Du erlebst jetzt übrigens genau den wahren Grund, aus dem diese Terrier ein bißchen schwieriger sind als viele andere Hunde: Nicht, weil sie böse oder "stur" wären (ich hab noch nie einen sturen Russell getroffen - das waren im Gegenteil alles Sensibelchen), sondern weil der Grat so schmal ist, auf dem du mit ihnen dauernd wandeln mußt.
Natürlich widerstrebt es einem zutiefst, dieses kleine, entzückend Hündchen auch mal zu deckeln, und gemeinerweise sind die auch noch im Ungehorsam derart charmant, daß man eher lacht als durchgreift. Aber das kann eben wirklich danebengehen, vor allem bei einem selbstbewußten jungen Rüden. Diese schlauen Kerle haben eine enorme Neigung die ganze Hand zu nehmen, wenn sie erstmal einen Finger gekriegt haben - und Jung Vincent hat schon einen sehr coolen, festen Blick und wirkt wie einer, der durchaus mal wissen möchte, an welche Regeln er sich halten muß & an welche nicht. Aber zu hart oder gar aus Hundesicht ungerecht darfst du dabei eben auch nicht sein, dann hast du ganz schnell einen geknickten Neurotiker, der unter Umständen aus Angst zubeißt.
Selbstverteidigung (die Sache mit den Grabschern) und Frechheit (mir paßt's gerade nicht - also *zack*)sind aber wirklich zwei paar Schuhe,und ich denke, Vincent bringt euch den Unterschied gerade sehr gut bei. Beim Spazierengehen handhabst du das ja schon genau richtig: Da geht er zwar winselnd (wär für mich legitimer Protest, den ich ihm lassen würde) mit - aber er tut eben doch, was du möchtest. Was dann natürlich SEHR lobenswert ist, weil's für den Teenager im Hormonchaos in dem Moment echt eine Leistung bedeutet!
Das Nicht-Rausgehen-Wollen, wenn man erstmal gemütlich im Körbchen liegt, scheint übrigens auch ein bißchen rassetypisch zu sein. Das hab ich schon so oft gehört, und meine vorherige Hündin, auch ein eher kurzhaariger "Einkuscheltyp", haßte es wie die Pest.
Sie drehte sich dann allerdings bloß auf den Rücken, "grinste" mit diesen hochgezogenen Lefzen, räkelte sich demonstrativ, gähnte und wedelte rasant - das war die einzige Reaktion auf alles Bitten & Rufen. Ich hab sie dann meist hochgenommen und rausgetragen, wobei sie versucht hat, mir wie ein Gummitier in alle Richtungen vom Arm zu fließen, und aus dem Garten so schnell wie möglich wieder ins Haus zu entwischen.
Das fand ich alles sehr lustig, auch wenn's manchmal genervt hat. Ich hatte ja nichts dagegen, daß sie ihren Unwillen auch zeigt, erst recht nicht auf so kreative Weise Hätte sie mich allerdings in so einer Situation je angeknurrt oder gar geschnappt, wäre ich wirklich sauer geworden - da wär eine Grenze überschritten gewesen, die zu überschreiten du einem solchen Hund besser nicht erlaubst.
Und, btw: jetzt ist auch klar, warum euch hier alle unisono von dem aggressiven Welpen abgeraten haben, oder? Solche Kandidaten haben die aggressive Tendenz, die die Rasse ja nun mal zum Arbeiten braucht, später oft überhaupt nicht im Griff - und das ist dann echt nicht mehr spaßig. Vincent hat ja aus seiner Sofa-Erfahrung sofort den richtigen Schluß gezogen - der hat also absolut kein charakterliches Problem, sondern übt sich gerade, altersgemäß, in "learning by doing".
Also viel Spaß dabei - und vergiß das Mantra nicht....*g*