Beiträge von terriers4me

    Beim eigenen Hund kenn ich's so dramatisch nicht, die Boxerhündin von Bekannten hat sich mit einem Sprung aus dem zweiten Stock schwerst verletzt. Die war's im Haus gewohnt gewesen, aus einem Erdgeschoß-Fenster zu springen und tat's am ersten Tag in der neuen Wohnung dann auch, ohne zu zögern.

    Dafür war ich blöd genug, meiner ersten Hündin gezielt Springen beizubringen, mit dem (vorhersehbaren) Ergebnis, daß der 14Kilo-Hund nur noch aus Gefälligkeit hinter irgendwelchen Umzäunungen blieb. In einer Läufigkeit überwand sie dann, ausgerissen, im Dunkeln den 1,80-Maschendrahtzaun in einem fremden Garten, hin und zurück. Ergebnis: echter Unfallwurf.

    Seitdem hab ich nie wieder einen meiner Hunde so zum Springen ermuntert oder ihm auch nur mit langem Alleinlassen Gelegenheit zum Üben gegeben - bei meinem jetzigen Terrier, der 1,40 m locker aus dem Stand schafft, wäre das todsicher das Rezept für Desaster.

    Kommt völlig auf die Rasse an, das mit dem Körperkontakt. Was für meinen distanzbewußten Airedale eine Strafe gewesen wäre, hat der schnell frierende, superanhängliche Russell mit List, Tücke & Dickschädel durchgesetzt. Scheint rassetypisch zu sein: 99 Prozent dieser Spezis schaffen's irgendwann ins Bett, und für den Drang nach engem Körperkontakt sind sie wirklich berühmt.

    Mein jetziger Russell ist eher untypisch und wäre da nicht so scharf drauf, ist aber verrückterweise der erste Hund, den ich nahezu dazu zwinge. Darf sie den Schlafplatz nämlich frei wählen, geht sie mit Vorliebe unten ins Haus & schläft auf dem Sofa und übernimmt die Security. Und wie: Nachdem ich mehrmals bei aktuem Axtmörder-Alarm gegen drei Uhr früh zähneklappernd im Bett gesessen habe, muß die Dame zumindest ins Schlafzimmer oder, wenn draußen viel los ist, notfalls sogar mit ins Bett. Dann ist sie nämlich still, weil sie offenbar mich für verantwortlich hält, und die Lösung zieh ich eindeutig vor - plötzliche Adrenalinstöße zu nachtschafender Zeit muss ich echt nicht haben.

    Was das Rammeln angeht: das breche ich immer spätestens dann konsequent ab, wenn der andere Hund 25 Kilo plus wiegt, meine junge, Stärkeren gegenüber noch ängstliche Hündin aber höchstens sieben. Und noch schneller, wenn die Hündin unter sechs Monaten alt ist, also ganz schnell die noch nicht fest verknöcherten Hüften ruiniert kriegen kann. Die Rüden zu rammeln, die ich mithatte, hat noch nie einer versucht, die hätten das auch prima selbst geregelt.

    In den meisten anderen Konstellationen kriegt auch die Hündin das alleine hin, selbst wenn sie klein ist - was einem sehr hartnäckigen Rüden schon ein blutiges Ohr beschert hat. Da war Herrchen dann plötzlich TOTAL gegens Alleine-Regeln und dafür, daß so aggressive Hündinnen gar nicht frei rumlaufen dürfen.

    Übrigens halte ich meine kleine Hündin deswegen natürlich nicht von jeglicher hündlicher Kommunikation fern, im Gegenteil: da hier im Revier grundsätzlich alles frei läuft, kennt jeder Hund jeden, und wir sind sehr selten mal auf einer Runde alleine. Von Bordeauxdogge bis Chimix geht da in wechselnder Besetzung alles mit. Und das Miteinander läuft so gut wie immer bestens, die Hunde regeln also das meiste wirklich prima alleine, inklusive Einander aus dem Weg-gehen bei Abneigungen - ganz ohne daß man da groß drüber reden müßte.

    Nur bei Hunden von Besitzern, die den besagten Spruch wie ein Banner vor sich hertragen, bin ich inzwischen sehr zurückhaltend geworden. Das sind hier nämlich regelmäßig, wirklich regelmäßig, die wenigen auffallenden Rüpel, deren Besitzer absolut nicht daran denken, sie in irgendeiner Weise zu regulieren, sondern am "dominanten" (das Wort fällt dann meist als nächstes, sobald der Kleinere drunterliegt) Gehabe ihres Lieblings enorm viel Freude haben.

    "Der Satz impliziert doch nicht "Mein Hund ist der Stärkste...""

    Meiner Meinung nach bedeutet er in 99 von hundert Fällen genau das, mit dem unausgesprochenen Zusatz "und ich find's cool, wie er andere runtermacht."

    Ich kenn da nur eine Ausnahme: den Besitzer eines ängstlichen Kanichendackels, der immer protestiert, wenn ich den Terrier daran hindere, das arme Tier als Quietschbeute zu benutzen, "weil sie doch lernen soll ,sich zu wehren."

    Ansonsten ist mir der berühmte Satz bisher NUR begegnet, wenn ich mit einer ängstlichen bzw. sehr kleinen Hündin allein unterwegs war, die es nicht lustig fand, ständig von viel Größeren dauerbetatzt, überrannt oder in den Grund gerammelt zu werden.

    Hatte ich dagegen einen großen, kräftigen Rüden oder zur Kleinen den kloppfreudigen Airedale-Bodyguard dabei, ist mir noch NIE jemand begegnet, der da die Hunde irgendwas "ausmachen" lassen wollte. Im Gegenteil: da konnten dieselben Leute, die ihre Rüpel fröhlich auf die Kleine losgelassen hatten, sie plötzlich gar nicht fix genug zu sich holen und sich gar nicht laut genug über den "aggressiven" Airedale aufregen, der den anrennenden Rüpel kurz umgedreht hatte. Dabei hatten die wirklich nur was unter sich ausgemacht, und dann war Ruhe.

    Von Hundehaltern ,die eine Situation wirklich einschätzen können, hab ich den Spruch übrigens auch noch nie gehört - da ist man sich komischerweise stillschweigend einig, läßt die Hunde machen und merkt rechtzeitig, wenn's eben nicht geht.

    TOLL!!!

    Bei solchen Erfolgen wünsch ich mir ja immer, die "Abschieber" könnten ihren verkorksten Hund jetzt mal sehen - aber vermutlich würden solche Leute auch dann noch nix kapieren. Jedenfalls großartig, wie schnell Foxi lernt - er ist ja immer noch nicht mal ein Jahr bei dir!

    Ich würde das sogar nur bedingt auf den Blinden schieben - meine blinde Hündin kam nach wie vor bestens mit allen Artgenossen klar. Mag die Ausnahme gewesen sein.

    Ich würde dahinter aber was anderes, ganz Normales vermuten: Eurer Rüde ist jetzt zwei, nähert sich also dem Erwachsenenalter - und daß erwachsene Rüden nicht mehr jeden anderen Geschlechtsgenomssen automatisch toll finden, ist die normalste Sache von der Welt. Die wollen nicht mehr dauernd mit jeden Fremden "spielen" oder automatisch jeden mögen. Die wollen einfach sehen, wo sie stehen im Leben und auch mal ihre Ruhe haben.

    Häng das also nicht zu hoch, mach dir keine Riesensorgen, sondern kalkuliere einfach ein, daß dein Hund langsam aus dem Spiekind-Alter raus ist, und manage Rüdenbegegnungen entsprechend vorsichtig. Daß er sich jetzt erstmal den Blinden zur Brust genommen hat, kann tatsächlich an dessen Unsicherheit gelegen haben, aber dabei wird es sicher nicht bleiben. Wie gesagt: alles normal - aber dein Management ist jetzt gefragt.

    Glückwunsch zu eurer Entscheidung - da habt ihr euch ziemlich sicher eine Menge Kummer und Geld erspart.

    Glaub mir bitte (ich hab seit über 30 Jahren Hunde): Die Anschaffung ist wirklich erst der kleinste Teil dessen, was ein Hund unter Umständen kostet. Da mehr zusammenzusparen, bevor man kauft, lohnt sich ganz schnell, wenn man dafür einen Welpen aus gesunden, geprüften Eltern bekommt. (Der Nachweis, daß der Hund aus geprüften Eltern stammt, ist ja eigentlich der Sinn von seriösen Papieren, nicht etwa irgendwelche nutzlosen, albernen Pokale - sowas machen dir eher unseriöse Vermehrer weis!)

    Passieren kann natürlich in einem Hundeleben immer was, aber wenn zum Beispiel Gelenke und Herz, Augen und Ohren beider Eltern top sind, hast du schon mal große Risikofaktoren ausgeschlossen.

    WIRKLICH teuer an einem Hund werden nämlich Tierarztkosten über lange Zeit, und die fängst du dir bei einem unseriösen Vermehrer einer Moderasse quasi mit ein. Dem ist das nämlich wurscht, was in fünf Jahren aus dem Hund wird - Hauptsache, der Welpe bringt Cash.

    Und wenn ich hier in der Gegend sehe, welche Summen gerade viele Labbi-Besitzer schon in ganz junge Hunde stecken müssen, um die überhaupt schmerzfrei auf den Beinen zu halten, wird mir echt schlecht - das würde ich wohl nicht schaffen.

    Das Gegenbeispiel hab ich dafür nebenan wohnen: Einen eher kleinen, leichten Labradorrüden, dessen Leute sich vor dem Kauf sorgfältig Gedanken gemacht, viele Hunde angesehen, ziemlich lange einen Züchter ausgesucht und auf den Welpen gewartet haben. Damals sind die dafür für ziemlich verrückt gehalten worden - heute ist der Hund zwölf, war noch nie ernsthaft krank, ist nach wie vor super auf den Beinen und total beweglich. Der joggt immer noch locker seine zehn Kilometer und grinst dabei.

    Für ihn und seine Besitzer haben sich die Sorgfalt und das Warten am Anfang also -zigfach gelohnt, mit vielen Jahren ungetrübter Freude mit einem Hund, der jetzt ein total fröhlicher Opa ist - und genau sowas wünschen wir euch natürlich auch!

    Du erlebst jetzt übrigens genau den wahren Grund, aus dem diese Terrier ein bißchen schwieriger sind als viele andere Hunde: Nicht, weil sie böse oder "stur" wären (ich hab noch nie einen sturen Russell getroffen - das waren im Gegenteil alles Sensibelchen), sondern weil der Grat so schmal ist, auf dem du mit ihnen dauernd wandeln mußt.

    Natürlich widerstrebt es einem zutiefst, dieses kleine, entzückend Hündchen auch mal zu deckeln, und gemeinerweise sind die auch noch im Ungehorsam derart charmant, daß man eher lacht als durchgreift. Aber das kann eben wirklich danebengehen, vor allem bei einem selbstbewußten jungen Rüden. Diese schlauen Kerle haben eine enorme Neigung die ganze Hand zu nehmen, wenn sie erstmal einen Finger gekriegt haben - und Jung Vincent hat schon einen sehr coolen, festen Blick und wirkt wie einer, der durchaus mal wissen möchte, an welche Regeln er sich halten muß & an welche nicht. Aber zu hart oder gar aus Hundesicht ungerecht darfst du dabei eben auch nicht sein, dann hast du ganz schnell einen geknickten Neurotiker, der unter Umständen aus Angst zubeißt.

    Selbstverteidigung (die Sache mit den Grabschern) und Frechheit (mir paßt's gerade nicht - also *zack*)sind aber wirklich zwei paar Schuhe,und ich denke, Vincent bringt euch den Unterschied gerade sehr gut bei. Beim Spazierengehen handhabst du das ja schon genau richtig: Da geht er zwar winselnd (wär für mich legitimer Protest, den ich ihm lassen würde) mit - aber er tut eben doch, was du möchtest. Was dann natürlich SEHR lobenswert ist, weil's für den Teenager im Hormonchaos in dem Moment echt eine Leistung bedeutet!

    Das Nicht-Rausgehen-Wollen, wenn man erstmal gemütlich im Körbchen liegt, scheint übrigens auch ein bißchen rassetypisch zu sein. Das hab ich schon so oft gehört, und meine vorherige Hündin, auch ein eher kurzhaariger "Einkuscheltyp", haßte es wie die Pest.

    Sie drehte sich dann allerdings bloß auf den Rücken, "grinste" mit diesen hochgezogenen Lefzen, räkelte sich demonstrativ, gähnte und wedelte rasant - das war die einzige Reaktion auf alles Bitten & Rufen. Ich hab sie dann meist hochgenommen und rausgetragen, wobei sie versucht hat, mir wie ein Gummitier in alle Richtungen vom Arm zu fließen, und aus dem Garten so schnell wie möglich wieder ins Haus zu entwischen.

    Das fand ich alles sehr lustig, auch wenn's manchmal genervt hat. Ich hatte ja nichts dagegen, daß sie ihren Unwillen auch zeigt, erst recht nicht auf so kreative Weise Hätte sie mich allerdings in so einer Situation je angeknurrt oder gar geschnappt, wäre ich wirklich sauer geworden - da wär eine Grenze überschritten gewesen, die zu überschreiten du einem solchen Hund besser nicht erlaubst.


    Und, btw: jetzt ist auch klar, warum euch hier alle unisono von dem aggressiven Welpen abgeraten haben, oder? Solche Kandidaten haben die aggressive Tendenz, die die Rasse ja nun mal zum Arbeiten braucht, später oft überhaupt nicht im Griff - und das ist dann echt nicht mehr spaßig. Vincent hat ja aus seiner Sofa-Erfahrung sofort den richtigen Schluß gezogen - der hat also absolut kein charakterliches Problem, sondern übt sich gerade, altersgemäß, in "learning by doing".

    Also viel Spaß dabei - und vergiß das Mantra nicht....*g*

    Ja, für mich wäre das ein Ausschlußkriterium.

    Nicht, weil ich ein Folter-Fan wäre, sondern weil es mir meilenweit zu weit ginge, wenn ein Dienstleister auf die Idee käme, Grotesk-Regeln wie "Du darfst deinen Hund nicht an einer Kette führen" für mein Privatleben aufzustellen. Ich hab zwar nicht mal eine - aber auf Missionare und Fanatiker jeder Art kann ich trotzdem allerbestens verzichten.