Beiträge von flying-paws

    Also, ich fasse mal zusammen:

    Ein zehn Wochen alter Welpe wird in ein komplett anderes Leben geworfen, wird dort krank, ist nach wie vor krank und wird mit Auslastungsplänen und tausend neuen Übungen konfrontiert.

    Ehrlich, ich könnte weinen für den Zwerg. Das hört sich wirklich schrecklich an.

    Erste Aufgabe: Dafür sorgen ihn in Ruhe zu lassen, damit er gesund werden kann. Kein Training, einfach für ein Umfeld sorgen, in dem der Zwerg ankommen kann, spielen kann, solange er möchte, schlafen kann, wann er will und seine Geschäfte erledigen kann, wenn sie sein müssen. Er muss erst Mal gesund werden, der arme Zwerg.

    In der Zwischenzeit gibt es mal was zu lesen für die zugehörigen Menschen. Vielleicht wird damit einiges klarer:

    Das erste Trauma eines Welpen in seinem Leben: Der Umzug ins neue Zuhause

    Mal abgesehen von der Demenzsache finde ich beeindruckend, wie wendig und weich Cooma sich noch bewegt. Das sieht bei manchen halb so alten Hunden anders aus.

    Ja, das ist tatsächlich irre. Vor allem, wenn man überlegt wie viele Kilometer die auf dem Zähler hat. Sie war gut zehn Jahre mein Hauptarbeitshund, wir sind viele, viele Wettbewerbe gelaufen, sie hat Dummysport gemacht, wir sind Joggen und Radfahren gewesen ... Sie war immer in Bewegung. Mein Physio ist auch begeistert.

    Coomas Mutter war aber auch so fit bis in dieses Alter. Was anders war bei ihr: Sie hatte Arthrose in den Pfoten. Sie war aber auch schwerer als Cooma, weil sie einen ganz anderen Körperbau hatte. Und ich habe mit der noch Frisbee gespielt als sie Junghund war und dann noch ein paar Jahre Agility gemacht. Mit Cooma habe ich die Belastung erst angefangen hochzuschrauben als sie schon über ein Jahr alt war. Und sie hat nie einen Sprungsport gemacht.

    Ich frage mich gerade warum alle denken, dass es so stressvoll ist dem Hund beizubringen wegzugehen und wegzubleiben. Ich scheine da beim Trainingsaufbau was falsch zu machen. Für meine Hunde war das nie sonderlich stressbehaftet. Ich finde ja sogar, dass eins der wichtigen Kommandos ist, was man im Alltag haben sollte, damit man eben genau stressfrei miteinander leben kann.

    Ich habe da übrigens kein starres System. Ich kann den Hunden sagen, dass sie weggehen und wegbleiben sollen und, wenn ich das nicht sage, können sie auch mal mitdaddeln und schauen was ich mache.

    Beim Grübeln sind mir noch einige Punkte gekommen, die meine damals demente Border-Collie-Hündin nicht so gezeigt hätte. Cooma versucht durch Kreativität eine Lösung zu finden. Sie probiert aktiv herum, indem sie hin und her läuft, diese lustigen Hüpfer über die Blanke macht, dann ein Stück in den Graben geht und testet. Was ihr nicht sehen könnt, weil ich erst danach angefangen habe zu filmen: Zuerst hatte sie nach einem anderen Weg gesucht, indem sie ein Stück am Graben hin und her gelaufen ist und ist dann zurückgekommen, als sie keinen fand. Sie zeigt auch "Erleichterung", als sie auf der anderen Seite ist. Weiß also auch, dass die Aufgabe jetzt bewältigt und fertig ist.

    Meine demente Hündin hätte eine der folgenden Varianten gemacht: Sie wäre einfach stumpf in den Graben marschiert, obwohl sie das körperlich gar nicht hätte leisten können, wäre abgestürzt und unten liegen geblieben. Oder sie hätte versucht über die Blanke zu laufen und wäre abgestürzt.

    Bei ihr hätte ich das so niemals gemacht! Ich hätte sie frühzeitig angeleint und auf dem Arm drüber getragen. Sie hatte übrigens am Ende die ganz typischen Demenzsymptome. Es gab keinen Tag-Nacht-Rhythmus mehr. Sie fand den bekannten Weg aus dem Garten nicht mehr. Sie lief immer rechtsherum im Kreis, wenn ich sie im Garten oder auf dem Hof hatte. Wenn sie in eine Ecke gelaufen war, kam sie nicht mehr weg, wenn das nicht nach rechts möglich war, weil links und rückwärts nicht mehr ging. Sie hatte vergessen, dass sie schon ihr Futter hatte. Und so weiter ... nichts davon trifft auf Cooma zu.

    Bei meinem Lisko sehe ich erste Anzeichen einer Demenz. Noch ganz mild, aber bei ihm geht es wohl dahin ...

    Ich kam darauf, als ich das Video von Cooma und dem Graben sah. Das ist (in meinem Verständnis) ein Zeichen von Demenz, wenn ältere/alte/sehr alte Hunde Aufgaben, die sie sonst sicher und souverän gelöst haben, plötzlich nicht mehr können und Anleitung/ Hilfe brauchen.

    Da du diesen Hund nicht kennst, kann ich dir sagen, dass das bei ihr kein Zeichen von Demenz ist, sondern tatsächlich das Gegenteil.

    Durch ihre Paroxysmale Dyskinesie ist sie eingeschränkt. Wenn eine solche Attacke kommt, hat sie Probleme sich auszubalancieren bei allen Dingen, bei denen man Gleichgewicht braucht. Es ist also nur schlau, dass sie zögerlich ist und sich nicht in Gefahr begibt, wenn sie die Situation nicht einschätzen kann. Sie wartet zu Hause z.b auch am Treppenabsatz kurz, ob sie eine Attacke bekommt oder nicht und geht erst dann los, wenn die Attacke vorbei ist oder sie merkt, dass keine kommt.

    Wichtig ist, dass man selbst Lust auf zwei Hunde hat. Die Logistik dahinter ist eben eine andere als bei nur einem Hund. An manchen Stellen hat man doppelten Zeitaufwand. Gerade in den ersten zwei Jahren finde ich es immens wichtig sich auch immer wieder alleinige Zeit für den neuen Hund zu nehmen. Man muss auch damit rechnen, dass da evtl. Dynamiken auftreten, die man nicht so gerne hat. Meine achtjährige hat zum Beispiel herausgefunden, dass sie meine Jüngste schicken kann das zu machen, was sie nicht darf. Und die Jüngste eigentlich auch nicht.

    Dann ist zu bedenken, dass ein alternder Hund zunehmend mehr Schutz braucht. Irgendwann kann Anrempeln evtl. schon zu viel sein. Allein zusammenlassen ist dann z. B. evtl. heikel oder nicht mehr möglich und so weiter ...

    Ich persönlich schätze den Mehrwert, den die Hunde voneinander haben. Das hat nichts damit zu tun, dass die sich Erziehung voneinander abgucken sollen, sondern ein Lebewesen mit im Haus zu haben, das die gleich Sprache spricht. Was aber nicht heißt, dass man als Mensch da einfach immer nur zuschauen kann. Da muss man auch damit rechnen, dass man das vor allem in der Anfangszeit gut anleiten muss. Ich habe hier jegliche Konstellation, also von "kann ich einfach zugucken, die bekommen das hin" bis "muss ich immer eingreifen, weil es sonst blöd wird".