Hallo,
sorry, daß ich vorhin nicht auf den Namen kam, ja, Wilma ist desöfteren zu lesen gewesen... 
Zum einen habe ich Ronja, nachdem sie mir 2x tatsächlich abgehauen ist, erstmal an die Schleppe gehängt. War mir auch zu gefährlich, weil sie auf dem Weg nach Hause 2 Straßen überqueren muß (von da aus, wo sie abgedüst ist).
Es ist schwierig, den Mittelweg zu finden zwischen "dem Hund Sicherheit vermitteln" und "betüddeln und seine Angst bestärken". Fällt mir auch heute noch schwer. Natürlich kann man unvermittelte Geräusche nicht vorhersehen. Das macht es ja auch teilweise so schwierig. Ich weiß z.B. daß Ronja noch immer sehr unsicher ist, wenn wir im Dunkeln raus gehen. Deshalb kommt sie dann auf keinen Fall von der Leine.
Ich bin sehr froh, daß sie sich mittlerweile in vielen Situationen an mir orientiert. Sie zeigt zwar durchaus noch Angst (angelegte Ohren, geklemmte Rute, Fluchtinstinkt), schaut aber zu mir und holt sich Rückmeldung. Auch heute noch fällt es mir teilweise schwer, gelassen und souverän zu bleiben. Man ist immer gewillt sowas zu sagen wie "Ach Ronja, brauchst doch keine Angst zu haben, ist doch bloß x y z...!". Ich beiß mir immer auf die Zunge und gucke gen Himmel. Oder ich finde plötzlich ne ganz spannende Stelle im Gras, wenn sie sich erschreckt hat. Ich spreche sie nicht an, bücke mich einfach runter, streiche mit der Hand durch's Gras und tue ganz erstaunt..."Was ist denn das...?" Wird sie dann auf mich aufmerksam, lobe ich sie und verstecke an der Stelle nen Leckerchen im Gras. So hat es bei Ronja zumindest teilweise funktioniert und der angstauslösende Reiz war schnell vergessen.
Erst gestern hat sie sich erschreckt vor einem Handschuh. Den hatte wohl jemand verloren und er steckte hier am Nachbargrundstück auf dem Gartenzaun...sie fing an zu knurren und macht nen Bogen mit eingeklemmter Rute. Ich hab den Handschuh erst gar nicht gesehen und dachte, da sitzt was im Gebüsch. Ich hab ihn dann runter genommen, ihn mir genau angeschaut (ich weiß, was ein Handschuh ist, keine Angst...
). Ronja wurde neugierig, ich hab ihn ihr kurz gezeigt, sie bekam ein Leckerchen für ihren "Mut" und auf dem Rückweg hat sie ihn nicht mehr beachtet.
Puh, ist jetzt wieder lang geworden und ich hoffe, Du verstehst so einigermaßen, wie wir es handhaben und wie ich versuche, ihr uneingeschränktes Vertrauen zu gewinnen. Wie gesagt, es klappt so nicht in allen Momenten. Aber es wird besser.
Daß sie sich nun auch an mir orientiert, wenn sie frei läuft, war ein langer Weg. Ich habe mich sehr lange nicht getraut, sie abzuleinen. Die Schleppe war unser (mein) bester Freund. Vor allem strahlt man selbst nur durch diese "blöde" lange Leine mehr Sicherheit aus, weil man ja weiß, daß der Hund nicht unkontrolliert durchstarten kann. Das Bauchgefühl dabei macht schon ne Menge aus.
Achso, noch dazu, daß Du nicht nachvollziehen kannst, warum sie so unsicher ist. Konnte ich bei Ronja anfangs auch nicht. Sie kam mit 12 Wochen zu uns...ist liebevoll aufgezogen worden...ich kenne die Eltern und die Tante. Mir ist erst später bewußt geworden, daß sie durch ihre Kindheit auf einem kleine Dorf nicht viel kennegelernt hat. Zum Beispiel auch keine (oder nur wenige) Männer. Das Frauchen war mit den Hunden allein. Hündisches Sozialverhalten ist bei Ronja top, sie hatte ne prima Beißhemmung, als ich sie dort abgeholt habe und sie verträgt sich prima mit Hunden aller Art, spricht sehr gut "hündisch". Es liegt bei ihr an der mangelnden Sozialisierung auf Umweltreize.
Bei Deiner Wilma (hab's gelernt...!) kann ich mir sehr gut vorstellen, daß sie durch die Mutter stark geprägt ist, wenn diese panisch reagiert hat. Das überträgt sich ganz stark auf die Welpen. Und Wilma hat bereits da gelernt, auf gewisse Dinge eben mit Panik zu reagieren (durch das Vorleben der Mutter). Ich würde das nicht unterschätzen (also diesen Einfluß).
Und genau wie bei Ronja wird sich diese Angst in einer der Angstphasen manifestiert haben. Bei Ronja trat es erstmals so mit 5-6Monaten auf, eine der ersten Angstphasen, die Junghunde durchmachen, nachdem sie von der Mama weg sind.
Jetzt muß ich mit meiner Maus nochmal vor die Tür und ab in die Kiste. Wünsche Dir eine gute Nacht...!
Liebe Grüße
BETTY und Ronja