Das hängt mit Sicherheit stark von der eigenen Person ab. Ich z.B. mag auch Hunde, die selbständig sind. Ansprechbar sollen sie aber auch sein. Ich gehe z.B. kein Risiko ein - und empfinde diese Situationen dann auch als eher stressig - bei Kontakt mit Fremden. Es gibt eine ganze Reihe an Situationen, in denen ich den Hund unbedingt unter Kontrolle und schlimmstenfalls auch an der Leine wissen will. Meine persönliche Hitliste:
- Kinder, besonders mit Schlitten, laut und schreiend
- Reiter (keiner meiner Hunde tut Pferden was, aber wissen die das auch)
- Jogger
- Inliner
- Radler
- Rentner
- Nordic Walker ... grusel
- die Hundeschule im Wald :zensur:
Ich kann meinen Großen durchaus schon vertrauen und tue es gelegentlich auch einfach, wenn ich der Ansicht bin, ich muss mich ganz auf den Jungspund konzentrieren oder wenn ich gepennt habe, aber bei allen Kontakten, die eben zu unangenehmen Folgen führen könnten, wenn sie denn schief gingen, bin ich übervorsichtig.
Ein Teil meiner eigenen Unentspanntheit in diesen Situationen rührt daher, dass die Luft für uns Hundehalter immer dünner wird. Dinge, die früher niemanden interessiert hätten (wie ein Hund, der im Hundefreilaufgebiet mal an einem schnüffelt) können heute schon zum Besuch der Ordnungshüter führen (alles schon erlebt) und allzu oft nehmen sich die Gegenüber eben auch raus, keine Rücksicht nehmen zu müssen, weil ich als HH ja per se Schuld bin.
Bei den meisten anderen Dingen bin ich aber total entspannt und sehe sie locker - meine Hunde dürfen auch mal in den Wald rennen, sich auch mal sehr weit entfernen, auf der Wiese nach Mäusen buddeln, schwimmen und vieles, was andere HH nie gestatten würden. Grundvoraussetzung ist aber für mich die Abrufbarkeit. Wobei ich mich nie zu 100% drauf verlasse und in manchen Situatutionen durchaus eine 'Seis drum' Haltung habe, so lange es um Kleinigkeiten geht. Es entspannt sehr, wenn man keine Perfektion von sich als Team verlangt, aber in den wichtigen Momenten nie (oder fast nie) enttäuscht wurde.
- DAS IST JETZT AUSDRÜCKLICH NICHT AUCH AUF HUDSON BEZOGEN -
Beim Hüten hab ich - wie oben erwähnt - schon diese sehr kontrollierten Hündinnen gesehen. Ihr HH ist auch sehr schnell gestresst und kontrolliert darum außerhalb der Wohnung alles. Diese Hunde sind am Vieh anders, als andere Aussies. Es dauert ewig, bis sie sich überhaupt mit der Sache befassen - sie machen keine Angebote. Das wäre für mich eine Katastrophe, schon weil ich mehr auf den Hund angewiesen bin als er auf mich
Diese Hunde wirken nie befreit, absolut nie - sie sind sehr kontrolliert und auch sehr langsam. Ein Rennen und Sprinten kommt denen nicht mehr in den Sinn.
Diese Hunde stehen unter zu viel Kontrolle und man merkt es ihnen auch im Alltag an, weil sie auf der einen Seite extrem kontrolliert werden, aber auf der anderen Seite vom HH sehr oft Unsicherheit und Streß vermittelt bekommen - sie leben im ständigen Konflikt mit dem Gefühl 'Alarm, ich muss regeln' und einem zu befolgendem Regelkatalog der Dicke eines Telefonbuchs.
Einem sensiblen Aussie kann das die ein oder andere Sicherung kosten. Es ist nicht so leicht heutzutage. Prinzipiell bin ich der Ansicht, dass die Hunde entspannt sind, wenn ihre Menschen entspannt sind (grundsätzlich, nicht in jeder Situation). Es kommt auf das jeweilige Gemüt des Hundes an und auch auf das Team. Ein unsicheres Sensibelchen braucht deutlich mehr Führung um sich sicher zu fühlen und glücklich zu sein. Die nehmen einen festen Rahmen, in dem sie sich bewegen können, auch gut an - es weist ihnen eine Position zu, auf der sie sich zurücklehnen und wohl fühlen können und auch keine Sorgen haben. Für solche Hunde bedeutet ein Regelwerk und Führung innere Ruhe und Festigkeit.
Ein Hund wie Shadow jedoch ...
Gar nicht so einfach zu beantworten.