Beiträge von Cattledogfan

    Hallo Kerstin,

    bis auf den 1. Hund meiner Kinderzeit waren alle unsere bzw. später meine Hunde mindestens aus 2., wenn nicht aus 3., 4. oder sogar 5. Hand. Es dauert halt seine Zeit mit dem Alleinebleiben. Ich hatte auch schon Kandidaten, die ein halbes Jahr oder noch länger kaum alleine bleiben konnten. Klar nervt das, aber damit muss ich bei "Gebrauchten" rechnen, und wenn ich nicht diese Puffer hätte, würde ich keinen nehmen. Irgendwann war das dann einfach Geschichte.

    Was mich oft in Diskussionen um Hundehaltung stört, ist, dass m. E. die soziale Komponente zu kurz kommt. Es gibt erbitterte Grabenkämpfe um "Methoden".

    Caterina

    Ganz ehrlich, ich muss jedesmal an mich halten, wenn diese Methode des Alleinesein-"Lernens" beschrieben wird... denn ich finde, es gibt nichts Besseres für ein auskömmliches Zusammenleben mit einem Hund als gegenseitiges Vertrauen und Berechenbarkeit, und m. E. ist so ein unberechenbares Hin und Her alles andere als förderlich für den Vertrauensaufbau.

    Ich habe mich immer bemüht, für meine Hunde berechenbar zu sein, vor allem in den ersten Wochen und Monaten, d. h. regelmäßiger Tagesablauf und ab dem 1. Tag gewisse Hausregeln. Natürlich gab es Hunde, die mir wochenlang auf Schritt und Tritt hinterherliefen - na und? Wenn ich in einem Raum ohne Hund sein wollte, war die Tür eben zu, und solange der Hund davor nicht gerade randalierte, konnte er ruhig etwas jammern, das hört irgendwann von selber auf.

    Ich wäre nie auf die Idee gekommen, solche Pseudo-Rausgeh-Manöver zu starten, die Zeit habe ich gar nicht.

    Wenn ich einen neuen Hund alleine lasse, dann immer zu Zeiten, in denen er sowieso eine Ruhephase hätte, d. h. er war draußen und hat gefressen - und, ganz wichtig in einem Mehrparteienhaus: auch zu Zeiten, in denen Hundegebell o. ä. die Nachbarn (die freundlich um etwas Nachsicht mit dem Neuling gebeten werden) möglichst wenig stört. Natürlich sind die Abwesenheitszeiten zunächst sehr kurz; der Klassiker ist der kurze Einkauf um die Ecke.

    Ich hatte noch nie nennenswerte Probleme damit, einen Hund alleine lassen zu können, wenn es sein muss, auch mal 8 Stunden, und das ganz ohne Kong, Box & Co. - wobei man dazu sagen muss, dass ich ca. 80 - 90 % meiner Arbeit von Zuhause aus erledige. Ich habe also Zeit, um einfach beim Hund zu sein, kann mir zudem meinen Tagesablauf meist auch noch so einteilen, dass die Gassizeiten hundegerecht sind - und die Abwesenheitszeiten auch...

    Denn m. E. sind viele der Nicht-Alleinebleiben-Können-Problematiken hausgemacht, weil zu wenig Zeit für den Vertrauensaufbau einkalkuliert wird (und z. T. auch gar nicht vorhanden ist) und - Stichwort Vollzeitberufstätigkeit - die Hunde auch noch lange zu Zeiten alleine bleiben sollen, in denen sie eigentlich aktiv sein wollen, denn es sind nun mal keine Hamster, und zudem viele Tagesabläufe alles andere als regelmäßig sind.

    Caterina

    Natürlich kann man

    Oha, Aussie... da gibt es, wie man so schön sagt, sonne und solche...

    Als ehemalige Farmhunde können sie sehr reserviert gegenüber fremden Menschen und Artgenossen sein und sind daher nicht unbedingt für ein Leben mit vielen Menschen und Artgenossen geeignet. Noch dazu haben sie meist eine Reaktionszeit, die mit dem Antippen des Gaspedals an einem Porsche Carrera vergleichbar ist. Unter "städtischen" Bedingungen ist dann sehr viel Management und vorausschauendes Handeln gefragt - kannst Du Deinen Hund gut genug lesen, um das zu gewährleisten?

    (Meine frühere Hündin hätte mit Sicherheit auch aggressiv reagiert, wenn ich ihr nicht weitgehend alle fremden Zwei- und Vierbeiner auf Abstand gehalten hätte.)

    Denn für mich liest sich das beinahe so, als wenn Du ein tiefer gehendes Problem als "nur" die falsche Erziehungsmethode hast, nämlich ein Verständnisproblem gegenüber den Bedürfnissen Deines Hundes.

    Caterina

    M. E. sind alle Überlegungen über die Art des Maulkorbes sinnlos, solange niemand da ist, der dem Hund den Maulkorb auch gefahrlos anlegen kann. Würde er die Mutter überhaupt so respektieren, dass sie es könnte? Die Hüter sind ja oft sehr stark auf eine Person bezogen.

    Hat sich in der Zwischenzeit irgendein sinnvoller Kontakt, z. B. zu lassy.org, ergeben? Hat sich evtl. schon jemand, der sich mit Altdeutschen auskennt, den Hund in der Zwischenzeit angesehen?

    Würde mich wirklich interessieren.

    Caterina

    Ich kann Livs Beitrag nur zustimmen: Altdeutsche sind von der Genetik her so angelegt, dass sie beißen sollen; Schäfer beschreiben bei der Arbeitsweise sogar, wo die Bisse angesetzt werden, z. B. Rippen- oder Keulengriff.

    Und wie Liv schrieb, Artgenossen (bzw. Schafe) haben Fell, Kinder nicht.

    Die Aussage, dass man wissen sollte, wie der Hund arbeitet, um ihn verstehen zu lernen, ist für mich einer der klugen Sätze dieses Forums, das sollte man manchen Halter dreimal täglich herunterbeten lassen, in der Hoffnung, dass der Groschen fällt.

    War hier nicht schon einmal ein Fall, in dem ein aus Mitleid angeschaffter Fuchs in einer Großstadt-Etagenwohnung sogar die eigene Herrschaft biss, dann an Normen Mrozinsky von lassy.org abgegeben und offensichtlich neu vermittelt wurde? Lassy.org ist sicherlich eine gute Adresse, wenn man Hilfe im Umgang mit Altdeutschen sucht.

    Caterina

    Nicht alles an als problematisch empfundenem Hundeverhalten lässt sich mit Auslastung, Hundeschule & Hundetrainer lösen, wenn die Haltungsbedingungen für einen so wehrhaften Hund nicht die richtigen sind. Für mich liest es sich so, als ob der Hund jetzt mit 3 Jahren erwachsen ist und sich in Ermanglung von echter Arbeit Ersatzbeschäftigungen ausdenkt.

    Ein Hundetyp, der darauf selektiert wurde, 100e von Hütetieren (die Roten wurden auch an Rindern eingesetzt) in Schach zu halten und zu kontrollieren, braucht irgendwas, woran er auch seine mentale Stärke ausleben kann, und das wird m. E. heutzutage unterschätzt.

    Ich finde den Gedanken nicht schlecht, Kontakt zu Rassekennern zu suchen und erst mal ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, warum dieser Hundetypus "so" ist... wohlgemerkt mit den entsprechenden Sicherungsmaßnahmen einstweilen.

    Und dann sollte man sich ehrlich fragen, ob der Hund überhaupt (noch) ins eigene Lebensumfeld passt, denn ich sehe es wie Liv, nämlich dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass der Hund wieder zubeißt.

    Caterina

    Flying-paws hat hier mal einen sehr klugen Satz geschrieben, als es um die Anschaffung eines Jagdspaniels ging:

    "Nur weil man nicht darauf selektiert, heißt es noch lange nicht, dass es nicht doch da ist."

    Will sagen: Die Sport-, Familien- oder Was-auch-immer-Hunde-Schublade, in die die meisten - deutschen - Züchter ihre Hunde gerne stecken, kann trotz Wesenstest vor der Zuchtzulassung durchaus die in diesem Forum nicht nur von mir beschriebenen Eigenschaften hervorbringen, und jeder, der als Züchter etwas anderes behauptet, macht sich in meinen Augen unglaubwürdig.

    Ein Cattle Dog ist kein meutekompatibler Beagle oder Husky, sondern hat im Normalfall eine deutlich höhere Individualdistanz... und damit sollte man einfach rechnen, Punkt.

    Nicht mehr und nicht weniger ist der Sinn meiner Beiträge.

    Ich frage mich manchmal, warum heutzutage so eine Betriebsblindheit in Sachen Genetik herrscht und der Umgang mit einem Hund oftmals auf die Eignung für irgendwelche Hundesportarten reduziert wird: Da fragt sich jemand ernsthaft, wieso ein Do Khyi im vollbesetzten Biergarten den Kellner beißt, und jemand anderes erwägt die Anschaffung eines Greyhounds auf einem landwirtschaftlichen Betrieb...

    PrinzessinMollys Hund, der ja leider viel zu jung gestorben ist und mental noch nicht "fertig" war, zeigte übrigens auch genau diese Lust am Stänkern, auch er fing - für sie vollkommen unverständlich - plötzlich an, einen anderen Hund hinter dem Zaun anzugiften und langte sogar bei ihr selber zu... und ob er, wie sie schreibt, tatsächlich "schlichten" wollte bei anderen Hunden... auch das habe ich schon als Austesten erlebt, wenn sich ein Hund (noch) nicht traut, selber jemanden anzustänkern.

    Aber das ist reine Spekulation meinerseits.

    Die Aussage, dass ACDs im eigenen Rudel sehr verträglich sind, auch mit Geschlechtsgenossen, halte ich auch für gewagt; man lese nur die Beschreibungen auf http://www.acdinnot.de.

    Und noch eine Anmerkung für flying-paws wegen des Hütens: Ich meinte mit der "Durchschlagskraft" Hunde, die auch am Vieh arbeiten können, was in Deutschland eher dünn gesät sein dürfte. Auch manch ein Border wird sich sicherlich vor Schäfchen ins Hemd machen; bei meinem neuen Bordertier bin ich mir da auch noch nicht so sicher, ob der mental stark genug dazu ist... er würde schon gerne...

    Verwandtschaft meiner Schwägerin hat in Frankreich Mutterkuhhaltung & Bullenmast, und von deren jungem "bouvier australien" habe ich im letzten Herbst ein Video gesehen: Beeindruckend, wie der eine ca. 50köpfige Bullenbande durch geschicktes Abschnappen in Bewegung setzt, während sich die Borderhündin sehr im Hintergrund hält.

    Caterina

    Ich würde beim ACD, ähnlich wie bei den meisten Terriern, eher von weniger Artgenossenverträglichkeit und von noch weniger gleichgeschlechtlicher Verträglichkeit ausgehen.

    Ich habe einige Exemplare, so auch Madame hier, außerdem als astreine Mobber erlebt. Die A...geigen machen das bei Artgenossen oft so subtil, dass es die Herrschaft noch nicht mal merkt, so nach dem Motto, guck mal, wie schön die spielen... :hust:

    Ein Rüde z. B., dessen Herrchen selbständiger Handwerker ist und wo der Hund nach mehreren Diebstählen und Einbrüchen Herrchens Zeug bewachen soll, bleibt wunderbar in der offenen Heckklappe des Autos sitzen und brummelt vorbeilaufende Hunde höchstens mal an.

    Gelegentlich hilft ein Verwandter mit, den der Hund kennt und auch mag... aber wenn Herrchen nicht in der Nähe ist, darf dieser Mann z. B. nichts aus dem Auto nehmen... der Hund knurrt oder bellt nicht, er setzt sich einfach so in Positur und guckt ihn frech mit breitem Haifischgrinsen an, dass ganz klar ist, DUUUU NICHT....

    Greift Herrchen ein, ist er dagegen die Unschuld in Person.

    Wer erlebt hat, wie sich diese kleinen, kompakten Hunde tonnenweise Lebendgewicht (sprich Rinder, Königsdisziplin: Bullen) in den Weg stellen, der sieht dieses Suchen nach Sparringpartnern mit ganz anderen Augen. Diese im modernen Hundeleben mit seiner Promiskuität (Hundeplatz, Mehrfamilienhaus) überflüssige Lust am Anschweinen ist z. B. hier auf einem großen Milchviehbetrieb überlebenswichtig.

    Daher finde ich es bei der Entscheidung für oder gegen einen Cattle Dog enorm wichtig, dass die Lebensumstände passen und der Hund auch irgendwo ein Ventil für seine Schärfe hat.

    Caterina

    PS: Noch ein Wort zum Hüteverhalten: Der ACD hat eine enorme Durchschlagskraft und ist m. E. der beste Schutz in der Bullenmast oder Mutterkuhhaltung; für Milchkühe ist er zu hart, und an Schafen finde ich ihn deplaziert. Als Madame noch mit in den Stall ging zum Melken, hatte ich eigentlich immer den Fuß auf der Bremse. Shepherds sind da breiter gefächert; nicht jeder Hund "kann" Rinder.

    ...hm... wieder das Problem der Definition von "Härte"... Ich würde den ACD in Sachen Führigkeit nur dann als "hart" bezeichnen, wenn der Hund unter Umständen lebt, die ihm wenig Gelegenheit zum - sinnvollen, d. h. für Hund und Halter befriedigenden - Ausleben seiner rassetypischen Eigenschaften geben, d. h. Anschweinen, Bewachen und Beschützen :D

    Meiner Erfahrung nach hat ein ACD nicht weniger Will to please als ein Aussie, wenn man von ihm Sachen verlangt, die er von sich aus anbietet. Es gab mal einen User namens redbumper, der die Rasse als "absolut führerweich, aber knallhart zu Fremden" beschrieben hat, und das trifft es genau.

    Als meine Aussiehündin noch lebte, habe ich keinen der Hunde als weniger führig empfunden - jede musste halt anders geführt werden: die Schissbüx von Aussie vorausschauender bei allem, was laut werden konnte, die Cattle "Dogge" vorausschauender zur Vermeidung von direktem Kontakt mit anderen Menschen und/oder Hunden.

    Caterina

    Oh, mein Thema... ich liebe beide Rassen und hatte - leider viel zu kurz! - beides zusammen.

    Sie sind sich schon sehr ähnlich, wobei der ACD als ursprünglich reiner Rinderhund im Normalfall eindeutig der härtere, mental stärkere und durchsetzungsfähigere ist - immer ausgehend von den zu erwartenden Rasseeigenschaften. Man merkt einfach die Einkreuzung der Molosserartigen, die der Rasse Mut und Unempfindlichkeit und eine gewisse Bulldozerhaftigkeit verleiht.

    Dass in Deutschland nicht auf Arbeitsfähigkeit selektiert wird, hat der Rasse m. E. nicht gutgetan, und auch die Shepherdzuchten, die das nicht tun, sind meiner Ansicht nach nicht unbedingt eine Bereicherung, denn ein Hund, der gut am Vieh arbeiten soll, muss ein gerüttelt Maß an Stress- und Frusttoleranz mitbringen und muss bei aller Reaktionsschnelligkeit einen kühlen Kopf bewahren, und am Verlust dieser Coolness kranken inzwischen beide Rassen.

    Die ACDs, die ich kenne, leben z. T. ihre Wehrhaftigkeit an Artgenossen und Menschen aus, d. h. sie holen sich das Gefühl, als Sieger aus dem Ring zu gehen, durch mehr oder mindere offene Aggression ihrem Umfeld gegenüber.

    Caterina