Beiträge von Cattledogfan

    Das Problem ist halt, dass man die Interaktion der Hunde mit lebenden Tieren, für die sie über viele, viele Generationen gezüchtet wurden, durch nichts ersetzen kann, weder durch Hundesport noch durch irgend etwas anderes, was heutzutage so als "Arbeit" für intelligente Hunde gilt.

    Und weil dieses genetische Rüstzeug für ihre jeweilige "Inselbegabung" bei diesen Rassen sehr, sehr stark ist, muss man in unserem 08/15-Hundehalter-Alltag eigentlich ständig dagegen anarbeiten. Und doch findet "es" immer wieder Mittel und Wege, sich zu manifestieren, sei es durch Autojagen wie bei unserem Second-Hand-Border, sei es durch das Anhüten von Artgenossen.

    Ich sehe z. B. nicht die Notwendigkeit, sich einen Koolie oder Border Collie als Therapiehund anzuschaffen.

    So ein Hund wie Gammurs Ree wäre z. B. wie geschaffen für ein Leben hier auf dem Hof.

    Caterina

    Was ich vor lauter Begeisterung über unser tolles Trio vergessen hatte:

    Antoni: Nicht nur der Hund kann schwer oder tödlich verletzt werden, auch der Mensch. Selbst ein anstürmendes, schweres Schaf kann einen Menschen töten, wenn es dumm kommt, da braucht es keine halbe Tonne Rindvieh zu.

    Und es ist immer besser, es erwischt den Hund als den Menschen.

    Bei uns sind es übrigens auch fast ausschließlich Färsen oder frisch abgekalbte Jungkühe, die sich gegen die Hunde stellen; Übermut, schätze ich.

    Caterina (gerade geschäftlich unterwegs, aber sehr beruhigt, dass die Jungbullen morgen mit beiden Spitzohren aufgeladen werden; Bauer hat beschlossen, dass sein nicht unbedingt hundeaffiner Mitarbeiter Special Agent Spock an die Seite bekommt, der weiß dann schon, was er machen muss)

    Schlimmer geht's immer:

    Bauer erkältet, Schüttelfrost, kann nur noch krächzen, schleppt sich durch den Tag, ich trotzdem nicht in der Lage, beim Küheholen von den 8 ha Hauskoppel, die die Herde bisher zur Verfügung hat, zu helfen, weil ich solche Schiss vor dem Deckbullen habe.

    Die 8ha mit ihren Hügeln und Senken waren in gut 15 Minuten geräumt - von den Spitzohren!! Spock & Lotta liefen bis auf einige Zeigehilfen von Herrchen, der auf einem Hügel stand, alles selbständig ab und brachten die Tiere grüppchenweise zum Stall, wo ich den Border vor dem Draht postiert hatte, damit er die einzelnen Partien gleich durchschob bis in den Stall; er schiebt ja sowieso lieber, als dass er holt.

    Hätte mir das einer noch im April erzählt, ich hätte es nicht für möglich gehalten, vor allem, weil es die Hunde von sich aus machen.

    Der einzige Nachteil: der dreckige Border, der sich bei "Stopp" halt immer hinwirft.

    Und gäbe es das dogforum nicht, wären wir nie an die Spitzohren gekommen.

    Auch ein Hund hat seine Würde, und ich persönlich habe nicht gewartet, bis einer meiner Hunde so weit heruntergekommen war, wie es Euer Hund der Beschreibung nach ist.

    Und das Aufnehmen der eigenen Exkremente ist würdelos.

    Ist das denn noch der Hund, den Ihr kanntet? Ist seine Persönlichkeit noch da? Haben seine Tage noch Leben oder ist das nicht vielmehr ein würdeloser Verfall?

    Für mich wäre es Deiner Beschreibung nach allerhöchste Zeit für den Hundehimmel, und ich würde ihn als letzten Liebesbeweis bei Euch zu Hause einschläfern lassen, wo Ihr alle offensichtlich viele schöne, gemeinsame Jahre verlebt habt.

    Den Versuch einer Zahnsanierung würde ich nicht mehr starten, denn das würde bedeuten, den Hund zum Tierarzt zu bringen, in Narkose zu legen, d. h. wahrscheinlich einen Venenkatheter bei Bewusstsein setzen.

    Beim Einschläfern kann man ihn erst durch einen kleinen Pieks in den Oberschenkel intramuskulär sedieren, bevor intravenös gespritzt wird, und dann ist es wirklich ein Einschläfern, ganz friedlich und auch würdevoll, wenn der geschundene Körper entspannt, der Atem flacher wird und sich das letzte bisschen Leben auf leisen Schwingen davonmacht.

    Ich habe diese letzten gemeinsamen Momente mit meinen geliebten Hunden immer als sehr friedlich und sehr intensiv empfunden und einige auch auf dem Schoß gehalten.

    Caterina

    Ich hatte ja schon öfter von der blöden, verwinkelten Hauskoppel hier geschrieben, auf der die Milchkühe tagsüber grasen.

    Hinzu kommt in diesem Jahr ein extremer Personalmangel. Bei vielen Dingen ist mein Freund ganz alleine und hat nur die Hunde.

    Er muss z. B. nur mit Kontrolleuse & Koolie Kühe holen, weil er meint, noch einen Deckbullen mitlaufen lassen zu müssen. Nachdem ich vor zwei Jahren von einem Gallowayochsen umgerannt wurde, den Spock zum Glück abbiss, traue ich mich daher auch mit Spockie nicht auf die Koppel. Ich sehe diesen breiten Kopf, mir schlottern die Knie, und ich kann nicht mehr klar denken.

    Langer Rede kurzer Sinn:

    Die Spitzohren werden immer routinierter, die Kröte schiebt, der Koolie holt, und wenn eines oder mehrere der Rindviecher meinen, einen Hund beiseite kicken zu können, ist der andere da und hilft. Auch den Bullen haben sie schon mit vereinten Kräften zur Räson gebracht.

    Hatte ich schon erwähnt, dass arbeitende Hunde toll sind?

    Da es kein Hüten im eigentlichen Sinne ist, schreibe ich die nächste Spock-Lobeshymne mal hier rein:

    Das vom Senior eingeführte Bauer-Spezialsystem, damit sich Kälber und Färsen an Stromdraht gewöhnen, sieht so aus, dass auf einem Grünstreifen zwischen den Ställen Litze gespannt wird und die Tiere aus ihren Boxen rausgeschmissen werden, bevor sie dann auf die Außenweiden kommen.

    Was sie natürlich besonders doof finden, wenn der Futterwagen anfängt zu röhren.

    Und im Bauer-Spezialsystem ist natürlich kein Patent vorgesehen, wie man Trecker samt Futterwagen zwischen den Ställen wendet und verhindert, dass in der Zeit sämtliches Jungvieh - diesmal eine Partie von 27 Stück - mit Karacho auf den Futtergang stürmt, um sich so richtig den Ranzen vollzuschlagen, seit der Senior in Reha ist, der sich sonst immer mit der elektrischen Viehtreiberstange hinstellte und die Tiere abwehrte.

    Aber wozu hat man Special Agent Spock, den Hund für alle Fälle?

    Ich ging mit ihm vor dem röhrenden Trecker-Futterwagen-Gespann die 75 m Futtergang mit den wie die Löwen brüllenden Kühen und Bullen auf beiden Seiten entlang und sicherte dann die offene Tür ab, bis der Bauer gewendet hatte und wieder reinfuhr.

    Spitzohr hat es bravourös gemeistert und sofort kapiert, dass man die nicht holen, sondern wegbeißen muss, genau wie frisch abgekalbte Kühe, wenn ich bei der Weidepumpenkontrolle zufällig auf ein gerade geborenes Kalb stoße.

    Inzwischen wundere ich mich nicht mehr, wenn er "bleib" selbständig auflöst und plötzlich bei mir ist.

    Er ist einfach immer da, wenn man ihn braucht, und in den letzten Wochen ist er beinahe zu einem Cattle Dog geworden, so hart, so kompromisslos, so "komm nur, tu mir den Gefallen, wirst schon sehen, was Du davon hast".

    Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie unsere drei all ihre Sinne einsetzen können und dürfen und uns dabei so wertvole Hilfen sind.

    Und wieder einmal hat Special Agent Spock eine Sonderermittlung erfolgreich abgeschlossen, diesmal als Leiter der Soko "Kalb".

    Nachts hatte eine der Färsen im Abkalbestall gekalbt, Frühgeburt. Am Morgen Unruhe, Bauer geht gucken, sieht, aha, schon gekalbt - aber wo ist das Kalb? Es war offensichtlich durchs Gitter geschlüpft; Frühgeburten sind oft winzig.

    Kommissar Spitzohr hat's gefunden. Es war an einer abschüssigen Stelle wohl heruntergekugelt und lag tief schlafend unter dem Radlader.

    Der bald darauf gestartet worden wäre...

    Was wäre der Hof ohne unser Schlitzohr?

    Caterina