Ich würde mich Schnappi teilweise anschließen: Bei einem Blitzmerker-Junghund, der sowieso mit der Tendenz geboren ist, unangenehme Situationen mit kurzem, hartem Nachvornegehen zu lösen, würde ich auch sehr differenzieren und in manchen Situationen konsequent durchgreifen.
Da ist von dir jetzt allerdings sehr viel "Diplomatie" gefragt: Bist du am falschen Platz zu hart, kann der Terrier tatsächlich das Vertrauen in dich verlieren. Bist du aber am falschen Platz zu nachsichtig, hast du alle Chancen, daß er dich für einen Deppen hält, und daß du dir einen pubertären Haustyrannen ranziehst, der Zahneinsatz als legitimes Kommunikationsmittel ansieht. Dazu hat Vincent berufsbedingt eine sehr viel höhere Bereitschaft als viele andere Hundetypen - und er MUSS jetzt lernen, die im Alltag unter Kontrolle zu halten.
Praktisch gesehen: Die ungeschickten Bekannten würde ich ihm vom Hals halten, bis er etwas gefestigter ist - so hartes Begrabbelnlassen ist von einem kleinen Hund wirklich viel verlangt. Wo es bei mir aber absolut, überhaupt kein Verständnis und keine Nachsicht gäbe, wären Situationen wie "anknurren, wenn er vom Sofa soll" (sowas geht später übrigens gern in "anknurren, wenn ich am Halsband von was Interessantem weggeholt werde" über). Da hätte er einen Freiflug, einen Riesenrüffel und im Wiederholungsfall erstmal Sofaverbot kassiert - sowas geht schlicht nicht, weil nicht er, sondern ich über die Ressourcen dieses Haushalts bestimme, und Punkt.
Hört sich fürchterlich diktatorisch und lieblos an, ich weiß - ist es aber nicht, denn letztlich lebt natürlich auch der Hund besser und entspannter, wenn er generell weiß, was geht und was nicht, als wenn er immer auf dem Sprung sein muß, "seine" Ressourcen zu verteidigen. Das hat übrigens nichts mit Weltherrschafts-Tendenzen zu tun (die er natürlich nicht hat!), sondern einfach mit einem entspannten, zivisierten Alltag für alle Seiten. Du schubst deine Mitmenschen ja auch nicht rülpsend beiseite, wenn sie dir gerade im Wege sind - warum solltest du also deinem Hund das Recht zugestehen, so mit euch umzugehen?
Ihr habt da jetzt wirklich gerade ein typisches Terrier-Pubertätsproblem: auf eurem Sofa sitzt kein Bichon oder Mops, sondern ein selbstbewußter kleiner Jagdhund, der darauf gezogen ist, seinen Standpunkt zu bewahren auch mal härter zu verteidigen. Daß das, was im Job prima wäre, im Zivilleben ein Tabu ist, müßt ihr dem Teenager jetzt für den Rest seines Hundelebens beibringen. Mit Übungen zur Frustrationstoleranz, so nützlich die generell sind, ist das nicht getan: In manchen Situationen (Sofa!) fordert er eure ganz direkte Reaktion - und danach, wie die ausfällt, wird er sein Verhalten ausrichten.
Und, wie gesagt: diese Tendenzen in den Griff zu kriegen, kann ist mühsam sein, weil's soviel Taktgefühl fordert. Tief drin sind die kleinen Rüpel ja nun mal absolute Weicheier, und mit sinnloser Härte kriegst du sie schnell kaputt. Die Zauberworte sind wirklich Konsequenz und Timing - und ich wünsche euch da eine glückliche Hand.
Das kriegt ihr schon hin - und vergiß das Mantra nicht: "Ich wollte einen Terrier, ich wollteeinenterrierichwollteeinenterrierichwollte...." *g*