Ich würde auch auf Gestochenwordensein tippen (das kriegt man bei einer Wespe ja oft erst später mit) und hoffen, dass der Hund mit der Zeit unterschieden lernt, was gefährlich ist und was nicht.
Der Airedale meiner Nachbarn zog nämlich aus dem ersten Stich in die Lefze genau den falschen Schluß: Von da an floh dieser große Hund panisch vor allem was brummte und noch der harmlosesten Stubenfliege, fing und knackte aber weiter fröhlich Wespen & Co....
Natürlich sind die Spitze grundsätzlich erstmal menschenfreundlich, aber das ist leider keine Lebensgarantie und erst recht kein Selbstläufer. Ein gelangweilter und/oder schlecht geführter Arbeitshund sucht sich nun mal Ersatzbeschäftigungen, und Action wie Menschen erst ankläffen und dann irgendwann treiben, kann aus Hundesicht sehr unterhaltsam und lohnend sein.
Aber jetzt mach dich bitte erstmal nicht verrückt, erst recht nicht, wenn's dein erster Hund ist. Anderthalb ist bei diesen Temperamentsbolzen ein wahnsinnig anstrengendes Alter, Körperkraft und Abenteuerlust schon maximal ausgeprägt, Hirnchen hängt noch irgendwo im Kindesalter fest. Ich hab da beim Terrier (und das ist immerhin mein achter Hund und nicht der erste dieser Sorte) auch manchmal nur noch gestanden, dem Kondensstreifen nachgestarrt und gedacht: "Das KANN doch jetzt nicht sein?!"
Aber eben: Das bleibt nicht so. Mit dem Erwachsenwerden reift dann auch das Hirn endlich nach, mit drei kannst du sie dann schon mal ansprechen und sie fangen an zu denken, BEVOR sie abgehen. Mit fünf sind es dann meist schon sehr angenehme Zeitgenossen, und sobald sie altern, lachst du wehmütig über die wilde Jugend.
Also: Nur Mut, das wird schon werden, wenn ihr jetzt die Kurve kriegt. Und dafür tust du doch, was du kannst!
Ich wollte auch weniger das überbringen als ein "kann auch klappen, wenn du da bist" - die TE kann ja nun schlecht den Job aufgeben, damit der Hund allein ist!
Denn weil er nicht alleine bleiben kann, ist der Mensch 24/7 um ihn rum..
War/bin ich bei meinem Hund so ziemlich auch, weil ich zuhause arbeite, und trotzdem klappte es immer mit dem Alleinsein.
Ich denke, der Knackpunkt ist weniger die bloße Anwesenheit des Menschen als die ständige Erwartungshaltung, die man in so einem cleveren Sensibelchen mit zuviel Beschäftigung so schnell wecken kann. Deswegen war bei uns die Hausregel von Tag 1 an, dass es lange Perioden gibt, in denen sich der Hund drinnen alleine beschäftigen muss. Zum Beispiel war immer klar, dass mein Sitzen am Schreibtisch heißt: "Sprich mich nur im Notfall an, Bespaßung holst du eh nicht raus."
Genau das war meiner Erfahrung nach auch immer der Schlüssel zu unkomplizierter Freundlichkeit. Als Hofhunde mit Job waren die allesamt nett. Ohne aber...
bis auf Kläffigkeit kann ich von oben genannten nix bestätigen.
Glück gehabt ,bzw Hunde bei fachkundigen Besitzern. Ich bin mehr als einmal samt Welpe ins Auto geflüchtet, wenn die Dreier-Meute von weniger fachkundigen wieder mal den Hof terrorisierte. Da ihre Besitzerin regelmäßig da war, hatten sie den nämlich zu ihrem Territorium erklärt und gingen auf alles los, was sich da sonst noch aufzuhalten wagte. Die Besitzerin fand das saukomisch (waren ja nur kleine Hunde, und das bißchen Bellen...) und war erst nach einem Riesenkrach mit den Hofbetreibern bereit, die Spitze halbwegs zu sichern. Das war natürlich das Extrembeispiel, aber in Ansätzen habe ich sowas über lange Zeit immer wieder erlebt und kenne sogar einen Hof, auf den ein Islandspitz genau deshalb nicht mehr mitkommen darf.
Versteht mich bitte nicht falsch: Es sind ohne Zweifel tolle Hunde, ich habe ja selbst mal mit dem Gedanken gespielt, mir einen anzuschaffen. Aber für mich ist klar, dass die schon ziemlich hohe Ansprüche stellen.
....und sie sind eindeutig ursprünglich genug, um ihren Frust dann deutlich rauszulassen. Nur leider meist an der Umgebung, die sich eigentlich bloß in Ruhe ums Pony kümmern möchte....
Das muß wohl so sein. In Jahrzehnten mit Islandpferden habe ich die Spitze nur da als angenehm und ausgeglichen erlebt, wo sie auf Höfen einen echten Job hatten. Da lagen sie ansonsten friedlich vor der Tür oder unterm Tisch. Aber in Privathand waren das regelmäßig ganz andere Hunde, und zwar meist solche, denen man wg. Kläffigkeit, genereller Schnappigkeit und Agggressivität gegen Artgenossen besser aus dem Weg ging. Kann natürlich reiner Zufall gewesen sein, aber mir hat das dazu gereicht, mir keinen anzuschaffen.
In dem Alter mit einem möglichst gleichbleibenden und für den jungen Hund berechenbaren Tagesablauf, ohne ihn immer wieder sozusagen an- und auszuknipsen. Ein langer, ruhiger Spaziergang pro Tag, etwa eine gute Stunde frei in Feld und Wald, auf dem ich nicht mehr von der kleinen Rakete verlangt habe als zwischendurch mal möglichst schnelles Kommen auf Ruf. Das war unser Spiel von Welpenpfoten an, und das einzige Kommando, das sie mit anderthalb wirklich konnte. Ansonsten durfte/sollte sie da machen, was Hund eben so macht, schnüffeln, mal buddeln, rennen oder nicht rennen - bis sie am Ende entspannt durch die Gegend trabte (oder ehrlich: galoppierte) und zuhause ebenso entspannt erstmal schlafen ging. Das war übrigens mein genereller Maßstab: kam sie zuhause von sich aus leicht zur Ruhe, lief alles richtig, war sie unruhig und aufgedreht, stimmte was nicht, war das Programm zuviel oder zuwenig gewesen.
Dazu als Highlight und zum körperlichen Auspowern zwei- dreimal wöchentlich einen Abstecher ins Hundewäldchen zum Austoben mit Artgenossen und regelmäßig Gartenzeit mit dem vierbeinigen Lehrmeister, dem großartigen Schäferrüden von nebenan. Im Haus war absolut nichts angesagt, außer sich irgendwie friedlich zu beschäftigen ,sobald ich am Schreibtisch saß. Da hat sie von Anfang an meist gedöst oder im Liegen alles kontrolliert.
Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
Mir irgendwelchem Training habe ich uns so gut es ging verschont, weil ich gemerkt habe, wie extrem sie sich vor Übereifer hochspulte, sobald ich irgendwas von ihr verlangte. Sie konnte in dem Alter gerade mal "Komm!", das aber supergut, und "Sitz", also ranrufen und einbremsen, so dass ich sie notfalls anleinen konnte. Das reichte mir. Alles weitere haben wir tatsächlich erst geübt, als der Verstand ein bißchen kam und sie es schaffte, ihren Übereifer peu a peu in den Griff zu kriegen. Ernsthafte Anforderungen an ihre Selbstkontrolle habe ich erst gestellt, als sie mit drei Jahren erwachsen war, und da hat sie es dann auch gut gepackt, ohne zu überdrehen.