Man muss bitte bei der Artensterben-Treiber-Diskussion den Begriff "die Landwirtschaft" als den politischen Begriff sehen, der er ist. Damit sind nicht die einzelnen Landwirte gemeint, sondern ein Agrar-System, das von z. T. hahnebüchenen Vorschriften und Regeln gekennzeichnet ist. Der derzeit überwiegende Agrar-Industrie-Anteil der heimischen Landwirtschaft ist politisch so gewollt gewesen. Für Landwirte hiess das und heisst es noch: friss oder stirb, sprich: akzeptier die Bedingungen oder gib auf. Die früher üblichen kleinen Landwirtschaften, die betriebswirtschaftlich auf vielen Füßen standen, mussten grossen Agrarunternehmen weichen, weil die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit sonst nicht mehr gegeben war. Das jetzt den Landwirten anzulasten, ist der falsche Weg.
Bio-Produkte haben immer noch (obwohl so viele Menschen auf die böse Landwirtschaft schimpfen) einen popeligen Marktanteil von unter 10%. Nicht, weil sie nicht darüber hinaus produziert würden, sondern weil sie schlichtweg nicht gekauft werden. Da sind die Möhren krumm, die Äpfel einen Hauch zu klein, in der Kartoffel winkt einem ein fröhlicher Drahtwurm entgegen, im Getreide holt man sich ggf. Lebensmittelmotten ins Haus, weils im Lager unbehandelt bleibt und es ist, Überraschung: teurer. Solange ein Großteil der Verbraucher mit sowas nicht klarkommt, bleibt das dringend nötige Wachstum der Bio-Branche aus. Liegt das wirklich an den einzelnen Landwirten oder nicht doch auch mit am Verbraucherverhalten? Man braucht gar nicht weit zu schauen, selbst hier im Forum gibt es oft genug Aussagen wie z.B. dass einem das Biofleisch für den 10 kg-Hund zu teuer ist.
Und dann gibt es engagierte Landwirte, die an Vertragsnaturschutzprogrammen teilnehmen (das wird ihnen dann wieder ausgelegt, als bekämen sie die Kohle in den Hintern geblasen, statt als das was es ist: eine in der Regel zu kleine Entschädigung für den Einkommensausfall), in enger Zusammenarbeit mit UNB und Naturschutzverbänden und dann stellen wir auf einmal fest, dass es die auf die Landwirtschaft schimpfende Bevölkerung nicht die Bohne interessiert, ob da vllt. seltene Vögel geschützt werden, eine Orchideen-Art oder Gelbbauchunken - da tummeln sich Hunde im Weiher, fahren Enduros in die Brachen, trampeln die Leuts kreuz und quer. Aber klar: die Landwirtschaft ist der böse Wicht.
Mich macht das, obwohl ich selbst keiner bin, allmählich so richtig sauer.
Ich hab mal zum Spaß durchgerechnet, was ich mit dem was ich auf meinem Grünland tue, als VNP-Leistungen beantragen könnte. Das ist ein Witz! Damit wird nichtmals die Zeit vernünftig abgegolten, die man vor diesem Bürokratie-Wahnsinn am Schreibtisch hockt, geschweige denn die tatsächliche Arbeitszeit rein für Natur- und Artenschutz und der Ertragsverlust. Und das ist nicht ansatzweise eine angemessene Anerkennung einer gesamtgesellschaftlich überaus nützlichen, aber konsequent ignorierten und sabotierten Naturschutztätigkeit.
Mit dem Finger auf andere zeigen, ist immer leicht, es selbst besser zu machen, sollte die Devise sein. Und damit, um den Bogen in diesem Thread wieder aufs Thema zurückzuschlagen: jeder einzelne Naturnutzer da draussen trägt Verantwortung für Natur- und Artenschutz!