

    Wenn Du Dich für diesen Hund entscheidest, dann wünsche ich Dir, dass da ein ganz bezauberndes Hündchen aus der Kiste steigt: Huch, wo bin ich hier, und wer bist Du denn...?

    3-4 Wochen Aufenthalt im ungarischen Tierheim ist natürlich nicht die Welt, da kann man je nach Belegung nicht viel sagen zum Tier, und die Tests auf Kinder- und Katzenverträglichkeit würde ich nicht überbewerten.

    Und solltest Du davon Abstand nehmen, weil Du ein ungutes Gefühl hast, dann lass Dir gesagt sein, dass Du schon den richtigen Hund finden wirst. Nur nichts überstürzen. Wir haben wegen einer ungünstigen Hundekonstellation hier auf dem Hof jahrelang nach einem passenden arbeitsfähigen Hund gesucht, und plötzlich hatten wir innerhalb von 7 Monaten gleich zwei Stück in der Bude, einen erwachsenen, einen Welpen, die ein wahrer Glücksgriff sind.

    An diese Hunde sind wir übrigens übers dogforum gekommen, kein Witz.

    Caterina

    Ich fasse mal zusammen: Der Hund soll kinder-, katzen-, büro- und kollegenhundkompatibel sein bzw. möglichst schnell werden, Du bist Hundeanfängerin, und der Hund kommt aus dem Ausland und hat höchstwahrscheinlich unter ganz anderen Bedingungen gelebt.

    Ich denke, da ist noch wesentlich mehr als nur der Gesundheitsstatus und die Seriosität des Vereins zu beachten.

    Hast Du überhaupt Kapazitäten (an allererster Stelle Zeit), um den Hund in einem Leben bei und mit Dir ankommen zu lassen? Was, wenn er sich erst mal nicht lösen will, in die Wohnung oder in seinen Transportkäfig macht? Und das über Tage? Wenn er entweder Angst vor den Katzen hat oder sie jagen will? Nichts vom Kind wissen will? Oder sogar in einer blöden Konstellation zubeißt? Zum Einstand erst mal ins Büro pinkelt? Dem Kollegenhund mit hysterischem Gekreische begegnet?

    Kannst und willst Du solche Eingewöhnungsschwierigkeiten managen? Wie hast Du Dir das vorgestellt? Der Hund kommt zum Wochenende, und am Montag soll er mit ins Büro? Wie schnell müsste der Hund "funktionieren"?

    Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt, ich bin immer dafür, zuerst den Hunden ein Zuhause zu geben, die "schon da" sind, egal, ob aus dem In- oder Ausland.

    Aaaber: Meiner Erfahrung nach sollte man an Hunde mit Vorgeschichte erst mal gar keine Erwartungen und Ansprüche haben und ihnen mit dem Abstand begegnen, mit dem sie sich in ihrer neuen Umgebung halbwegs wohl fühlen.

    Caterina

    PS: Die Strategie von Linali92 finde ich ganz toll!

    Nochmal: Wieviel Zeit ist überhaupt für den Hund vorhanden? Wie viele Stunden täglich würde er ohne Aufsicht auf dem Hof herumlaufen?

    Joggen mit Hund ist ja gut und schön, da kann ein größerer Hund sicherlich besser mithalten als ein Kleinspitz... aber abgesehen von der Laufleistung muss der Hund auch noch so erzogen sein und so wenig Jagdtrieb haben, dass er entweder brav ohne Leine mitläuft oder Euch nicht bei der ersten Wildsichtung/-witterung wie in Trance hinter sich herzieht.

    Ich kann zu den favorisierten Rassen nix sagen, nur dass sie relativ selten sind, und daher würde ich die Züchtersuche von vorneherein auf ganz Europa ausdehnen, und zwar in erster Linie auf die Ursprungsländer.

    Die Userin @Pleistozaen ist Züchterin, allerdings einer anderen Rasse, doch ich nehme an, sie ist über ihren Rasseclub auch Mitglied im ÖKV, Eurem Pendant zu unserem VDH, evtl. kann sie Dir einen Ansprechpartner für diese Rassen beim ÖKV nennen.

    Ansonsten schreib doch mal den/die User/in an, die auf den Seiten davor genannt wurde, sie kann Dir sicherlich weiterhelfen.

    Caterina

    Theobroma: Toller Beitrag weiter vorne! Mich beschlich beim Lesen irgendwie das Gefühl, dass da jemand eine verklärte Vorstellung vom Leben mit Hund hat, in der das Tier der beste Freund des Kindes ist, das seinen Kopf vertrauensvoll in das Wuschelfell des großen, treuen Hundes drückt... oder so ähnlich...

    Wer noch nie einen Hund hatte, unterschätzt all die fiesen, kleinen Alltagsdinge, wie Du sie aufgezählt hast, kolossal, und auch, dass man für einen Hund ebenso eine Infrastruktur braucht wie für das Kind, die einspringt, wenn man selber arbeiten muss oder krank ist. Oder wenn das - noch kleine - Kind krank ist.

    Außerdem habe ich oft das Gefühl, dass die Schreiber einen schon fertigen Hund vor ihrem geistigen Auge haben, der sich wunschgemäß in ihr Leben einfügt, aber den Aufwand an Zeit, Energie und vor allem Empathie bis dahin völlig unterschätzen, denn als Ersthundehalter muss man sich den "richtigen" Umgang mit dem Hund erst kopfmäßig erarbeiten.

    Und da tut man sich mit einem kleineren Hund, den man allein durch Körperkraft unter Kontrolle hat, falls es mit der Erziehung mal hapern sollte oder man gerade beim Kind zugreifen muss, buchstäblich leichter.

    Aber vielleicht sind ja Großeltern, Freunde oder nette Vermieter bereit, auch den Hund notfalls zu betreuen, wer weiß.

    Caterina

    Wichtig zu wissen wäre ja auch, wieviel Aufsicht der Hund hätte. Ist irgend jemand den ganzen Tag zu Hause, oder sind alle zum Arbeiten oder Studieren die meiste Zeit des Tages außer Haus?

    Wie liegt der Hof? In einer verkehrsreicheren Gegend ist sicherlich Hoftreue enorm wichtig, ebenso bei einer Lage mit viel Wildkontakt. Bei uns laufen die Rehe z. B. oft über den Siloplatz, über die Hauskoppel sowieso. Dann würde ich von allem, was mehr Jagdtrieb als ein Labrador hat, Abstand nehmen, es sei denn, der Hund ist entweder unter Aufsicht oder zuverlässig gesichert (Zaun!).

    Inwieweit ist er eingezäunt?

    Wenn viele Fremdhunde auf den Hof kommen, würde ich mir auch über eine Kastration Gedanken machen; nicht, dass man sich eine Hündin anschafft und denkt, die Läufigkeit ist ja durch, und dann wundert man sich, dass sie nach dem "Spielen" mit den Hundekumpels runder und runder wird...

    Caterina

    Für mich wäre das eine ganz simple Rechnung:

    Wie viele Std. pro Woche würde der Hund bei sportlichen Aktivitäten dabei sein, wie viele Stunden wäre er Hofhund mit relativ hohen Anforderungen an Artgenossenverträglichkeit und Akzeptanz von Fremden?

    Ich vermute mal, der Job als Hofhund, und daher wären meine Hauptkriterien Hoftreue, Wachsamkeit ohne übertriebene Territorialität und Artgenossenverträglichkeit, und ich würde eindeutig Abstriche bei der Sportlichkeit machen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, zäunt einen Hundebereich ab, denn es kann immer mal vorkommen, dass man den Hund wegsperren muss.

    Evtl. wäre auch ein bereits erwachsener Hund eine Option, der unter ähnlichen Umständen gelebt hat. Bei abgegebenen Hofhunden tun sich Tierheime oft schwer, ein neues Zuhause zu finden, eben weil sie viele Dinge wie Leine oder Stubenreinheit nicht kennen bzw. können.

    Ein Tierheim, das öfter Hofhunde oder Hunde aus Schäfereien zu vermitteln hat, ist z. B. Gießen hinter Frankfurt/M., aber das müsste schonn großer Zufall sein, wenn Ihr gerade in diesem Einzugsbereich wohnt.

    Caterina