Beiträge von Cattledogfan

    Viel interessanter als der o. g. abenteuerliche Rassemix laut DNA-Test wäre wahrscheinlich, woher der Hund stammt: ein Auslandsimport? Wenn ja, ist der Test nicht aussagekräftig, weil es sich oft um irgendwelche Wald- und Wiesenschläge handelt, deren Genmaterial gar nicht in der Datenbank der Testanbieter ist.

    Für mich sieht er auf dem Foto genau so aus, und wenn wirklich der Pyrenäenberghund so durchschlagenden Einfluss hätte, wäre der Hund höchstwahrscheinlich größer und schwerer, v. a., wenn auch Bernhardiner mitgemischt hätte.

    Ich vermute stark, Ihr habt Euch da eine Wundertüte ins Haus geholt, die jetzt an der Schwelle zum Erwachsenwerden zeigt, was in ihr steckt.

    Und was davon genetisch bedingt, was erlernt (bzw. anerzogen) und was formbar ist, kann Euch keiner sagen.

    Ich persönlich habe immer etwas Bauchschmerzen, wenn sich Hundeanfänger so ein Überraschungspaket als Ersthund antun, insbesondere mit Kindern im Haus, weil einfach die Erfahrung im Deuten des Hundeverhaltens fehlt und selbst ein guter Trainer nur Vermutungen anstellen kann, um was für einen Schlag Hund es sich handelt.

    Noch ist der Hund jung und formbar und daher - meiner bescheidenen Meinung nach - gut vermittelbar, daher wäre für mich eine schnelle Abgabe durchaus eine Option.

    Denn selbst mit - gutem - Trainer an Bord müsstet Ihr alle rasant dazulernen, um den Hund lesen zu können.

    Wollt bzw. könnt Ihr das?

    Wenn der Hund bisher sein Haus und sein Grundstück bewachen durfte und mit dem durchaus rassetypischen Wachtrieb gesegnet ist, könnte das tatsächlich problematisch sein.

    Wenn Du schreibst "Wohnung", gehe ich von einem Mehrparteienhaus aus, und je nachdem, wie bell-, melde- und wachfreudig der Hund und wie viel Trubel in diesem Mehrparteienhaus ist, könnte das Ärger geben, vor allem, wenn Du regelmäßig aus dem Haus musst.

    Caterina

    Du musst lernen zu erkennen, wann Dein Hund abschaltet.

    Es geht nicht darum, dass DU Außenreize vor dem Hund wahrnimmst, denn dabei kann man als Mensch wegen der deutlich schlechteren Sinne im Vergleich zum Hund nur verlieren, Du musst lernen, DEINEN HUND besser zu lesen.

    Ich bin zwar kein Retrieverspezialist, aber so, wie ich Vertreter dieser Rassegruppe erlebe, sind die brüllend deutlich in ihrer Körpersprache, und da sie in der Reaktionsgeschwindigkeit auch relativ langsam sind, hat man gute Chancen zu intervenieren, BEVOR die Ohren auf Durchzug sind.

    Also: Augen auf den eigenen Hund, nicht die Umgebung scannen, denn bevor ein Hund losstürmt, schaut er erst in die Richtung, in die er abhaut.

    BorderPfoten : Wieso bleibt der Geist auf der Strecke, wenn ein Hund mit zum Joggen kommt?

    Für mich wäre Joggen mit Labrador oder Golden Retriever ohnehin nur im Freilauf denkbar, denn das sind so wunderbare, leichtführige Hunde, die machen es einem leicht, sie ohne Leine laufen zu lassen, die muss ich mir nicht mit Gurt um den Bauch binden wie z. B. einen Husky oder Dalmatiner.

    Nur: Dazu müssen die entsprechenden Grundlagen in Alltagssituationen erarbeitet werden, d. h. Wildreinheit, Abrufbarkeit von Artgenossen oder Menschen, Verkehrssicherheit, und durch fortlaufende Wiederholungen muss gefestigt werden, was erlaubt ist und was nicht.

    Für mich wäre es z. B. selbstverständlich, mich dem Trabetempo des Hundes anzupassen und ihm Schnüffeln und Markieren zu erlauben - wobei ich erwarten würde, dass er selbständig wieder aufschließt.

    M. E. besteht heutzutage die Hohe Schule der Hundehaltung darin, die Tiere zu unauffälligen Alltagsbegleitern zu erziehen, weil das Lebensumfeld für Hunde immer dichter, komplizierter und stressiger geworden ist; man denke alleine an die gestiegene Hundedichte im städtischen Raum, wo man sich gerade jetzt im Sommer die hundegeeigneten Freiflächen mit jeder Menge anderer Freizeitmenschen teilen muss.

    Oder wenn ich mit dem Hund an einen Badesee (ich kenne keinen Retriever, der um Wasser einen Bogen macht) fahren will, setzt das eine entsprechende Erziehung voraus, damit er nicht über alle Handtücher fegt oder sich an irgendwelchen Spielzeugen von Kindern bedient.

    Und das finde ich schon enorm fordernd, weil der Hund von sich aus "erlaubt" - "nicht erlaubt" bzw. "kann man jetzt mal machen" unterscheiden lernen muss, da kann m. E. so leicht keine Hundeplatzbeschäftigung gegen anstinken.

    Caterina

    Ganz ehrlich, ich verstehe die heutige Hundehaltung oft nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, Gassi ist das neue Gift, und wenn der Hund nicht nach Minirunden in eine komatöse Duldungsstarre verfällt, stimmt etwas mit ihm nicht.

    Warum hat der Hund so wenig Bewegung? Gerade bei einem Retriever, die oft mit diversen Problemen des Bewegungsapparates zu kämpfen haben, würde ich alles daran setzen, dass der Hund ordentlich Kondition und Muskeln aufbaut.

    Wie soll der Marathon mitlaufen, wenn er mit einem Jahr gerade mal etwas über 2 Stunden raus kommt und dann auch noch an der Schleppleine hängt, um irgendwas zu üben? Oder hat er die Möglichkeit, sich tagsüber frei zu bewegen, z. B. auf einem Grundstück?

    Warum ist die Morgenrunde nicht länger? In einer Viertelstunde kommt man ja kaum von der eigenen Bude weg, und insgesamt über den Tag verteilt wird der Hund mit relativ wenig Eindrücken konfrontiert, die m. E. enorm wichtig sind, um einen Hund alltagstauglich zu bekommen.

    Der Hund ist ein Jahr alt, der wird nicht zerbrechen, wenn er mehr läuft, der kann auch im flotten Trab durchaus Joggingrunden mitlaufen.

    Caterina

    Wie flying-paws schon schrieb: fehlgeleitetes Hüte- bzw. Jagdverhalten.

    Der Hund spult eine Verhaltenssequenz ab, die ihm seine Genetik vorgibt, und wenn man als Besitzer nicht rechtzeitig genug reagiert, ist das Tier oft in so einem Tunnel, dass es nicht mehr ansprechbar ist.

    Das musste ich auch erst lernen, als ich mein Bordertier neu hatte - und es Autos "hüten" wollte ....

    Dieses Fixieren, Abducken, Anschleichen und ggf. auch Lospreschen und Reinhacken ist typisch für Border Collies und manche andere Hütehunde und extrem übergriffig.

    Denn Artgenossen sind kein zu hütendes Vieh.

    Die Reaktionen anderer Hunde sind selten positiv, weil sie sich entweder provoziert fühlen oder, wie hier, berechtigterweise Angst haben.

    Ich würde schleunigst auf Abstand gehen (die Biester sind dummerweise extrem schnell) und dem unwissenden Frauchen das nächste Mal mitgeben, sie solle sich lieber über die Jagdsequenzen beim Hütehund schlau machen, anstatt andere Leute über angebliche innerartliche Verträglichkeit belehren zu wollen.

    Für mich käme der Welpe unabhängig von der Eingangsfrage, ob gesund oder krank, schon alleine deswegen nicht in Frage, weil die Zuchtordnung des ERV schlechter ist als die der Clubs, die dem VDH angeschlossen sind.

    Ausnahme: Der - ähm - Hundeproduzent könnte mir nachweisen, dass er trotz fehlender Auflagen im ERV mindestens dieselben Voraussetzungen wie in einem der VDH-Clubs erfüllt.

    Weil er für sich selber beschlossen hat, dass nur die besten Exemplare dieser Rasse in die Zucht gehen sollten.

    Zum Beispiel.

    Und ich würde wissen wollen, warum sich jemand bei einer so häufigen Rasse wie dem Labrador Retriever für einen Nicht-VDH-Club entschieden hat. Manchmal gibt es dafür auch zwischenmenschliche Gründe. Weil man z. B. Mauscheleien im Club (wie: der Super-Duper-Stammbaum-Rüde des Vorsitzenden deckt trotz mieser Hüften/Ellbogen/Schultern, weil der Gutachter sein Spezi ist) nicht stillschweigend hinnehmen will. Und deswegen ausgetreten ist.

    Labradore sind, wie gesagt, wirklich keine seltene Rasse, und die Rasse ist auch nicht gerade für überbordende Gesundheit bekannt; siehe OCD, HD oder ED.

    Welchen Grund gibt es also, Tiere dieser Rasse zu vermehren, ohne sein nach dem jeweils aktuellen Wissensstand bezüglich der Zuchthygiene Bestes getan zu haben, um mögliche Krankheitsrisiken auszuschließen?

    Es gibt andere Rassen, allen voran die Spitze, wo die Auflagen der VDH-Clubs bezüglich der Farbreinzucht zu einer genetischen Verarmung führen und wo man guten Gewissens bei einem ordentlichen Dissidenzzüchter, der bis auf die Farbreinheit alle VDH-Auflagen erfüllt, kaufen kann.

    Und zurück zur Eingangsfrage:

    Ich würde von einem ordentlichen Züchter auch erwarten, dass er mir ungefragt mitteilt, wenn er Bilder schickt, dass die Welpen (bzw. mein potenzieller Hund) irgendein Wehwehchen haben.

    Caterina

    So ein neumodischer Kram ist dann die Ursache für den sog. "Welpenblues".

    M. E. ist die Hundehaltung heutzutage so verkopft, weil die Menschen verlernt haben, das fremde Lebewesen "Welpe" einfach zu beobachten, sich an ihm zu erfreuen und bestmöglich auf seine Bedürfnisse einzugehen.

    Und auch, weil in nicht wenige Lebensverhältnisse aus Zeit- und Platzgründen und wegen der Wohnsituation eigentlich kein Welpe reinpasst, wenn man keine oder wenig Erfahrung mit Hunden generell und mit der Welpenaufzucht im Speziellen hat, und dann hält man sich halt an Regeln und versucht, den Welpen so hinzbiegen, dass er ins vorhandene Zeit- und Platzkontingent hineinpasst.

    Caterina

    Boah, irre! Was für ein toller Hund!

    Was mich interessieren würde angesichts dessen, was Du kurz vorher geschrieben hast: Wer ist eigentlich die Mutter? Denn das Beißen muss sie ja dann wohl von der Mutter und nicht von Papi Phelan haben, oder?

    Unser Spitzohren sind ja nur noch ab und an an fremdem Vieh, wenn irgendwas ist, weil der Hofnachfolger wegen der unsicheren Preisentwicklung in diesem Jahr noch kein Vieh hier stehen hat, und sie mussten kürzlich die Erfahrung machen, dass Rindviecher auch Hörner haben können, als bei einem Nachbarn von Herrchens Vetter Highlandkühe ausgebüxt waren.

    Das Milchvieh war ja wegen der BG-Vorschriften enthornt, und die Galloways, die Herrchen in Extensivbewirtschaftung hatte, sind genetisch hornlos, so dass sie das gar nicht kannten.

    Aber sie schafften es vereint, eine Kuh mit Kalb und zwei Färsen aus einer fremden Scheune in den aufgebauten Fangtrichter zu holen.

    Caterina

    Ich persönlich würde keine Übungen wie Männchen machen in Eigenregie versuchen, denn wenn der Hund so massiv geschädigt ist - es stand im Eingangsbeitrag ja auch "Rücken" -, wäre mir das Risiko zu groß, dabei Fehlhaltungen zu produzieren und die Symptomatik zu verschlimmbessern.

    Was spricht gegen das gute, alte Laufen im Trab? Und warum fährst Du im Sommer kein Rad? Die Tage sind lang, es wird früh hell, es ist noch relativ kühl morgens, und mindestens eine halbe Stunde wäre mir mein kranker Hund wert. Einen besseren Muskelaufbau gerade für die Hinterhand gibt es m. W. nicht, weil der sog. Wolfstrab, soweit ich weiß, ein relativ schonender Fortbewegungsrhythmus ist.

    Falsch machen kann man da eigentlich gar nix.

    Und man entwickelt im Laufe der Zeit einen Blick dafür, wann der Hund rund läuft, mit Schub aus der Hinterhand, und wann er latscht.

    Die Tierärztin, die damals mein Huskymix-Montagsmodell (u. a. Hüftluxation, Spondylose, Arthrose) behandelte, sagte immer, sie behandelt Hunde, keine Bilder, denn seine Röntgen- und CT-Aufnahmen sahen schlimm aus.

    Nichtsdestotrotz wurde er 10,5 Jahre und lief bis knapp 3 Wochen vor seinem Einschläfern (wegen einer Autoimmunerkrankung) noch am Rad.

    Ich bekam ihn übrigens wackelärschig, übergewichtig und latschend mit 3,5 Jahren, und nur durch die Bewegung wurde daraus ein drahtiger, muskulöser, mittelgroßer Hund.

    Zum Rest an Beschäftigung kann ich mangels eigener Erfahrung nix sagen.

    Caterina