Beiträge von Bonadea

    Das Problem ist einfach - Qualzucht ist kein allgemeiner Übrbegriff für alles was in der Zucht/Produktion von Hunden schiefläuft, sondern meint speziell die Übertypisierung von Merkmalen, die gewollt sind und dann zu gesundheitlichen Leiden führt.

    Du verstehst einfach nicht worauf ich hinauswill.

    Natürlich sind alle Merkmale, die ÜBERTYPISIERT werden und gezielt in der Selektion gefördert werden "qualzuchtverdächtig" - da habe ich dir im Übrigen nie widersprochen.

    Aber ich verstehe ganz einfach nicht, wie man Wesenszüge, Charaktereigenschaften und Erkrankungen, die offensichtlich eben nicht explizit mit einem "äußerlichen Merkmal kombiniert sind" als Qualzucht betiteln und gleichstellen kann.

    Welches Merkmal wird denn bei einer DCM gefördert und geduldet?

    Welches Merkmal führt zur Hyperaktivität?

    Welches Merkmal verursacht Fersenkappenabriss beim Sheltie?

    Du schmeißt einfach grad tausend Dinge durcheinander. Erst hast du über verhaltensgestörte Hunde geredet, dann über Bullies, die nicht so schlimm dran sind wie Hunde, die ein Stressproblem haben und jetzt reden wir doch wieder über Übertypisierung. Tut mir leid, es ist keine böse Absicht - aber ich kann deiner Argumentation wirklich schlecht folgen.

    Was? Sorry, ich verstehe echt gar nicht worüber du dich jetzt aufregst.

    Über eine "unfaire" Debatte im Fernsehen?

    Über Qualzuchten?

    Über eine degenerierte Gesellschaft?

    Über Hunde, die sich nicht ausleben dürfen?

    Über die Ansprüche von Käufern an ihren Wunschund?

    Ich komme gerade nicht mehr mit.

    Ich bin da etwas anderer Meinung und finde, besseres als den Tod gibt es (fast) immer. Bei so einem endgültigen Schritt sollte es keine Zweifel geben. Im Zweifel für das Leben.

    Das Vorhandensein von Schuldgefühlen zeigt dir an, dass es Zweifel gab, ob der Tod das Beste war.

    Mit Fehlern, die man nicht mehr ändern kann, muss man eben leben. Aber "mach dir keinen Kopf, es war schon alles richtig" wäre mir zu billig, da es nur darauf abzielt, deine Gefühle zu betäuben.

    Der Hund hatte vermutlich ein fortgeschrittenes Herzleiden und einen komplett kollabierten Kehlkopf. Keine OP und keine Schuldgefühle der Welt hätten hier noch irgendwas anrichten können. Wenn ein Hund nicht mehr fressen kann, nicht mehr schlafen kann, mehrmals am Tag kollabiert und 24/7 nach Luft ringt, dann ist wohl die Erlösung der letzte Dienst, den man seinem geliebten Gefährten noch erweisen kann.


    Liebe TE - lass dich nicht verunsichern. Atemnot heißt ständige Todesangst. Es erfordert immer Mut diesen letzten Schrtt zu gehen. Wer zweifelt, zeigt nur, dass er wirklich alle Optionen in Betracht gezogen hat. Ich wünsche dir sehr viel Kraft deinen Verlust zu verarbeiten. Ich kann dir nur raten dich nochmal mit deinem Tierarzt in Verbindung zu setzen, oft helfen Gespräche im Nachgang die Sache besser zu verarbeiten und mit etwas Abstand zu betrachten. Der Schmerz wird nicht weniger, aber die Zweifel werden es.

    ..gibt es bei Rassen, deren Merkmale heute extremer rausgezüchtet werden, auch jetzt erste kleinere negative Veränderungen, die vielleicht ebenfalls im Laufe der Generationen mal zu extremen Qualzuchtmerkmalen heranwachsen könnten.

    So jedenfalls interpretiere ich das.

    Und welche Merkmale und welche Rassen sollten das z.B. sein?

    Ernst gemeinte Frage.

    Ich beziehe mich da aber auf die rein physischen Erkrankungen. Für mich ist es ein Fehler Zuchtziel ohne Nase von extremen Zucht"nebenwirkungen" zu trennen. So sind meiner Meinung nach Qualzuchten entstanden. Mutationen die Gefallen gefunden haben wurden dann absichtlich vermehrt (egal ob nun professionell oder Hinterhof). Da müsste geschaut werden wie viele Hunde mit welchen "Nebenwirkungen" in den Rassen zur Welt kommen und ob es vertretbar ist, nur um sein "Spielzeug" weiter ausbauen zu können, das Risiko einzugehen, dass die Mehrheit der Hunde an einer bzw. mehreren Krankheiten leiden, welche ihr Leben deutlich beeinträchtigen.

    Nein - bitte richtig lesen. Hier geht nur um die DEFINITION von etwas - ganz ohne Wertung!

    Du schreibst doch selbst "Mutationen, die Gefallen gefunden haben" -> also etwas was ganz gezielt und ganz bewusst seinen Weg in die Zuchtauslese und Selektion gefunden hat.

    HD, DCM, Autoimmunerkrankungen, Kupferspeicherkrankheit beim Bedlington Terrier etc. pp. ... wer würde denn daran Gefallen finden und sich denken "och ja, find ich gut, züchten wir genau so weiter!"

    Ich denke niemand. "Zuchtnebenwirkungen" kommen durch Homozygotie, Verarmung des Genpools bzw. Abnahme der genetischen Varianz, Nutzung von popular sires und durch die Etablierung einer gewissen Konzentration von Defektgenen in einem geschlossenem Zuchtsystem, wo nichts "Frisches" mehr reinkommt. Das ist ein riesen Thema in der Rassehundezucht und der Grund, warum uns irgendwann so manches um die Ohren fliegen wird - definitiv diskussionswürdig und mit einer der größten Kritikpunkte unserer modernen Rassehundezucht.

    Nur muss man erkennen, dass da zwei unterschiedliche Motivationen dahinter stecken, weshalb es einfach unablässlich ist, diese zwei Punkte auch zu trennen.

    Wir haben übrigens für die Rassehundezucht und deren Folgen ebenso Themen, da kann sowas dann abseits der klassischen Qualzuchtdebatte diskutiert werden:

    Wie transparent ist die Rassehundezucht wirklich?

    Rassehundezucht = Die heilige Kuh? Fragen zur Rasseneugründung und gezielten Mischlingszucht

    Und zu den Qualzuchten - Das ist jetzt der DRITTE Qualzuchtthread. Stöbert doch einfach mal in den Alten! Von DSH, Verzwergung, Übergröße, Falten, Fell, Brachycephalie, Nackthunde wurde wirklich schon alles Mögliche diskutiert ;-) Ist also nicht so, dass es immer nur um die Brachys geht - obwohl diese nun mal die Personifikation von Qualzucht sind.

    straalster - jetzt hast du aber auch nur selektiv zitiert und gelesen. Der Vergleich mit den Bulldoggen, die angeblich nur im Sommer mal "ganz kurz" eingeschränkt sind kam doch von dir? Also hast du es relativiert, nach meinem Verständnis. Aber gut, lassen wir das.

    Und auch an dieser Stelle nochmal - Qualzucht und mit der Zucht einhergehende Erkrankungen kann man nicht auf eine Stufe stellen. Beides ist scheiße, beides muss züchterisch angegangen werden. Aber man kann nicht beides in einen Topf werfen. Und darum geht es mir!

    Züchte ich einen Hund mit willentlich kurzer Nase, weil ich es süß finde und es zum "Standard" gehört und der Hund trägt gesundheitliches Leid davon, dann ist das QUALZUCHT. Denn schließlich wird hier auf ein Merkmal BEWUSST selektiert, obwohl man sieht, dass es der Gesundheit ganz offensichtlich abträglich ist. Gleiches kann man bei Übergröße, Verzwergung, extrem viel Fell, extrem viele Falten etc. pp. anführen.

    DCM, HD, PRA, CEA und tausend andere Gendefekte sind "zufällig" in der Rasse entstanden und haben sich dort etabliert. Es gibt aber kein gwünschtes Zuchtziel diesbezüglich. Diese Defekte sind ein sehr großes Problem und für die betroffenen Hunde natürlich eine Katastrophe - aber sie fallen eben nicht unter den Begriff Qualzucht.

    Auch wenn viele Medien und Journalisten die Unterscheidung davon eben auch nicht hinkriegen.

    Aber ich fände es schön, wenn man das wirklich nach über 1000 Seiten Qualzuchtdebatte wenigstens hier im DF differenziert betrachten könnte.