Beiträge von Lucy_Lou

    Dann würdest du sagen, bei Hunden ist es mehr ein (heftiger) Automatismus, der abgespult wird, bei Menschen eher ein überlegen und reagieren auf das bedrohliche? Bei Hunden war es anfangs Frust, später ausflippen aus "Gewohnheit"; bei Menschen eher Schutztrieb oder etwas in der Richtung? Reagiert er im Freilauf auf solche Menschen auch? Oder ist es immer die Leine?

    Das Empfinden kommt wohl auch auf die eigenen Hunde an und wie stressanfällig man selbst ist. Bei mir hab ich schon manchmal das Gefühl, ich mach mir das Leben selber schwer...

    Wir wohnen hier auf dem Land und treffen sehr wenig fremde Hunde auf Spaziergängen. Treffen wir einen neuen frei laufenden Hofhund, sehe ich das relativ stressfrei. Lucy mag grummeln, es mag dazu kommen, dass man sich steif umstackst, aber ein Raufer ist sie ja eigentlich nicht. Es läuft dann darauf hinaus, dass ich meine Hunde nacheinander hin lasse, man schaut, wo man steht und in der Zukunft ist die Begegnung kein Problem mehr. Zu ernsthaften Rauferein kommt es in aller Regel nicht.
    Treffe ich hier dagegen auf einen fremden Hund mit Besitzer, sieht das ganz anders aus: hier laufen etwa 60% der Hunde angeleint (weiß der Geier warum) und bei 95% wird nachgefragt, ob Kontakt erwünscht ist und der Hund erst mal rangerufen. Einfach mal laufen lassen ist eher nicht. Und ich kann schlecht sagen, ja lassen wir es laufen und dann sehen sich Hund und Halter einer drohend knurrenden Lucy gegenüber... Also sind Hundebegegnungen mit fremden Hunden für mich eher nicht entspannt hier. Für andere mag es das Paradies sein: sehr viel Raum für sehr wenig Hunde und fast keinen unkontrollierten Kontakte.
    Ein Problem für mich ist es hier auch, dass letztlich so wenig Hunde unterwegs sind, dass fast jeder Hund relativ stark reagiert, wenn dann doch mal einer auftaucht. Entweder positiv oder negativ, aber eben reagiert.

    Mit Lucy sehe ich es in Köln da eher entspannter: es sind so viele Hunde unterwegs, dass die meisten abschätzen, ist jetzt grad Kontakt erwünscht, wie ist der andere so drauf oder er ist eh eher ignorant... Die allermeisten Hunde ignorieren Lucy da, sie vermittelt ja auch, den Kontakt nicht zu wollen, erst mal ganz ohne "aggressiv" zu werden. Und viele Hundehalter lassen laufen, so dass ich nicht im Zugzwang bin zu sagen, ob ich Kontakt denn will oder nicht. Somit wird auch nicht zwangsläufig erwartet, dass Lucy sich über jeden Kontakt halb tot freut... Ich finde es in Köln trotz viel mehr Hunden und so einigen Hunden ohne Kontrolle durch ihrer Besitzer, mit Lucy leichter.

    Mit Grisu ist das alles wesentlich leichter.

    Futter vor die Nase halten klappt bei Lucy auch großartig... Nur ändert sich dadurch rein gar nichts. Würde ich in der Situation mit Sicherheit nicht mehr machen. Interessant ist ja auch, wenn das funktioniert mit dem Futter, kann der andere Hund ja eigentlich kein Weltuntergang für den eigenen sein. Sonst wär das Futter auch egal. Also muss es auch möglich sein, dass der eigene Hund sich mit der Situation auseinander setzen kann und trotzdem nicht durchdreht.

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    .... das 1% war leider die Leinenaggression, da hat es nie auch nur ein Stück geklappt ... nichtmal einen Hauch. Ich halte davon nichts ... wir nutzen das Ergebnis nun für andere Dinge (Menschen auf die er reagiert) ... also war es wenigstens nicht komplett zwecklos.

    Darf man fragen, ob ihr grundsätzlich einen Unterschied seht, bei der Aggression an der Leine gegen Hunde und bei der gegen Menschen? Andere Ursachen, andere Lösungsansätze?

    Mein Mann hat es gesehen, ich halb. Ich war eigentlich in der Küche und hörte dann einen explodierenden Hund im Wohnzimmer... Grisu findet kaum etwas furchtbarer, als einen fremden Hund, der ihn in seinem Wohnzimmer in Großaufnahme aus dem Fernseher fixiert... Grisu hing also vor dem Fernseher und hat die Border Collies angefletscht :hust:

    Mal ein anderer Gedanke: kann es vielleicht sein, dass Bandit (auch) deshalb so reagiert, weil er ein Publikum hat? Als wir jetzt in der Schweiz waren, durfte Lucy ja nicht so viel laufen, so war ich öfter mal nur mit Grisu draußen. In nicht wirklich vertrauter Umgebung bleibt Lucy eher ungern alleine. Nun war es so, dass sie sehr unruhig war, gefiept hat, immer wieder zur Tür gelaufen ist..., wenn ich mit Grisu draußen war und mein Mann war bei Lucy. Wenn sie aber ganz alleine bleiben musste, konnte man bei einem Blick durchs Fenster feststellen, dass sie sofort auf ihre Decke gegangen ist und gedöst hat... Dabei mag sie meinen Mann und er betüddelt sie dann auch nicht.

    Ich denke, machen kann man da wenig. Er kann ja eigentlich alleine bleiben, hat keine Panik, keine extremen Verlassensängste... Dass es ihm nicht gefällt, wenn du alleine mit Mücke raus gehst und er muss zurück bleiben, ist ja wirklich verständlich. Ich würde das häufiger mal machen, auch wenn es nicht mehr glatt ist und möglichst wenig Aufhebens drum machen.

    Ok, ich hab ja auch nicht reagiert. Nur Grisu ist da halt anders... Der war auch mit heute, hat im ersten Fall interessiert den anderen Hund beäugt, ist aber entspannt mit mir mit gelaufen. Im zweiten Fall war er auch leicht "nervös", aber eher so nach dem Motto: guck ich den Neufundländer jetzt böse an oder tu ich lieber so, als wär der gar nicht da? Kein Vergleich zu Lucy halt... Ich frag mich da bei Lucy auch, wie viel ich einfach hinnehmen muss, wie viel wirklich einfach ihr Wesen ist und was ich wirklich ändern und erreichen kann?!

    Sorry, dass ich den Thread hier grad mißbrauche :ops:

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    Du weißt aber selber, daß Lucy auch gesittet an anderen vorbei gehen kann und das sie völlig entspannt bleiben kann, wenn Hunde sich nähern. Nur, wenn es um einzelne Hunde geht, sie die Zeit hat sich reinzusteigern, etc., dann reagiert sie so, oder ?

    Ja. Eigentlich waren wir ja auch schon recht weit letzten Sommer. Im Moment weiß ich nicht so recht, ob ich zu viel will? Heute zwei Hundebegegnungen:

    1. 2 Hunde, beide angeleint auf einem Feldweg. Besitzer (und Hunde) sehen uns, Frau geht mit ihrem Hund ein paar Meter in die Wiese, Hund tobt dort an der Leine. Mann bleibt mit seinem Hund mitten auf dem Weg stehen, Hund zieht in unsere Richtung, aber "freundlich". Ich teile dem Mann mit, dass Lucy den Kontakt nicht will, der nimmt seinem Hund kürzer, der daraufhin fiepend quer über dem Weg auf zwei Beinen hängt. Lucy blieb neben mir, guckte den Hund nicht an, knurrte nicht, aber das Nackenfell war oben und die Rute im Himmel. Ich hab da nicht darauf reagiert. Sollte/kann ich sie da für irgendwas zurecht weisen, ihr irgendwie vermitteln, kein Grund zur Aufregung?? Das ist in den meisten Fällen mein Problem, dass ich keinen Ansatzpunkt sehe für Tadel :hilfe:

    2. ein Neufundländer, der vom Besitzer am nächsten Baum festgebunden wurde, als der uns sah. Neufundländer am toben, Lucy mit eingezogener Rute hinter mir (wir mussten recht eng vorbei).

    Da fragt man sich doch, wenn ein Großteil der Begegnungen in etwa so ablaufen, was da jemals besser werden soll?!?

    Sobald Lucy zumindest wieder eine Stunde am Stück laufen darf, fahren wir auch wieder nach Köln zum üben.

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    Sollte dein Hund nicht aber wissen, dass du nicht möchtest, dass er Aggressionen zeigt? Wie anders willst du ihm das erklären, ohne ein deutliches Verbot auszusprechen?

    Eigentlich wäre mir lieber, ich könnte durch souveränes, Sicherheit vermittelndes Auftreten vermitteln: hey, du musst dich nicht kümmern, ich mach das, ich hab das im Griff. Ich glaube bei Lucy tatsächlich nicht, dass sie sich gerne selbst kümmert. Noch mal das Spinnenbeispiel: Ob mir jemand sagt, ich will nicht, dass du dich aufregst (und da zur Not sehr deutlich wird) oder ob er sich kompetent selbst kümmert, ist ja ein Unterschied. Aber die Frage ist natürlich, wenn der Hund seine Strategie über einen langen Zeitraum hinweg gefestigt hat, ob man dann nicht doch erst mal einen deutlichen Schlußstrich ziehen muss, damit der Hund überhaupt wieder offen wird für Aternativen :???:


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    Ist das nicht auch ein Verbot? Ein unangenehm machen? :?

    Ja, da magst du Recht haben. Vielleicht läuft es bei mir letztlich auch darauf hinaus und das deutlich werden macht letztlich den Unterschied bei Lucy?! Und wer sagt mir, dass ich es überhaupt jemals schaffe, so sicher zu agieren, wie ich es gerne würde? Und es gibt ja auch immer mal wieder Situationen, die blöd laufen und auchmeinen Hunden zeigen, dass ich weit weg bin von "perfekt alles im Griff haben".

    @ Megarafrauchen: exakt so probiere ich es und es trifft auch auf Lucy zu, was du schreibst :smile:
    Mein Ziel ist genau das: ich versuche Lucy zu vermitteln, dass es zum einen keinen Grund gibt, sich aufzuregen und zum anderen, dass ich mich im Zweifelsfall kümmere. Es ist wie du schreibst beim Spinnenbeispiel: wenn dann jemand kommt, ruhig vor geht, wenn da die Spinne sitzt und vermittelt, ich übernehm das, ich schau, ob die Spinne wirklich gefährlich ist und halt sie dir im Zweifelsfall vom Leib, das wär genau der Punkt, der in meinen Augen hilft. Nur weiß ich nicht, ob ich das erreiche, indem ich meinem Hund gegenüber so deutlich werde, dass er sich nicht mehr traut, Aggressionen zu zeigen. Ich würde mir wünschen, mein Hund hält mich für sehr souverän, sehr kompetent, alles im Griff habend, aber das erreiche ich für mein Empfinden doch nicht unbedingt, indem ich sie zusammen stauche, bis es so deutlich war, dass sie begreift. Dann wäre es für mein Empfinden, wie ich in meinem ersten Post hier schrieb: der Hund nimmt sich zurück, weil er keine Wahl hat, weil er meidet, mein Einwirken schlimmer findet, als den "Feind".

    Mein Weg ist letztlich, mehr darauf zu achten, dass ich im Alltag mehr agiere, meinen Weg vorgebe, nicht in den kleinen "Schlachten" es Lucy überlasse, über Bewegungseinschränkung gehe... wie schon von anderen angedeutet. Daneben selbst möglichst ruhig agieren, möglichst nicht mehr hektisch werden, nicht unruhig, nicht mehr auf das "was könnte passieren" konzentrieren, sondern auf "das will ich und so wird es sein!". In der konkreten Hundebegegnung: überhaupt nicht reagieren auf den anderen Hund, außer Lucy fängt an sich hochzufahren. Dann wird sie körperlich hinter mir eingeordnet, was sie sehr gut annimmt und sich auch sofort zurück nimmt. Mit dem Training in Hundereichen Gegenden haben wir allerdings nach langer Pause (durch ihre OP) erst letze Woche wieder angefangen. Ich habe gemerkt, selber wieder Sicherheit verloren zu haben seit letzten Sommer, aber es hat besser geklappt, als ich befürchtet habe. (und da ist es wieder: der Film in meinem Kopf, die Gedanken, die es schlimmer machen :roll: ).
    Du hattest es geschrieben: dein Hund geht nun zurück in die Anfänge, geht nicht mehr nach vorne, sondern reagiert unsicher nach hinten orientiert. Mit Lucy war es letzten Sommer ähnlich. Sie ist immer mehr in ihre alten Verhaltensweisen übergegangen: möglichst nicht auffallen, wegschauen, Bogen laufen.

    Mit Futter/Spielzeug, Ablenkung etc. gehe ich bei Lucy nicht mehr vor

    Ich wollte noch sagen: ich mag Spinnen und teile gern mein Haus mit ihnen. Es war nur ein Beispiel :smile:

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    Warum benehmen sich die Hunde denn so ? Die allerwenigsten haben wirklich schlechte Erfahrungen gemacht, die zum "Angriff ist die beste Verteidigung" berechtigen. Kaum ein Hund wurde an der Leine zusammengebissen oder hat irgendwelche Hundebegegnungstraumata.

    Im Gegenteil, die meisten sagen sogar, daß der Hund ohne Leine völlig verträglich ist. Also, woran liegts denn wohl ??

    Angst, reine Unsicherheit kanns nicht sein. Denn dann wäre es das einfachste für den Hund, sich hinter seinen Halter zu stellen.

    Mein Hund benimmt sich ohne Leine nicht anders :p . Nein, ernsthaft, ich weiß es nicht genau... Bei Lucy war es schon als Junghund so, dass sie fremde Hunde sehr uninteressant fand und je nach Hund auch unsicher war. Ich hab Hundebegegnungen gesucht wo es ging, hab weder Angst um sie noch um den anderen Hund gehabt. Sie ist auch nie ernsthaft gebissen worden. Dennoch hat sie dann mit knapp 1,5 Jahren festgestellt, dass sie sich andere Hunde selbst vom Leib halten kann. Ich hab das ja auch nie getan für sie. Ein Fehler war wohl, sie als jungen Hund ständig in Hundebegegnungen geschubst zu haben, die sie im Grunde nicht wollte und der nächste Fehler dann, ihr nicht von Anfang an deutlich zu machen, dass ihr Vorgehen über Aggressionen auch nicht das Wahre ist :/ .

    Um es über die Spinnen zu sagen :p

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    Lucy_Lou: Du beschreibst in Deinem letzten Absatz das Bsp. mit der Angst vor Spinnen. Ich sehe das Ganze etwas anders. Mein Hund darf durchaus Angst/Unsicherheit bei Hundebegegnungen zeigen. Sie darf einen Bogen laufen oder sich hinter mir verstecken, aber sie darf nicht pöbelnd nach vorne gehen.

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    Vielleicht ist mir mal eine Spinne auf die Hand gesprungen und hat zugezwickt, vielleicht trau ich den blöden Viechern auch nur alles zu. Ich probiere verschiedenes, aber so wirklich helfen tut es nicht. Dann stell ich fest, wenn ich mir einen Schuh schnappe und feste drauf haue, verschwindet zumindest diese Spinne tatsächlich... Ich werde immer sicherer in meiner Reaktion, es hilft ja. Die Angst weicht so langsam Mordlust... Nun taucht da also mal wieder eine Spinne vor meiner Haustür auf. Klar, ich könnte meinen Mann bitten, sie zu entfernen oder auf die Terassentür ausweichen. Aber bei meiner Strategie weiß ich, es funktioniert, meine Gefühle und meine Reaktion sind schon lange ein Automatismus geworden... Wobei man mir da vermutlich nicht helfen würde, wenn man mir jedes mal ein Bonbon gibt, wenn eine Spinne auftaucht :p