Beiträge von Cattledogfan

    Er hatte allerdings auch wahnsinnig viel Stress, Angstzustände wegen den Symptomen und dann auch beim Tierarzt Panikattacken.

    Bei alten und kranken Hunden war für mich immer ein wichtiges Entscheidungskriterium, wie belastbar sie noch für weitere Untersuchungen und eventuelle Therapien waren, selbst wenn medizinisch noch Luft nach oben war.

    Und damit meine ich nicht den körperlichen Zustand, sondern etwas, was ich "tierarztmüde" nenne, d. h. wenn Auto fahren bedeutet, es geht wieder nur zum Tierarzt, und sie das Einsteigen bzw. vor der Praxis das Aussteigen verweigern, oder wenn sie zunehmend genervt, gestresst, gereizt, aggressiv, etc. auf Berührungen und Manipulationen durch Fremde reagieren.

    Das ist für mich auch ein wichtiger Gesichtspunkt für die noch vorhandene Lebensqualität

    Mir war es schon immer relativ egal, ob, wann und wie meine Hunde ruhten. Alle meine Hunde hatten stets genügend Zeit und Platz zum Schlafen oder Dösen. Unsere jetzige Hündin kam ja als Welpe zu zwei erwachsenen Rüden, und die tobte und hampelte die ersten ein, zwei Jahre oftmals so lange herum, bis sie buchstäblich ins Koma fiel.

    Trotzdem herrscht bei uns drinnen keine Anarchie, weil ich finde, dass das berühmt-berüchtigte "Ruhe lernen" am besten funktioniert, wenn man es dem Hund selber überlässt - immer vorausgesetzt, das Lebensumfeld ist nicht völlig ungeeignet für den jeweiligen Hund.

    Räumliche Begrenzung gab es bei mir nur, damit nichts geklaut, kaputt gemacht oder aufgefressen wurde, oder wenn ich keine Lust hatte, stets ein Auge auf einen Hund zu werfen, der evtl. noch nicht verstanden hatte, dass die Wohnungseinrichtung tabu ist, oder bei Hunden, die bei Besuch lieber weggesperrt wurden.

    Ich finde diese Diskussion über das "Abstempeln" wenig zielführend, weil es bei einer guten Vermittlung doch darum gehen sollte, dass Mensch und Hund bestmöglich zueinander passen.

    Und das Tierheim scheint ja gute Arbeit zu leisten, wenn Interessenten den Hund im Vorfeld ausgiebig kennenlernen können; in diesem Fall mit und ohne Kind.

    Und m. E. ist es um Klassen besser, dass sich schon in dieser Sondierungsphase bei Stutzel2025 und ihrer Familie Bedenken zeigen, als dass sie erst offenkundig werden, wenn der Hund schon fest übernommen wurde.

    Und ich finde es auch völlig legitim, solche Bedenken hier im Forum zur Diskussion zu stellen und sich mögliche Erklärungen für das Verhalten der Hündin durchzulesen, also quasi virtuell laut zu denken.

    [Habe ich auch gemacht und wertvollen Input für die Anschaffung von Hund Nr. 2 - Koolie-Schlitzohr Spockie - bekommen; danke dogforum!!]

    Was m. E. überhaupt keine Wertung für oder gegen den Hund darstellt, der offensichtlich auch ohne Stutzel2025 und ihre Familie gute Vermittlungschancen hat.

    Es wird ja ohnehin nicht jeder Interessent zu einem neuen Tierheimtierbesitzer, sei es, weil das Tierheim ablehnt, sei es, dass es sich der/die Interessent/in doch anders überlegt.

    Alles Gute bei der Hundeauswahl, Stutzel2025, und alles Gute für die junge Hündin!

    Völlig unabhängig von der Herkunft des Hundes und den Spekulationen bzw. der Interpretation des gezeigten Verhaltens würde ich mich immer dann, wenn mein Bauchgefühl mir Bedenken signalisiert, gegen einen Hund entscheiden, umso mehr, wenn sich das hier als kritisch eingestufte Verhalten als bedenklich oder gar gefährlich für ein Kind erweisen könnte.

    Und genau so würde ich das auch im Tierheim kommunizieren, nämlich dass ich mir diesen Hund nicht zutraue, weil ich sein Verhalten nicht einordnen kann, dass also von meiner Seite die Chemie nicht stimmt.

    Es mag ja durchaus sein, dass der Hund mit Kindern völlig unbedenklich ist bzw. wird - aber vielleicht dann nicht gerade bei Euch.

    Und wenn der Hund noch andere Interessenten hat, dann ist doch alles in bester Ordnung, dann stehen die Chancen doch gut, dass er bald ein eigenes Zuhause hat.

    Wenn man wirklich noch nie einen Hund hatte, sollte der Hund - bzw. Welpe - vor allem zu den Lebensumständen passen, d. h. es sollte ein ausreichender Zeit- und Platzpuffer vorhanden sein, damit nicht alles gleich reibungslos funktionieren muss, sondern dass genügend Raum für Freude und Spaß mit dem kleinen Fellmonster da ist.

    Ich hätte z. B. all die Jahre, in denen ich in Mehrparteienhäusern zur Miete wohnte, keinen Welpen haben mögen, damit sich nur ja kein Mitmieter aufregt, wenn bei einem noch nicht stubenreinen Welpen ein Missgeschick passiert, um die Haltungserlaubnis durch den Vermieter nicht zu gefährden.

    Das Leben ist um Klassen besser und einfacher, wenn man das Kleinteil einfach vor die Tür in den eigenen, hundesicher eingezäunten Garten bugsieren kann, wo es auch Gelegenheit hat, nach eigenem Gutdünken vor sich hinzuspielen und zu toben.

    Ganz wichtig finde ich auch, dass man dem Hund auch dann körperlich gewachsen ist, wenn man aus welchen Gründen auch immer nicht erzieherisch auf ihn einwirken kann, sei es, dass man mangels Erfahrung Körpersignale nicht richtig deutet und zu spät handelt oder dass bei einem heranwachsenden Hund immer wieder neue Situationen auftreten, die das Tier noch nicht beherrscht.

    Wenn ich hier im Forum von Hunden lese, die vor allem ihre Frauchen entweder hinter sich herschleifen oder ausbremsen, weil sie sich lauernd und am besten noch fixierend vor Artgenossen hinwerfen, stellt sich mir persönlich der Kamm.

    Und wenn es ein Hovawart werden soll, bringt der noch mal mehr Gewicht auf die Waage und ist tendenziell artgenossenunverträglicher als z. B. ein Golden Retriever.

    Ein anderes Entscheidungskriterium bei der Hundewahl, das man als Hundelose(r) meist nicht richtig beurteilen kann, einfach weil man bisher nicht jeden Tag mehrmals Gassi geht, ist die Hundedichte im Wohnumfeld, durch die sich ein eher artgenossenunverträglicher Hund ziemlich gestresst fühlen kann.

    Wandelroeschen : So, wie ich es bei meinem Autohüterich erlebt und bei anderen Not-BCs gesehen habe, geht es den Hunden um die Hütesequenz, also Fixieren, Loslaufen, Kontrollieren, deswegen funktionierte ja auch der Leckerliregen bei Radsichtung mit der Trainerin nicht.

    Das ist die Belohnung, und die habe ich bei meinem Schwarzi auch unter kein Kommando gestellt, da reichte ein unartikuliertes, aber immer gleiches "Juuuh!", und der Kopf ging rum.

    Ich bin ansonsten ganz Deiner Meinung: Alles, was den Fokus möglichst kontrolliert vom unerwünschten Hüteobjekt wegbringt, ist ok, um überhaupt irgendwo ansetzen zu können, weil es im Alltag der meisten Hundebesitzer ziemlich illusorisch sein dürfte, mit dem Hund längere Zeit und stetig unter reizarmen Bedingungen Gassi zu gehen.

    Und genau so illusorisch ist es, immer den gewählten Trainingsansatz durchziehen zu können. Es gibt mit Sicherheit Situationen, wo man einfach nur die Kontrolle behalten muss.

    Und das ist in meinen Augen kein Rückschritt, sondern Teil eines ganz normalen Prozesses, in dem man selber mit dem Hund zusammen lernt, möglichst schadenfrei für sich und andere durch den Alltag zu kommen.

    Mein Angstgegner waren anfangs Kreuzungen mit mehreren abbiegenden Autos, die abbremsten. Da Schwarzi das genetisch vorinstallierte Ablegen anbot, habe ich ihn irgendwie ins Platz befördert, und irgendwann wusste er, dass es die Ersatzdroge dann eben erst nach der Kreuzung gab.

    Dein letzter Beitrag liest sich doch gut! Tolle Idee, das mit dem Wegrennen! So bekommst Du meiner bescheidenen Meinung nach einen Fuß in die Tür, um die Aufmerksamkeit vom unerwünschten Hüteobjekt abzulenken.

    Natürlich wird das nicht immer klappen, aber der Vorteil an Border Collies ist m. E., dass sie durch ihre brüllend deutliche Körpersprache mit dem Fixieren und Abducken genau anzeigen, dass gleich eine in Deinem Fall unerwünschte Hütesequenz losgeht.

    Ich hatte mit meinem Schwarzi-Border eine viel bessere Ausgangssituation als Du: Der Hund hatte eine gute Grunderziehung, war ableinbar und freundlich-distanziert zu Menschen und Artgenossen.

    Und er jagte lediglich Autos, keine Jogger und keine Radfahrer.

    Doch die Autohüterei legte er selbst dann nicht ab, als er an Rindern arbeiten sollte, wollte und konnte.

    Die Fehlkonditionierung war einfach da, egal ob flackernde Bremslichter, Blinker oder quietschende Bremsen oder Keilriemen. Bei den Geräuschen musste er die Autos noch nicht mal sehen, er schoss einfach blindlings los in Richtung Autogeräusch - wenn nicht der Ball flog ...

    Ein guter Viehhund soll ja auch

    Mit dieser Ersatzdroge - ja, ich bin mir dessen bewusst - hatte ich den Hund ziemlich schnell alltagstauglich, weil mir auch einfach die Zeit für ein strukturiertes Training fehlte, da wir zu der Zeit noch einen stark arthrosekranken Cattle Dog hatten, der auch seine Zeit brauchte und den Neuzugang nicht tolerierte, d. h. gemeinsame Gassigänge waren nicht möglich.

    Die Frage ist halt, ob man die Notlösung einer Ersatzdroge hinnimmt oder wirklich einen kalten Entzug unter guter fachlicher Anleitung hinbekommt, denn Deine Amy bringt in meinen Augen denkbar schlechte Ausgangsvoraussetzungen mit.

    Dass sie nicht auf Strafreize reagiert, wundert mich nicht, weil sich ja vorher offensichtlich nie jemand mit ihr beschäftigt hat.

    Einen Hund, der darauf selektiert wurde, die Bewegung von Hütevieh zu kontrollieren, und der massiv auf Autos und Fahrräder fehlgeprägt wurde, über langsame Gewöhnung an diese Objekte zu kurieren zu wollen, dürfte m. E. nicht funktionieren, weil der Trigger die Bewegung ist.

    Mein Schwarzi-Border hatte z. B. kein Problem mit dem Kleinkind der Vorbesitzer - doch sobald der Kleine abrupte Bewegungen machte, wollte er reinhacken, genau wie in die Schlaganfallpatienten seines vorigen Herrchens, der ihn für seine Physiotherapiepraxis als Therapiehund angeschafft hatte.

    Willkommen im Club - ich hatte auch so einen Auto-Hüter, der das bis zu seinem Tod nicht abgelegt hat.

    Ich hatte ihn mit zweieinhalb bekommen, und bei den Vorbesitzern war er auch schon unter ein Auto geraten, das er stoppen wollte, zum Glück mit glimpflichem Ausgang.

    Meine Lösung: ein Schleuderball als Ersatzdroge. Ich schreibe morgen mehr, habe im Moment nicht viel Zeit. Nur so viel: In Bewegung waren für ihn solche Pseudo-Hütereize viel leichter auszuhalten.

    So, wie Du schreibst, würde ich zusätzlich zum Geschirr ein Halsband nutzen und den Hund dann, wenn es eng ist, mit beiden Händen an Halsband und Geschirr kurz führen und ihn kommentarlos weiterbugsieren, z. B. über die Straße zum Parkplatz.

    Auf freier Strecke würde ich mal versuchen, den Futterdummy im Leinenradius zu werfen, wenn er das Pseudo-Hüteobjekt anvisiert, völlig ohne den Anspruch, dass er apportiert wird, sondern einfach nur, damit Amy sich kurz abwendet.

    Ist es am Rheinufer evtl. möglich, Amy an eine Flexigurtleine am Geschirr zu hängen und Dir den Griff am Körper zu befestigen? Dann hast Du etwas mehr Raum, um sie auf den Dummy zu konditionieren.