Noch ein Klugschiss-PS zu dieser Aussage hier:
Er hat auch angefangen immer im Auto zu fiepen. Außer wir fahren dann von der Gassirunde wieder heim, dann ist er zufrieden und ruhig.
Für mich liest sich das so, als freut sich der Bursche schlicht und ergreifend auf das Abenteuer Gassirunde. Und Freude kann durchaus ziemlich lautstark und nervig geäußert werden. Ich hatte z. B. eine Jodlerin, die sogar auf der ca. einstündigen Autofahrt zu meiner hundeverrückten und Hundeverwöhner-Mama die Streckenabschnitte erkannte.
Will sagen: Standen wir auf der Autobahn im Stau, wurde sie zwar nach ca. einer Stunde unruhig, legte sich aber trotz Stop&Go-Verkehr wieder ab. Keine Ahnung, woran sie erkannte, wann wir die Ausfahrt nahmen und auf der Landstraße weiterzuckelten, aber dann ging das Kommentieren in allen Varianten - Kläffen, Jaulen, Fiepen - los.
Je nach eigener Gemütslage habe ich mich entweder mit ihr mitgefreut - "Jaaa, wir sind ja gleich bei M-U-T-T-I, wart's ab!" - oder sie angeraunzt, wenn es mich nervte.
Wenn sie mir wirklich gewaltig auf die Nerven ging, flog auch schon mal der Schwamm für die Scheibe nach hinten.
Viel wichtiger als das Abspulen von Methoden und Übungen finde ich in der Hundehaltung, authentisch zu sein. Diese Tiere leben so eng mit uns Menschen zusammen und haben so feine Antennen für unsere Stimmungen, dass man damit meiner Erfahrung nach situativ viel mehr erreichen kann als durch Kommandos, vor allem bei leichtführigen, kooperativen Hunden mit sehr feinen Antennen für ihr Gegenüber.
Und die dürfte ein ursprünglich zum Viehtreiben gezüchteter Pembroke durchaus haben.
Alles, was mit Empfindungen wie Angst, Freude, Aufgedrehtheit, etc. zu tun hat, finde ich persönlich schwer durch Kommandos zu regeln, wie z. B. das Alleinebleiben. Mir hilft es z. B. ungemein, meine eigenen Gefühle dem Hund gegenüber in Worte zu fassen.
Ein Beispiel: Anderer bekannter Hund kommt entgegen, eigener freilaufender Hund soll zwecks manierlicher Kreuzung auf dem - ausreichend breiten - Weg auf die abgewandte Seite und auf den Seitenstreifen - aber die Koolie-Arschgeige meint, die entgegen kommende unwürdige Kreatur steifbeinig fixieren zu müssen, und läuft vor mir mit zentimeterweisem Abdriften in die Mitte des Weges.
Ich finde das frech, denn König Hund weiß, was er soll, und er kann es auch, das ist nicht zu viel verlangt von ihm, wir haben diesen Hund schon Dutzende Male auf diesem Weg ohne Leine gekreuzt.
Aber aus irgendeinem Grund hat er gerade Bock, den anderen einzuschüchtern.
Anstatt "An die Seite", "Hier" oder was auch immer zu wiederholen, werde ich dann kurz laut und schnauze ihn an, so nach dem Motto, Hund, geh mir nicht auf den Senkel/willst Du Ärger, kannst Du haben/ich hau Dir den Frack voll (habe ich noch nie getan, da nicht nötig), oder so ähnlich.
Und siehe da, der Rotzköter klappt kurz die Fledermausohren ein, guckt mich an, als wollte er sagen, stell Dich nicht so an, ist ja gut, ich will ja gar nix von dem da, trollt sich brav auf den Grünstreifen und hüpft aufgeregt am anderen Hund vorbei, um sich danach ausgiebig loben und belohnen zu lassen.
Zu Deinem Beispiel mit dem Autofahren:
Ich würde es wirklich über die Äußerung Deiner eigenen Gefühle versuchen, denn es ist ja auch schön, wenn sich so ein Tier so auf den gemeinsamen Gassigang mit Dir freut. Mit der Zeit findet man auch einen Weg, übermäßig nervendes Getue zumindest zu deckeln, wenn es schon nicht ganz abzustellen ist.
Und dass der Kerl in seinem jugendlichen Übereifer schon entspannt bei Hundebegegnungen sein kann, halte ich für eine überzogene Erwartung. Ich würde einfach jede neue Begegnung ergebnisoffen auf mich zukommen lassen und immer besser lernen, den Erregungspegel des eigenen Hundes zu lesen und zu managen.
Selbst wenn er sich aufführt wie die Axt im Walde, kann man daraus immer noch lernen, an was für Aufregern sich der Hund gerade hochgespult hat.
Und anstatt Trainingsvideos würde ich mir Erklärvideos über Hundeverhalten ansehen.