Beiträge von terriers4me

    Und mit Romantik, Freiheit oder sonstwas hat das Zusammenleben natürlich nix zu tun, nur mit Management. Der Hund hat längst kapiert, dass ihm a) bei einem Angriff auf eine Henne umgehend der Himmel auf den Kopf fallen könnte, ihm aber b) bei Kooperation ebenso umgehend die tollsten Belohnungen ins Maul fallen. Ich finde, das Ergebnis sieht man hier sehr schön, denn der Blick sagt eindeutig: "Das Vieh neben mir nervt mich gerade -also zahl bitte bar und ja nicht zu geizig!"

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    Aber, wie gesagt: so viel Mühe lohnt sich eigentlich nur bei den eigenen Viechern - ansonsten würde ich die Parteien auch trennen.

    Zitat

    Im eigenen, gesicherten Garten muss doch ein Hund nicht dauernd unter Aufsicht stehen?

    Nein, das muß er sicher nicht, tut meiner auch schon lange nicht mehr. Nicht unter direkter. Aber die indirekte Aufsicht, dieses Wissen des Hundes um das Tabu und das "Big Brother is watching you" sollte eben doch sitzen, bevor man ihm mit anderen Haustieren irgendwelche Freiheiten zugesteht. In diesem Fall kannte der Hund ja die Hühner generell, es war also deutlich was anderes, als wenn er eine einfliegende Taube oder Krähe erlegt hätte.

    Ich rede hier allerdings von den eigenen Hühnern. Wären es die der Nachbarin, würde ich auch eher generell aufs Abzäunen setzen - und trotzdem bei einem so engen Zusammenleben zusätzlich mit dem Hund arbeiten.

    Zitat

    Jain. Meine Hunde sind in meinem Garten dahingehend gesichert, dass sie nicht raus können. Kommt da aber ne Katze oder co rein, dann werden diese nicht unbedingt freudig empfangen.

    Genau, das ist der springende Punkt: Hier hat der Hund gelernt, dass die Hühner ,was auch immer sie Blödes anstellen mögen, einen anderen Status haben als zum Beispiel die einfliegenden Ringeltauben. Man kennt einander persönlich sehr gut, und bei jedem Neuzugang passe ich tagelang scharf auf, bis ich mir sicher bin, dass der Terrier es als dazugehörig akzeptiert hat.

    Hier geht es also um Burgfrieden ausschließlich zwischen Tieren, die einander gut kennen - bei fremden Hühnern anderswo bleibt der Hund grundsätzlich an der Leine. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass sie die zumindest mal probehalber anjagen würde, sobald die sie triggern.

    Tja - wenn der Hund unbeaufsichtigt ein Huhn gerissen hat, sichern hier wohl BEIDE ihre Tiere nicht ordentlich, oder?

    Hier lebt übrigens der Terrier seit zehn Jahren unfallfrei und engstens mit den Hühnern, aber auf die Idee, dass das ohne meine ständige Präsenz immer glattgehen würde, käme ich nie. Heißt nicht, dass ich dauernd danebenstehe, aber ich bin oft genug regulierend dabei ,dass der Hund sehr genau weiß, wer die Entscheidungen über diese verlockende Beute trifft. Immer, und ohne Diskussion. Und ja, das setzen wir notfalls auch mal ausgesprochen aversiv durch - aber nie,wirklich nie, ohne dass sich danach die Kooperation für den Hund richtig, richtig lohnt.

    Der Terrier macht das absolut großartig, aber einfach laufen lassen würde ich das Verhältnis trotzdem nie. Ungewohnte Situationen sind immer latent kritisch. Genau das ist hier ja offenbar passiert: Der Hund akzeptiert die Hühner am gewohnten Platz, ist eins anderswo (ungewohnte Situation!) hat er ziemlich sicher erstmal angestestet, das Huhn hat nervös reagiert, der ermutigte Hund hat nachgesetzt - und zack!

    Das ist vielleicht ein Äpfel-Birnen-Vergleich, aber bei Pferden ist das "Sauergerittenwerden" ein bekanntes Phänomen. Irgendwas im Trainigsaufbau oder im Sport überfordert sie, ist ihnen zu monoton, passt ihnen sonstwie nicht - und sie verweigern sich. Manchmal von jetzt auf gleich, meist ist das ein schleichender Prozeß mit kleinen, übersehenen Warnungen, der dann irgendwann einen dramatischen Höhepunkt erreicht - oft mit einem "das hat er ja noch nie gemacht".

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei einem derart intelligenten Lebewesen wie einem Hund unmöglich sein soll, dass das Tier schlicht seinen Job nicht mehr mag?

    Wenn es nur auf dem Platz so auffällig ist: Vielleicht hat er wirklich jetzt, wo er älter wird, schlicht und ergreifend keine Lust mehr auf - für ihn! - zweckfreie Anstrengungen, möchte einfach in den sportlichen Ruhestand und nur noch entspannt durchs Gelände bummeln? Wie sollte er dir das anders mitteilen - er kann ja keinen Rentenantrag schreiben?

    Ich fass jetzt nochmal knapp zusammen: Du kannst einfach nicht mehr (was keine Schande ist). Du möchtest für die Hündin einen anderen Platz und dich dem unkomplizierten Zweithund widmen (auch absolut legal). Du denkst dabei nicht an dich, sondern möchtest nur, dass es Indie möglichst gut geht. Du möchtest sie zwar loswerden, aber weiter über sie entscheiden - buchstäblich bis zuletzt.

    Dann liegt die Lösung doch auf der Hand: Such dir jemanden mit einschlägiger Erfahrung, vielleicht auch eine professionelle Pension, wo Indie ein ganz ruhiges Leben führen kann. Wahrscheinlich wäre sie in einem Gehege mit regelmäßiger Zuwendung sogar zufriedener als bei jemandem, mit dem sie immer wieder in die stressige Welt hinausmuß.

    Sicher nicht so einfach zu finden, garantiert nicht gratis und nicht mal billig, aber es gibt bestimmt Leute, die so einen Hund professionell und als Dienstleistung in Pflege nehmen würden. Sowas suchst du ihr, bleibst ihre Eigentümerin - und dann zahlst du für sie. Alle Unkosten, eine angemessene Aufwandsentschädigung, und das bis an ihr Lebensende. Dafür bleibt die Kontrolle bei dir. Da du ja das Beste für sie und sie nicht einfach bequem loswerden willst, läge da doch eine optimale Lösung?

    Ja, das ist totaler Overkill. Da wäre uns jeder Welpe hier die Wände hochgegangen. Erst recht, wenn er zwischendurch auch noch drei Stunden überdreht in einer Box hätte toben müssen.

    Kommt einfach runter, atmet beide tief durch und lebt erstmal einen möglichst entspannten Alltag. Mit zur Arbeit zu müssen ist doch schon ein fettes Programm für so ein Zwerglein.