Zitat
Nur einen Befehl gegeben. Er hat erst geschnappt als sie sich bereits abwendete. Ich habe auch reagiert, ich habe ihr sofort verboten dem Hund weiter einen Befehl zu geben, sie drehte sofort ab und er schnappte.
Das ist übrigens ein Verhalten, das "neue" Hunde sehr oft zeigen.
Grad ganz kurz da - also orientiert Hund sich an dem, der offensichtlich das Sagen hat - an Dir in diesem Fall.
Du "schimpfst" ein klein wenig mit Deiner Tochter, also zieht Hund mit und "schimpft" auch. Das passiert in schlecht gemanagten Hundegruppen ähnlich.
Ich finde es wichtig, diesen kleinen, feinen Unterschied zu beachten - der Hund hat nicht abgeschnappt, als Deine Tochter ihn rumkommandieren wollte, er hat erst "mitgemacht", als Du Deine Tochter geschimpft hast.
Er hat auf Hunde-Art "mitgeschimpft", weil er dachte, das sei in diesem Moment das gewünschte "Gruppenverhalten".
Dass er in dieser Hinsicht nichts zu melden hat - dazu hatte er noch keine Gelegenheit, dies lernen zu dürfen.
"Er hätte nicht schnappen dürfen" - da gebe ich Dir durchaus Recht - ABER, dieser Satz kann erst gelten, nachdem ein neu hinzugekommener Hund Gelegenheit hatte, die Regeln des Hauses zu lernen. Nachdem ein Hund lernen durfte, dass es sehr wohl Unterschiede zwischen Hunden und Menschenkindern gibt.
Nachdem ein Hund lernen durfte, dass es andere Möglichkeiten gibt, sich aus bedrängenden Momenten "rauszuretten". Das ist gerade bei Hunden und Kindern wichtig.
Das dauert einfach ein wenig - und bis dahin muss der, der das Sagen hat, halt noch souveräner und bedachter mit allen möglichen Situationen umgehen, dem Hund und dem Kind noch mehr Hilfestellung geben als so schon.
So oder so - wenn das Vertrauen futsch ist, ist es für alle Beteiligten das Beste, sich zu trennen.
Aber - dieser Hund hat einen einzigen Fehler gemacht. Während Du mehrere Fehler begangen hast. Das ist menschlich, kommt vor und ist in meinen Augen überhaupt nichts Schlimmes. Man wächst mit seinen Aufgaben. Und macht sehr viele Erfahrungen erst aus Fehlern heraus.
Aber Du brichst an dieser Stelle ab - und reichst den Hund weiter.
Dieses ganze "was da alles passieren kann, er hat gebissen"-Gerede ist ein einziger - mit Verlaub, oberfränkisch - Schmarrn.
Der Hund wußte es nicht besser - woher, wenn ihm niemand die Regeln erklärt hat? - und Du hast, bitter, aber wahr, in Deiner Führungsrolle in diesem Moment schlicht und einfach versagt. Das sagt nichts über Deine sonstigen Fürhungsqualitäten aus - aber in diesem einen Moment hast Du Mist gebaut.
Das wäre vermeidbar gewesen. Von Deiner Seite aus.
Ein mit Bedacht, souverän und in allen möglichen potentiell für den Hund noch nicht einschätzbaren Situationen denkend geführter Hund - wäre gar nicht in diese Lage gekommen.
Ich mache Dir nicht zum vorwurf, dass Du es für das Beste hälst, Dich von Theo zu trennen.
Manchmal paßt es zwischen Mensch und Hund einfach nicht.
Aber den Vorwurf, dass Du es Dir ein wenig zu leicht machst, indem Du Deine Fehler dem Hund zusprichst, den musst Du Dir schon anhören.
So wird nämlich aus ganz normalen, netten Hunden ein schwer vermittelbarer Kandidat - weil Hund ja angeblich völlig ohne Grund nach einem Kind geschnappt hat.
Die Wahrheit hat aber immer mehrere Seiten - und die des Hundes sieht i. d. R. ganz anders aus. Nur leider kann er nicht für sich sprechen.
Und nun soll der Hund NOCH eine kurze Zwischenstation erleben "dürfen" - hast Du überhaupt eine Ahnung, was Du damit alles anrichtest? Das spricht nicht gerade für allzuviel Verständnis, was Hunde mit Vorgeschichte angeht.
Nun ja, jetzt habe ich doch "gehackt" - aber bei so wenig Einsichtigkeit in die eigenen Fehler, da rollen sich mir wirklich die Fußnägel hoch vor Zorn.
Weil es wieder einmal der Hund ausbaden muss, dass sich ein Mensch überschätzt hat.
LG, Chris