Update von der unendlichen Geschichte. 
Die Trainerin mit der ich die letzten Monate gearbeitet habe, ist wirklich richtig super. Was das Leinenpöbeln angeht sind es noch immer Minischritte aber sein komplettes Verhalten wenn er draussen unterwegs ist, ist viel konzentrierter und „bei mir“. Er fragt bei mir nach wenn er was komisch findet und checkt immer wieder bei mir ein.
Das ist definitiv den vielen kleinen Rädchen geschuldet, an der ich mithilfe der Trainerin drehe und macht mir sehr viel Hoffnung auch im Hinblick auf das Leinenpöbeln. Seine Orientierung an mir ist gerade besser als je zuvor. Der wichtigste Punkt: ich habe gelernt und weiss nun (recht zuverlässig)t, wieviel ich ihm wann, zumuten kann. Gerade im Bezug auf Reize, ist er aufgrund seiner Zwinger und Tierheimvergangenheit in Ungarn, nicht sonderlich viel gewohnt. Und nur weil er das weitesgehend internalisiert, heisst es nicht, dass sich das nicht in irgendeiner Form Bahn bricht. Das heisst der Alltag ist immer ein Abwägen und austarieren was er nervlich gerade leisten kann und was nicht.
Zwei, drei Sachen die besonders geholfen haben:
- an gewissen, für ihn aufregenderen Punkten (z.B. Kreuzungen) verweilen und entschleunigen, damit er in seinem Tempo schauen kann was passiert und sich nicht durch die Eindrücke hochspult. Die Zeitabstände werden aktuell immer kürzer. Manchmal stehen wir nur wenige Sekunden und er ist wieder voll da
- etablieren von Drop (Leckerlie fallen lassen) und Take (Leckerlie aus der Hand anbieten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten; er soll mich nur wahrnehmen) - beides nutze ich auch um seine Aufregung einzuschätzen und dementsprechend den weiteren Verlauf des Spaziergangs zu bestimmen
- wenn ich den Eindruck habe, er ist an dem tag schon zu angespannt (und da ich keinen Garten habe): mittags, statt eines Spaziergangs, an ort X fahren wo er einfach in ruhe auf 100 Metern schnüffeln und leerpinkeln kann (ohne risiko von einem hund überrascht zu werden) - also generell Situationen mit Fremdhunden komplettvermeiden, wenn er die gerade eh nicht bewältigen kann
- flexibles anpassen des Spaziergangs auf sein generelles Stresslevel - ich gehe zwar mit der idee eines ziels los aber passe das Ziel während des spaziergangs an
Laaaangsam aber sicher wird es. 
Beim Leinenpöbeln sehe ich auch Fortschritte. Die Trainerin hatte ja schnell festgestellt, dass er aus jeglichem Kontakt einfach nur raus will und wenn er glaubt, dass das nicht möglich ist (z.B. weil hund auf ihn zukommt oder -seinem empfinden nach!- bereits zu nah ist), ist das Ausflippen und somit Hund auf Abstand halten, seine Lösungsstrategie.
Er ist imo so eine Mischung aus Sensibilität und bollerige Massivität. Vermutlich macht es der Rassemix Shar-Pei-Boxer-Engl.Bulldogge. 
Es ist ein auf und ab aber ich sehe die Verbesserungen. Wir hatten letzte Woche eine Situation in der ich ein „auf einen Hund zugehen“ provoziert habe weil er nervlich gerade stabil war. Wir mussten um zu meiner Wohnung zu kommen, ein paar Meter in die Richtung eines Hunde-Halter-Gespanns laufen. Hätte ich früher niemals gemacht. Der anblick hätte gereicht um ihn zu triggern. Er fing kurz an zu starren aber orientierte sich plötzlich zu mir, so im sinne von: „wollen wir da jetzt echt hingehen?“ 
Allein diese kommunikation, das er nun fähig ist mich auch als Hilfe wahrzunehmen, ist schön. Ein Jahr mit ihm ist nun rum. Ich bin gespannt wie es in einem weiteren Jahr aussieht.