Hallo Leidensgenosse/-genossin,
vermute ich richtig, dass Du Freiberufler/in bist?
Weil Du schreibst, dass Du "jobtechnisch ausfällst" und Ihr deswegen weitere hohe Tierarztkosten nicht mehr stemmen könnt?
Falls ja, würde ich den Hund schon alleine deswegen abgeben, denn je nachdem, was Du beruflich machst, verlierst Du evtl. Kunden und musst Dich bei der Wiederherstellung Deiner Arbeitsfähigkeit bemühen, Deinen Kundenstamm wieder aufzubauen.
Und das Fiese am Freiberuflertum ist, dass es nach einer Krebsbehandlung keine Wiedereingliederung wie bei Festangestellten gibt, d. h. Du bist entweder "gesund" oder "krank" und kannst nicht während einer Übergangszeit so viele Stunden arbeiten, wie Du schaffst, und Du bekommst Dein Krankengeld weiter.
Wenn Dir eine Chemo blüht - die heutzutage wesentlich einfacher wegzustecken ist als noch vor 20 Jahren; es lebe Ondansetron & Co. -, kann Dir keiner sagen, wie stark die Nebenwirkungen ausfallen werden und an welchen Du leiden wirst, geschweige denn, was an Langzeitschäden zurückbleibt. Ich würde für mich sagen, ich habe die ganze Geschichte besser überstanden, als ursprünglich gedacht, aber auf halber Strecke hatte ich teilweise solche ... ja: Befindlichkeitsstörungen, würde ich es nennen, dass ich nicht sagen konnte, was mir eigentlich war. Natürlich war ich trotzdem jeden Tag mit unseren Hunden draußen, zwar weniger - aber oft genug einfach nur dick eingemummelt auf einem extra angeschafften elektrischen Krankenfahrstuhl.
ABER: Unsere Hunde sind pflegeleicht, wir haben ein hundesicher eingezäuntes Areal ums Haus, Kläffen stört keinen. Zwei von dreien laufen leinenlos mit, egal, wie ich unterwegs bin, ob mit Rollator, Krücken oder Stöcken (denn ich habe Nervenschäden zurückbehalten), E-Dreirad oder normalem Rad.
Der Krankenfahrstuhl ist schon lange wieder verkauft.
Ich hätte in der Zeit keine Tierarztbesuche stemmen und auch keinen Hund irgendwie trainieren können, ich habe alles schleifen lassen, und mein Partner hatte noch seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Viehhaltung, d. h. 7 Tage die Woche Arbeit und keine Zeit für Extraaufgaben.
Wegen Corona war in der Zeit sowieso Auftragsebbe, und mitten in der Chemo beschloss ich, wieder die Aufträge anzunehmen, die noch kamen, einfach, um an andere Dinge zu denken, und weil ich wieder arbeiten wollte, denn ich mag meinen Beruf.
Das hieß, keine Krankschreibung mehr, kein Krankengeld mehr.
Du bist in der glücklichen Lage, nicht alleine zu leben, und das Schicksal hat auch irgendwo diese Tierärztin hergezaubert, die den Hund evtl. nehmen würde.
Ich bin sicher, es wird wieder ein Hund seinen Weg in Dein Leben finden, wenn Du körperlich und emotional wieder stabil bist.
Ich kann mich den Vorschreiber/inne/n nur anschließen:
Lass ihn in Liebe ziehen, diese kleine gesundheitliche Großbaustelle. Gib die Verantwortung in andere, ebenso liebevolle Hände wie Eure ab. Auch er wird seinen weiteren Weg finden.
Alles, alles Gute und unbekannterweise eine virtuelle Umarmung! Ich wünsche Dir eine genauso gute, kompetente und mitfühlende Behandlung und Betreuung durch Ärzte und Pflegepersonal, wie ich sie hatte; ich denke heute noch voller Dankbarkeit an Schwester B., die mein Stern von Bethlehem durch die Chemo und ihre Nebenwirkungen war.