(zitiert)>>> Wie der Bergquell-Brauer verhindern will, dass der Wolf seine Fohlen holt
Der Löbauer Brauer Steffen Dittmar weiß: Pferde stehen mittlerweile auch auf dem Speiseplan des Wolfes. Beim Schutz der kostbaren Tiere verlässt er sich nicht auf Behörden.
Sie sind der ganze Stolz von Bergquell-Brauer Steffen Dittmar und sein prächtigster Besitz: seine pechschwarzen Percheron-Kaltblüter. Die starken Tiere erfreuen etwa als Zugpferde vor Dittmars Brauereigespannen immer ein großes Publikum. Reichlich Auslauf finden sie auf einer fünf Hektar großen Koppel hinter der Löbauer Bergquell-Brauerei. Doch dort sieht Dittmar seine kostbaren Rappen auch einer großen Gefahr ausgesetzt - besonders die erst jüngst geborenen vier Fohlen: dem Wolf. Mit großem - auch finanziellen - Aufwand will er seine Pferde vor dem Räuber schützen - und erhält dafür im Gegensatz zu vielen Weidetierhaltern keinen Cent staatlicher Unterstützung.
Steffen Dittmar weiß: Der Wolf ist nah. Ganz nah. Am eindrucksvollsten zeigt dies das Schicksal des Landwirts Ralf Nahrstedt, der in seinem Wildgehege in Krappe Damwild züchtet. Bei Nahrstedt kommt der Wolf als so eine Art Stammgast zum Fressen. "Für den Wolf ist mein Gehege hier wie ein McDonald's", sagte er mal. Landrat Stephan Meyer (CDU) versprach bei einem Besuch in Nahrstedts Gehege einen Abschuss des Wolfes - und musste kurz später auf höheres amtliches Geheiß zurückrudern. Steffen Dittmar hat diesen absoluten Wolfsschutz satt und vertraut diesbezüglich nicht mehr auf Hilfe aus der Politik. "Wenn selbst der Landrat an denen scheitert ...", sagt er.
Und so lange der Wolf nicht bejagt werden darf, wird er sich weiter ungehindert ausbreiten und sich Weidevieh holen, ist sich Dittmar sicher - und eben nicht nur Weidevieh. "Der frisst auch Pferde und alles, was sich nicht wehrt", sagt er. Von befreundeten Pferdezüchtern weiß er, dass auch die in Angst um ihre Tiere sind. Mögen Wolfsrisse auf Pferdekoppeln bisher eine Ausnahme sein - Dittmar kennt ein Beispiel: "Am 10. Mai haben Wölfe auf einer Koppel in Brandenburg ein Rheinisch-Deutsches Kaltblut-Fohlen gerissen. Diese Tiere stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen", sagt er. Der Riss betraf einen Betrieb, der mit den Pferden auf traditionelle und naturschonende Art Holz im Wald rückt. "Unsere Nutztierrassen sind gefährdet", sagt Dittmar.
Und er schildert noch weitere Auswirkungen. "Sämtliche Mufflons hier in der Region wurden von Wölfen gefressen. Die waren auch schützenswert", sagt er. Und weiter: "Um sich vor dem Wolf zu schützen, bilden Wildschweine größere Rotten. Damit erhöht sich noch die Gefahr der Ansteckung mit der afrikanischen Schweinepest. Aber das zählt alles nicht." Sarkastisch nennt Steffen Dittmar den absoluten Wolfsschutz inzwischen "Massentierhaltung im Wildtierbereich". Eine "Polizei des Waldes" habe der Wolf mal sein sollen. Eine Aufgabe, die er inzwischen gar nicht mehr wahrnehmen könne - weil es außer dem Wolf im Wald eben kaum noch andere Wildtiere gebe, so Dittmar.
Pferde laut Ministerium wenig gefährdet
Der Brauer hat zur Selbsthilfe gegriffen und seine gesamte Koppel mit einem gut 1,80 Meter hohen Zaun versehen. "Das hat eine Menge gekostet, aber das war es mir wert, zu schützen, was ich besitze", sagt er. Sollte ein Wolf eines oder mehrere seiner Pferde reißen, hat er zwar Anspruch auf Schadenersatz vom Staat - Unterstützung für die von ihm getroffenen Schutzmaßnahmen dagegen bekommt er nicht. "Die Gesetzgebung sieht das nicht vor", erklärt Karin Bernhardt, Sprecherin des Umweltministeriums auf SZ-Anfrage. Pferde gehörten - ebenso wie Rinder - nicht zum klassischen Beuteschema von Wölfen, weswegen der präventive Wolfsschutz dafür nicht bezahlt werde.
Auf seiner entsprechenden Internetseite erklärt das Ministerium das folgendermaßen: "Erwachsene Rinder und Pferde sind recht wehrhaft und innerhalb ihrer Herde einem geringeren Risiko von Wolfsangriffen ausgesetzt als Schafe oder Ziegen. Ein Angriff auf einen Herdenverband stellt für Wölfe ein großes Risiko dar, welches nur selten eingegangen wird, z. B. wenn andere Nahrungsressourcen knapp sind."
Stattdessen gibt das Ministerium dort etwa diese Empfehlung ab: "In den Herden sollten immer erwachsene und erfahrene Tiere mitlaufen. Eine Herde, die ausschließlich aus jungen unerfahrenen Tieren besteht, z. B. Jungrinderherde, ist verletzlicher" oder diese: "Bei akuten Gefährdungslagen, beispielsweise nach einem Wolfsübergriff auf ein Kalb, Jungrind oder Fohlen, ist über eine Einstallung oder die Einrichtung eines elektrisch geschützten Nachtpferchs nachzudenken." Steffen Dittmar weiß, wie "knapp andere Nahrungsressourcen" für den Wolf inzwischen sind - und vertraut lieber seinen eigenen Maßnahmen.<<<
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