Mal abgesehen von "Hundemitbesitz" in früheren Lebensphasen, kam unser erster Familienhund aus dem Tierheim. Lieb, kuschelig, gesund ...hiess es.
Straßenhund mittleren Alters, 43 cm klein....
Es stellte sich heraus, dass er nur lieb war, weil schwer chronisch krank. Als wir das im Griff hatten, zeigte sich bald dass er extrem unabhängig, selbstbewusst, mit heftigem Jagdtrieb ausgestattet und charakterstark war. Er liess sich nur von ausgesuchten Menschan anfassen und war nur mit vorschriftsmäßig kommunizierenden Hunden kompatibel, alle anderen wollte er maßregeln. Beim Tierarzt wäre ohne Maulkorb Blut geflossen. (muss ich erwähnen, dass da viel Terrier drin war?).
Bis wir den richtigen Platz dafür fanden, hat er mehrere Urlaubsbetreuungen verschlissen, die ihn jeweils gnadenlos unterschätzten.
Auch die Hundeschule brachte nicht viel.
Nach und nach lernte er trotzdem die Grundkommandos, aber unter der passenden Ablenkung hat er alles ignoriert (daher nach einigen Versuchen am Ende lebenslang an der Schlepp).
Will to please: Null!
Im Alter wurden es immer mehr Medikamente (Ein Geringverdiener hätte diesen Hund nicht finanzieren können) und er wurde immer grantiger zu jedem ausser uns.
Nichts an diesem Hund würde man einem Ersthundbesitzer empfehlen.
Aber: Wir haben ihn geliebt, an und mit ihm sehr viel gelernt, den Alltag schon bald problemlos im Griff gehabt und er wurde immerhin so ca 15-16 Jahre alt.
RIP Toto, wir vermissen Dich noch immer.
Im Nachhinein sehen wir dann auch einen großen Vorteil: Totos Nachfolger, gut dreimal so schwer, aus Rumänien, kommt uns geradezu lächerlich einfach vor, obwohl der objektiv gesehen auch ein paar Baustellen hat.
Manchmal vermissen wir sogar den Mittelfinger, den uns sein Vorgänger so gerne gezeigt hat. Langweilig war anders!
Lange Rede, kurzer Sinn: Sind Motivation, Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft und Verantwortungsgefühl (und ein wenig Leidensfähigkeit) vorhanden, sollte man sich auch als Anfänger von der einen oder anderen Baustelle beim ins Auge gefaßten Ersthund nicht gleich abschrecken lassen. Man wächst daran - und auch der scheinbar einfachste Hund mag sich nach einiger Zeit als doch nicht so ganz simpel entpuppen!
Erfahrung kommt nicht von allein, man muss sie auch sammeln dürfen.
Viele Grüße
Ingo