Beiträge von Lucy_Lou

    Es gibt ja noch und nöcher Threads zum Thema Leinenführigkeit, der Hund zieht wie bekloppt, wann hat das bei euch endlich funktioniert? und so weiter.

    Mich würde interessieren, wer einen Welpen oder nicht leinenführigen erwachsenen Hund übernommen hat und keine Probleme damit hatte, ihm schnell eine gute Leinenführigkeit beizubringen. Worauf führt ihr das zurück? Ich kann mir ehrlich kaum vorstellen, dass wirklich so viele so lange daran herum doktern, wie man es bei den vielen Threads zu dem Thema denken mag. Was machen diejenigen anders, bei denen sich von Anfang an nie ein Zieh-Problematik entwickelt hat?

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    1. es fängt an im Alltag - der Hund bekommt generell keine Aufmerksamkeit mehr, auch keinen Blickkontakt, außer ich will etwas von ihm.
    2. Auf jedem Spaziergang laufe ich wie ein König - Blick geradeaus, stolze Körperhaltung, kein Leinenfummeln, kein Blick zum Hund.


    Damit tu ich mich sooo schwer, vor allem, weil ich es eigentlich gar nicht will, so mit den Hunden leben. Ich sehe es bei Grisu (bei Lucy weniger), wann immer ich etwas mehr in die Richtung gehe, wird er sehr viel aufmerksamer, nimmt sich mehr zurück, hat einen sehr viel engeren Radius auf Spaziergängen, läuft von sich aus öfter mal hinter mir... Aber ich frag mich dann immer: wo ist mein Hund? Er hat nur noch mich im Kopf, blendet die Umwelt größtenteils aus, nimmt sich extrem zurück... Auf der einen Seite wirkt er in gewissen Situationen weniger gestresst bzw. überlässt es automatisch mir. Auf der anderen Seite geht quasi nichts mehr an Aktion von ihm aus und es gefällt mir nicht, ihn so zu sehen.
    Blöderweise lebe ich/geh ich da mit 2 Hunden spazieren, die in der Beziehung extrem unterschiedlich reagieren. Bei Lucy muss ich sehr viel deutlicher werden (auch im "ignorieren"), damit sie überhaupt mal anfängt ins grübeln zu kommen. Und auch, wenn ich Grisu da versuche nicht mit einzubeziehen, bekommt er es ja mit und reagiert darauf.

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    Ich habe in der letzten Zeit mein Timing stark verbessert. Ich sehe schon viel früher, was sie vorhat und reagiere sofort drauf. Ich unterbreche sie also schon bevor es überhaupt losgeht und das funktioniert ganz gut.

    Mir fehlt da bei Lucy immer noch der Blick für die Feinheiten, fürchte ich. Als Grisu mal das pöbeln ausprobiert hat, war es einfach: Anspannung + fixieren, ich wusste, gleich hängt er in der Leine, habe ein deutliches Abbruchkommando gegeben und gut war. Hat er ein paar mal probiert und dann akzeptiert, dass er damit eh nicht durchkommt.
    Bei Lucy gibt es ja kein "explodieren", sie bleibt beim grummeln, Nackenfell aufstellen, fixieren. Das aufstellen des Nackenfells kommt zuerst. Ich kann sie dann hinter mich schicken und sie entspannt. Aber mir fehlt da immer noch der Ansatzpunkt, der Moment, in dem ich sagen würde "hey, so nicht!". Ich weiß nicht so recht, was ich ihr verbieten soll...

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    Mit diesem "vorzeitig schon eine Ansage machen" hab ich bisher immer befürchtet, dass ich Balou damit erst recht aufstachele und auf dumme Gedanken bringe und habs deswegen vermieden...


    Genau da hakt es bei mir auch. Manchmal habe ich den Eindruck, ich habe den Moment verpasst und deshalb regt sie sich auf und manchmal denke ich, sie regt sich bloß deshalb auf, weil ich durch mein eingreifen den Startschuß gegeben habe...
    Manchmal läuft es super, ich habe ein Gefühl dafür und "lebe" es einfach. Aber oft steht mir einfach mein Kopf im Weg. Was ist jetzt angebracht, was tust du, wann greifst du ein? Und dann ist da natürlich auch nur noch wenig mit der Ruhe, die ich eigentlich vermitteln möchte...

    In Thailand gibt es wirklich viele Straßenhunde, da kümmert sich kaum jemand, was die so tun. Klar, viele sind friedlich oder lassen sich zur Not vertreiben. Aber ein Rudel hältst du eher nicht so ohne weiteres ab. Vor allem sind viele Straßenhunde sichtbar krank. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein TA in Deutschland dagegen vorsorgen kann oder wirklich weiß, was da an Erregern so unterwegs ist. Woran die Straßenhunde dort krepieren, interessiert nicht, so lange die Menschen außen vor bleiben. Dazu kommt, dass die Hunde in Thailand im Laufe der Zeit mit "ihren" Krankheitserregern klar kommen gelernt haben. Menschen mit empfindlichem Magen empfielt man ja auch eher nicht, nicht schälbares Obst/Gemüse zu essen. Der Organismus kennt es nicht, kann sich nicht wehren. Weiß der Geier, was sich ein Hund da alles einfangen kann. Alleine auf Grund dessen, würde ich meine Hunde niemals in ein solches Land mitnehmen.
    Ein Hund meiner Tante ist z.B. einige Wochen nach dem Umzug nach Ägypten an irgendeiner Infektion gestorben. Und der war komplett durchgeimpft, kräftig und gesund. Es passiert.

    Es ist schwer, da was zu zu sagen, denn du sagst selbst, dein Hund ist da nicht mehr ansprechbar. Ob da Augen zu und durch irgendwas verbessert? Ich kann es mir vom Gefühl her eher nicht vorstellen, aber die Ahnung habe ich ja nicht.
    Ich kann von mir nur sagen: Lucy rastet ja nicht aus. Wenn ich nichts mache und frontal auf einen fremden Hund zugehe, brummelt sie, fixiert, stellt das Nackenfell auf. Das kann ich natürlich problemlos aussitzen. Wenn ich nun nichts (!) mache und auf einem Spaziergang mehrfach ihr Wohlfühlabstand unterschritten wird, die Leine lang bleibt, wird das brummeln erst mal deutlich stärker und sie regt sich zunehmend auf Distanz zum anderen Hund schon auf. Das kippt dann irgendwann und sie läuft nur noch auf den Boden stierend im Bogen (so weit die Leine das zu lässt) dran vorbei. Allerdings reagiert sie mehr als dankbar, wenn ich ihr das abnehme und sie sich nicht kümmern braucht. Schicke ich sie frühzeitig hinter mich, gebe ein Abbruchkommando oder fordere irgendwas von ihr, tut sie ihr bestes, sich nur auf mich zu konzentrieren. Bei ihr bin ich mir ziemlich sicher, wenn ich einfach "nichts" mache, fühlt sie sich in Zugzwang/muss sie selbst entscheiden und sucht sich je nach Situation halt aus, ob und wie sie auf den Reiz reagiert. Ich merke ganz deutlich den Unterschied, wenn ich gut drauf bin, frühzeitig (aber nicht zu früh oder zu stark) Ansagen mache, läuft sie am entspanntesten und dann werden schnell im Laufe eines Spaziergangs auch Ansagen meinerseits unnötig. Nichts machen, nicht eingreifen ist bei uns zwar auf einem ganz anderen Niveau, als bei euch, aber es bessert bei uns rein gar nichts. Wenn ich nicht übernehme, entscheidet sie selbst, immer wieder aufs neue.
    Natürlich, am Anfang hilft es ein gutes Stück weiter, eine Scheißegal-Einstellung zu bekommen, nicht mehr sich aufzuregen, nicht mehr abzulenken, nicht mit Futter rumzuwedeln oder was auch immer. Aber alleine damit hatten wir doch recht schnell eine Grenze erreicht.

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    Klappt bei der Kleinen gut,aber cassidy latscht manchmal auf Ganja in seinem Eifer :lol:

    Das kenn ich auch :roll: . Ich hab es aufgegeben, Lucy beizubringen, über Grisu zu springen, weil sie ihn einfach ummäht, selbst, wenn er liegt... Interessiert sie einfach nicht...

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    Nun ist das ja in der Pubertät oft normal, aber ich habe drei Freundinnen mit jeweils einem Hund und bei denen gab und gibt es nur sehr selten solche Aussetzer.

    Och, ich hatte da eine Junghündin, nie so was wie Pubertät gehabt, immer super abrufbar, extrem auf mich fixiert... Und dann kam Grisu, der zwischen 6 und 18 Monaten von einer dämlichen Anwandlung in die nächste rutschte :zensur: . Und heute: Grisu ist jetzt fast 3 Jahre und im direkten Vergleich doch deutlich weniger eigensinnig und leichtführiger und einfacher im Alltag als Lucy. Manche brauchen halt was länger dazu :roll:

    Mir hat geholfen, mir vor Augen zu halten, dass meine Hunde immer ehrlich, authentisch und (in ihren Augen) angemessen reagieren. Dann gibt es keinen Grund mehr, sich über den Hund aufzuregen. Man kann an den Begleitumständen und der Wahrnehmung des Hundes arbeiten. Und na ja, ich bin auch nicht perfekt, nicht immer gut drauf, manchmal unsicher, manchmal aufbrausend, manchmal dickköpfig... das gestehe ich auch meinen Hunden zu. Mit mehr eigener Gelassenheit läuft alles besser :smile:

    Sehr interessant zu lesen.

    Ich habe nie wirklich mit dem Jagdtrieb gearbeitet (denke ich) und vor allem nie darüber belohnt. Gut, Reizangel mal außen vor. Aber die kam nie bei Wildsichtung zum Einsatz.
    Wenn Lucy kontrolliert jagt, ist ihr jedes Spielzeug, jede Fleischwurst völlig schnuppe. Alles was zählt ist, dass sie weiter jagen darf. Dafür lässt sie sich zur Not auch auf Zusammenarbeit ein. Zur Zeit darf sie ja nicht viel, aber ich lasse Fährten im Schnee folgen. Tut sie hochkonzentriert, hört dennoch auf Kommandos. Aber sie bleibt immer auf die Fährte konzentriert, trotz, dass sie eigentlich Sichtjägerin ist. Werfe ich da den Futterdummy oder wedel mit Spielzeug oder Fleischwurst rum, interessiert sie das ungefähr gar nicht... Aufgebaut habe ich das aber über aversive Einwirkung, Verhinderung der Jagd, daneben Katzenfutter und viel Impulskontrolle... Ich kann mir gut vorstellen, hätte ich ihre Anlagen zur Belohnung genutzt, hätte es genauso funktioniert, ohne negativ-Einwirkung. Eigentlich ist sie ja sehr ansprechbar in allen Situationen und grundsätzlich zur Zusammenarbeit bereit.

    Bei Grisu tät es mich schon interessieren, wie er sich entwickelt hätte, wenn ich es anders angegangen wäre. Hetztrieb hat er eigentlich mehr als Lucy. Bei ihm habe ich von Welpe an Jagdverhalten unterdrückt und Alternativverhalten aufgebaut (allerdings mit fast täglicher Reh-Sichtung, so also 100fach erprobt, bis er dann wirklich in ein Alter kam, in dem er Interesse zeigte). Bei ihm sitzt das 100%, sofern man das von Lebewesen behaupten kann.